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Wirteverband Basel-Stadt

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07.07.2018

Berufsbildung leidet unter einer zu hohen Gymnasialquote

Schulreform hat ihr Ziel verfehlt

In diesem Sommer haben in Basel-Stadt rund 1800 Jugendliche die Lehrzeit erfolgreich abgeschlossen. Wer schon einmal die Atmosphäre an einer Schlussfeier miterlebt hat, vergisst diese nicht so schnell. Die Freude und der Stolz über das Erreichte sind fast mit den Händen greifbar. Während der Lehre haben sich die meist jungen Frauen und Männer theoretisches Wissen angeeignet und praktische Berufserfahrung gesammelt. Eine Mischung, die in der Wirtschaft sehr gefragt ist. Diese ist dringend auf gut qualifizierten Berufsnachwuchs angewiesen.

Und so steht den Lehrabsolventinnen und -absolventen eine vielversprechende Zukunft offen. Sie können direkt in den Beruf einsteigen – mit guten Jobchancen. Die grosse Mehrheit findet gleich nach dem Lehrabschluss einen Arbeitsplatz, die Hälfte im Lehrbetrieb. Sechs Monate nach Lehrabschluss haben 96 Prozent der jungen Erwachsenen in der Arbeitswelt Fuss gefasst. Eine bemerkenswert hohe Zahl.

Wo die weitere berufliche Karriere hinführt, ist offen. Vielleicht auch an eine weiterführende Schule oder dank der Berufsmatur an die Fachhochschule? Oder mit einem Passerellen-Jahr an die Universität? Alle Bildungswege stehen offen. Und das mit einem Berufsabschluss in der Tasche, auf den die Jugendlichen bei Bedarf immer wieder zurückgreifen können. Auch in Sachen Verdienstmöglichkeiten steht die höhere Berufsbildung der akademischen Bildung in nichts nach.

Die Berufslehre ist eine Erfolgsgeschichte – aber es gibt auch dunkle Wolken am Horizont. Der Fachkräftemangel betrifft viele Branchen stark. Ebenso die Schwierigkeit, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler für die Berufslehre zu begeistern. Gerade in Basel wird das Thema derzeit heiss diskutiert, seit bekannt geworden ist, dass in diesem Jahr mit einem starken Anstieg der Gymnasialquote auf 45 Prozent gerechnet wird.

Damit ist klar: Die Schulreform hat ihr Ziel – nämlich die Stärkung der Berufsbildung – verfehlt. Und sogar das Gegenteil bewirkt. Positiv ist, dass Erziehungsdirektor Conradin Cramer und der Kanton Basel-Stadt das Problem erkannt und Massnahmen ergriffen haben. Unter anderem mit höheren schulischen Anforderungen für den Übertritt ans Gymnasium.

Dafür hagelt es Kritik. Eines ist dieser Kritik immer gemeinsam. Es fehlt an Alternativvorschlägen, wie das Problem sonst in den Griff gekriegt werden könnte. Denn eines ist sicher – auch wenn dies nicht alle sehen wollen: Eine derart hohe Gymnasialquote geht direkt zulasten der Berufsbildung. Sie führt dazu, dass auch Schülerinnen und Schüler ins Gymnasium gehen, für die eine Berufslehre eigentlich ideal wäre. Diese fehlen der Wirtschaft.

Kein Thema war bis jetzt erstaunlicherweise die Laufbahnverordnung, obwohl diese eine der Hauptursachen für die jetzige Fehlentwicklung ist. Die Laufbahnverordnung lässt quasi von allen Niveaus immer wieder Übertritte in weiterführende Schulen und das Gymnasium zu. Diese enorme Durchlässigkeit muss reduziert werden, weil sie falsche Anreize setzt und falsche Erwartungen weckt.

Das jetzige System ist ein Kostentreiber, weil die notwendige Selektion zeitlich einfach nach hinten verlegt wird. Das heisst, die Schülerinnen und Schüler finden den Weg in die Berufsbildung über Umwege, zum Beispiel nach dem Ausscheiden aus einer weiterführenden Schule. Auch für die Bildungs- und Berufsbiographie der Jugendlichen sowie für das Selbstwertgefühl ist das nicht sinnvoll. 15 Prozent brechen heute das Gymnasium ab; ein hoher Wert, der noch steige dürfte.

Es muss das Ziel sein, die Direktübertrittsquote in die Berufsbildung auf 30 Prozent zu erhöhen und die Gymnasialquote zu senken. Davon würden letztlich alle profitieren.

Reto Baumgartner
Bereichsleiter Berufsbildung
Gewerbeverband Basel-Stadt



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