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25.02.2026
Basel ist Deutschlands Kaffeehauptstadt
Zwei Basler gewinnen Gold an der deutschen Kaffeemeisterschaft
Vier deutsche Meistertitel waren zu vergeben, zwei gingen nach Basel. An der deutschen Kaffeemeisterschaft der Specialty Coffee Association, die Anfang Woche im Rahmen der Gastro Ivent in Bremen stattfand, holten Felix Hohlmann und Michael Rieker von der Basler Rösterei und Kaffeeschule «Kaffeemacher» die Goldmedaille – Hohlmann zum zweiten Mal als Baristameister, Rieker als neuer Champion in der Disziplin Coffee in Good Spirits. Beide fahren im Sommer bzw. Herbst zu den jeweiligen Weltmeisterschaften.
Es begann 2013 mit einem Missgeschick. Felix Hohlmann, damals 22 Jahre alt, stand zum ersten Mal auf der Bühne des Schweizer Brewers Cup – und wählte einen so feinen Mahlgrad für seine AeroPress, dass die Glaskanne unter dem Druck zerbarst. Was damals wie ein Scheitern aussah, war in Wirklichkeit der Startschuss einer bemerkenswerten Karriere.
Heute, über 13 Jahre und mehr als 20 Wettbewerbe später, ist der Co-Gründer der Kaffeemacher zweifacher deutscher Baristameister. Bei der Barista-Meisterschaft bereiten die Teilnehmenden in 15 Minuten vier Espressi, vier Kaffeemilchgetränke und vier Eigenkreationen zu – bewertet werden Getränkequalität, Präsentation, Gastfreundschaft und technische Fertigkeiten. «Barista» gilt als die Königsdisziplin unter den Kaffeemeisterschaften.
Den Mittelpunkt von Hohlmanns Auftritt bildete ein aussergewöhnlicher Kaffee: ein Sinaloa Gesha Washed Anaerobic von Ana María Trujillo Rojas, Kaffeeproduzentin in vierter Generation aus Huila, Kolumbien. Auf ihrer Farm wächst die Gesha-Varietät auf bis zu 2100 Metern Höhe und durchläuft eine dreistufige Fermentation – 48 Stunden Oxidation, 48 Stunden anaerobe Fermentation, gefolgt von 72 Stunden Hydrofermentation in hermetisch verschlossenem Wassertank.
Das Ergebnis ist ein Espresso von aussergewöhnlicher Reinheit, mit floralen Noten, lebendiger Zitrusfruchtigkeit und einem langen Abgang nach Zitronengras. Als Eigenkreation servierte Hohlmann einen Signature Drink aus Espresso, hausgemachtem Kombucha, Verjus und Apfelsäure – mit Aromen von Holunderblüte, Kiwi und grünem Apfel.
«So eine Meisterschaft vorzubereiten, neben den Aufgaben als Geschäftsführer und Leiter unserer Cafés, das ist schon eine Herausforderung. Gleichzeitig profitiere ich natürlich von den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Vor allem durch die Qualifikation für die Barista-WM in Korea 2024 habe ich sehr viel gelernt», sagt Hohlmann nach seinem Sieg.
Die Meisterschaft sei nur möglich dank des Teams in Basel: «Wir profitieren alle davon, dass so viel Wissen im Team ist – vom Anbau bis in die Tasse. Das erlaubt uns einen tiefen Einblick in alle Kaffeeprozesse und ist die Basis für so einen Erfolg.» Im Herbst 2026 reist Hohlmann zur World Barista Championship nach Panama.
Überwältigt vom eigenen Sieg
Während Felix Hohlmann die grosse Bühne schon kennt, erlebte Michael Rieker in Bremen seinen persönlichen Durchbruch. Der 30-jährige Barista-Trainer der Kaffeemacher-Akademie trat in der Disziplin «Coffee in Good Spirits» an, einer Meisterschaft, bei der Kaffee und Spirituosen zur Einheit verschmelzen sollen. Es war erst sein zweiter Auftritt in dieser Disziplin.
Rieker arbeitete mit zwei ausgesuchten Kaffees. Den ersten Gang gestaltete er mit einem Natural Anaerobic Heirloom von Tamiru Tadesse aus Bensa, Äthiopien. Dieser Kaffee wurde angebaut auf 2400 Metern mit zehn Tagen Fermentation und einer Fruchtigkeit nach Erdbeere und roten Trauben, die er mit Barbados-Rum, Koji-Extrakt und einem 1:1-Zuckersirup in einen Cocktail nach Art eines Espresso Martini verwandelte.
Für seinen Irish Coffee griff er auf den Maracaturra der Kaffeemacher-Partnerfarm Finca Santa Rita in Depilto, Nicaragua zurück, aufbereitet als Carbonic Maceration von Brid Azul – ein süsser, kirschwürziger Kaffee, den Rieker mit Teeling Single Pot Still Whiskey und lactosefreier Schlagrahm kombinierte.
Das Besondere seiner Präsentation war eine in der Kaffeewelt kaum je gesehene Brühmethode: Rieker extrahierte seinen Kaffee mit einem Magnetrührer bei 98 °C – eine Technik aus der Barkeeping-Welt, die eine hohe Aromadichte bei minimaler Bitterkeit erzeugt und die Judges sichtlich überraschte.
Bei der Auswahl der richtigen Spirituosen half Timo Uebersax von der «Herz Bar» in Basel – ein Zeichen dafür, dass hinter diesem Titel auch eine Basler Gemeinschaft steht.
«Nach der Präsentation war ich zufrieden, dass mir die Getränke so gelungen sind wie geplant. Mir sind direkt einige kleine Fehler aufgefallen – ich hätte nicht gerechnet, dass es für den Titel reicht, aber bin einfach überwältigt», sagt Rieker. Ende Juni reist er zur World Coffee in Good Spirits Championship nach Brüssel.
Wer neugierig geworden ist: Felix Hohlmann und Michael Rieker stehen regelmässig selbst hinter der Siebträgermaschine: Im Kaffeemacher-Café im Bahnhof Basel SBB.
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Michael Rieker und Felix Hohlmann während des Wettkampfs. Fotograf: Andreas Behr
Dossier: Heissgetränke
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