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Wirteverband Basel-Stadt

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02.12.2017

Top-Standort Bahnhof

Vom Verkehrsknoten zum Aufenthaltsort

Es gibt immer mehr Leute, die Bahnhöfe nicht wegen eines Verkehrsmittels aufsuchen. Auch deshalb sind diese in den letzten Jahrzehnten zu absoluten Top-Standorten für Einzelhändler und Schnellverpfleger geworden. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende.

Wo liegt die im Verhältnis zu ihrer Fläche umsatzstärkste Coop-Filiale der Schweiz? Im Zürcher Hauptbahnhof. Als rentabelstes Einkaufszentrum der Schweiz gilt der Bahnhof Bern: Pro Quadratmeter und Jahr werden dort laut GfK 32’409 Franken Umsatz erwirtschaftet. Welch unglaublich hoher Wert das ist, zeigt ein Vergleich mit dem Glattzentrum, dem produktivsten konventionellen Shoppingtempel, wo der Quadratmeter-Ertrag «nur» bei 13’967 Franken liegt.

Das Umsatzwachstum an den Bahnhöfen ist frappant. Mittlerweile gibt es dort weit mehr als Bedarf für Reisende zu kaufen. Im Bahnhof Basel stehen Filialen von Ochsner Sport und Media Markt. In Bern beherbergt der Hauptbahnhof 108 Restaurants, Kioske und Läden, darunter Interdiscount, Sherpa Outdoor, Tally Weijl oder Swatch. Auch in Zürich bleibt kaum ein Kundenwunsch unerhört – vom Reformhaus zum Schuhladen, vom Optiker zur Chemischen Reinigung, vom Schmuckgeschäft zur Unterhaltungselektronik, von der Apotheke zum Coiffeur.

Bahnhöfe und ihre engere Umgebung entwickeln sich vom reinen Verkehrszubringer zum Aufenthaltsort. Wie das kommerzielle Potential optimal ausgeschöpft werden kann, zeigt die Migros. Beim Westausgang des Bahnhofs Bern strömen täglich 50'000 Reisende vorbei. Hier realisierte der orange Riese die «Welle 7», ein futuristisches Konzept, in dem auf 10'000 Quadratmetern Genuss, Business, Bildung und Einkauf verschmelzen. Alles ist auf Kunden mit knappem Zeitbudget ausgerichtet.

«Convenience» heisst das Zauberwort, und damit sind nicht nur der schnelle Einkauf und das Food-Sortiment gemeint. Angeboten werden auch Räume für Sitzungen und Seminare, ein Fitnesscenter, ein «Kinderland», ein Waschsalon, grosszügige Work-Spaces für ortsunabhängige Arbeitende, Musikräume und Weiterbildungsmöglichkeiten für die «spezifischen Interessen urbaner Menschen».

Im Retail-Bereich wartet die «Welle 7» mit neuartigen Services auf: So können sich Online-Shopper Pakete in die «Collect-Lounge» liefern lassen und deren Inhalt in angenehmer Atmosphäre gleich an- oder ausprobieren. Was nicht passt, kann vor Ort zurückgeschickt werden.

In den meisten Kantonen gelten an den Bahnhöfen weniger restriktive Öffnungszeiten. Das ist ein Grund für die Verschiebung der Wertschöpfung dorthin. Natürlich greift es aber zu kurz, die Bahnhöfe, ihr breites Sortiment oder die dortige Sonntags- und Abendöffnung für die Probleme der Innenstädte hauptverantwortlich zu machen. Einflussfaktoren wie Online-Shopping, Einkaufstourismus oder zu teure, zu wenige Parkplätze dürften mehr Gewicht haben.

Tatsache ist allerdings, dass der Erfolg des Bahnhofs-Shoppings die Innenstädte ebenfalls unter Druck setzt. Die 2016 veröffentlichte Studie «Der Basler Urban-Consumer-Service-Sektor» im Auftrag der Pro Innerstadt zeigt, dass die Bahnhofsgegend «eine einmalige Cluster-Form» hat. Der Branchenmix in der hochfrequentierten Gegend weise «trotz seines teilweise künstlich geformten Angebots» eine ähnliche Zusammensetzung auf wie die Innenstadt, so die Studienautoren von BAK Basel.

Das ganz grosse Thema an den Bahnhöfen ist die schnelle Verpflegung. Scharen von Pendlern und Touristen decken sich mit Kaffee, Erfrischungsgetränken, Sandwiches, Fertigsalaten, Backwaren und vielem mehr ein. Die SBB haben angekündigt, dass bis 2030 in den Bahnhöfen rund 45 Prozent mehr Flächen für Gastronomieangebote geschaffen werden. Unter anderem soll es vermehrt auch Verkaufsstände auf den Perrons geben.

Das sind hervorragende Aussichten für die grossen Player wie Coop, Migros oder Valora, in deren Hand sich das Take-Away-Geschäft grösstenteils befindet. Dem Vernehmen nach wollen die SBB allerdings den Mietermix modernisieren. Die Rede ist von Lidl und sogar von Amazon, aber auch von kleinen und lokalen Betrieben.

Im Immobilienblog der SBB heisst es, reine Transitzonen und Aufenthaltsbereiche würden künftig noch klarer getrennt. Im Fokus steht auch das Bahnhofumfeld, das mit neuen Gebäuden und öffentlichen Plätzen aufgewertet werden soll. Das Potential ist riesig.

Welle 7 in Bern: Genuss, Business, Bildung und Einkauf verschmelzen. welle7.ch


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