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Wirteverband Basel-Stadt

Wirteverband Basel-Stadt


27.08.2017

Öffnet den Fleischmarkt!

Wirksames Mittel gegen den überbordenden Einkaufstourismus

Nirgendwo ist Fleisch teurer als in der Schweiz. Die hohen Preisunterschiede gehören zu den Hauptmotiven, im grenznahen Ausland einzukaufen. Doch nicht nur deshalb ist es Zeit für eine Öffnung des Marktes.

Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt. Dennoch ist hierzulande der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch 16 Prozent tiefer als in Frankreich, 18 Prozent tiefer als in Deutschland, 21 Prozent tiefer als in Italien und sogar 37 Prozent tiefer als in Österreich. Die Preise in unserem Land sind offenbar so hoch, dass selbst die wohlhabende heimische Bevölkerung sich einschränkt. Für Normalverdiener ist Fleisch in der Schweiz beinahe ein Luxusprodukt.

Weil Fleisch in den Nachbarländern viel günstiger ist, gehört es zu den Haupttreibern des Einkaufstourismus: Herr und Frau Schweizer kaufen pro Jahr für über eine Milliarde Franken Fleisch jenseits der Grenze ein! Natürlich wird der Einkaufskorb gleich noch mit allem anderen gefüllt – und anschliessend geht man Kaffee trinken oder in ein Restaurant essen.

Bis zu einer Schwelle von einem Kilogramm pro Person und Tag ist der Import in die Schweiz zu privaten Zwecken zollfrei möglich. Gastronomen und Hoteliers steht dieser Weg allerdings nicht offen. Sie werden durch komplizierte Kontingente und hohe Zölle davon abgehalten, sich günstig einzudecken. Dadurch sind sie im internationalen Wettbewerb behindert.

Kein Wunder, blüht der Fleischschmuggel! Zöllner entdecken in Lieferwagen oder Kofferräumen regelmässig schlecht gekühltes Fleisch. Bei spektakulären Fällen geht es um mehrere Tonnen. Die Dunkelziffer ist hoch, denn nur ein kleiner Teil der Schmuggler fliegt auf. Angesichts der riesigen Mengen muss man davon ausgehen, dass die Ware nicht nur bei Privaten, sondern auch in Imbissbetrieben, Restaurants oder Lebensmittelläden landet.

Niemand will an den hohen Fleischpreisen in der Schweiz schuld sein. Bauern behaupten, sie könnten ihre Tiere gratis abgeben und das Fleisch wäre im Endverkauf dennoch teurer als im Ausland. Es liege an den nachgelagerten Branchen von Verarbeitung, Handel und Verkauf, dass das Fleisch so viel koste. Anders äusserte sich kürzlich der Geschäftsführer des Fleisch-Fachverbandes in den AZ Medien: «Die Rohpreise für Fleisch erreichen in vielen Fällen bereits das Niveau der Ladenpreise im Ausland. Die Metzger könnten also gratis arbeiten und das Fleisch wäre trotzdem teurer.»

Tatsache ist, dass die exorbitanten Fleischpreise nur deshalb möglich sind, weil der heimische Markt abgeschottet wird. Dabei zeigen die Beispiele Käse und Wein, das eine Öffnung für die Anbieter durchaus verträglich ist: Qualität und Vielfalt steigen, und viele Konsumenten sind bereit, für gute Schweizer Produkte einen happigen Aufpreis zu bezahlen. Leider gibt es in unserem Land starke protektionistische Strömungen. Statt weitere Sektoren des Agrarmarkts wenigstens schrittweise zu liberalisieren, werden Schutzzölle und Handelshemmnisse verbissen verteidigt.

Oft wird behauptet, die Qualität von Schweizer Fleisch sei besser. Das mag für einzelne Produkte stimmen, nicht jedoch generell. Beim Rindfleisch gibt es gar grosse Fragezeichen, denn hierzulande werden kaum reine Fleischrassen gehalten. Wenn die Bauern jedoch so von ihrer Qualität überzeugt sind: Wieso fürchten sie sich vor einer Liberalisierung? Es wäre dann ja bestimmt kein Problem, am Markt höhere Preise als die Konkurrenten durchzusetzen.

Eine Öffnung des Fleischmarktes würde dem Gastgewerbe und dem Detailhandel enorm helfen. Mit einem Schlag wären wir bei Produkten wieder international konkurrenzfähig, die für viele Verbraucher bei der Wahl des Einkaufs- und Verzehrorts sehr relevant sind. Mittelfristig würden auch die Bauern gewinnen, weil sie gezwungen wären, strikt auf Qualität zu setzen.

Nicht zuletzt würde unsere Exportindustrie profitieren, wenn neue Freihandelsabkommen abgeschlossen werden könnten. Solche Abkommen mit wichtigen Partnern wie Mercosur, Australien oder den USA scheiterten in der Vergangenheit vor allem, weil die Bauern sich querstellten. Ohne Zugeständnisse im Agrarbereich wird es nicht möglich sein, hier vorwärts zu kommen.

Maurus Ebneter
Delegierter des Vorstands
Wirteverband Basel-Stadt


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