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Wirteverband Basel-Stadt

Wirteverband Basel-Stadt


10.06.2001

Wir müssen unsere Stadt selbstbewusst verkaufen!

Aufbruchstimmung in Basler Tourismuskreisen

In den vergangenen Monaten gab es zwar heftige Diskussionen um die Zusammensetzung des Vorstands von Basel Tourismus und über die Art und Weise, wie der neue Direktor gesucht wurde. Doch nun sind die Wogen geglättet! Hotellerie und Gastronomie verfügen mit Marc Haubensak und Kurt H. Illi über eine angemessene Vertretung im Vorstand. Und der neue Verkehrsdirektor Daniel Egloff wird diesen Sommer mit der vollen Unterstützung aller Parteien seine Arbeit aufnehmen.

Kurt H. Illi, der wohl bekannteste Tourismusfachmann der Schweiz, wird uns künftig bei Basel Tourismus vertreten. Illi ist begeistert von den touristischen Qualitäten unserer Stadt und meint im folgenden Interview, die Basler müssten etwas über ihren Schatten springen und künftig selbstbewusster auftreten. Er befürwortet eine sorgsame Entwicklung von Gruppentourismus, welchen man aber keinesfalls mit Massentourismus verwechseln dürfe. Chancen gebe es auch in fernen, aber riesigen Märkten, welche bisher nicht stark bearbeitet wurden. Illi plädiert dafür, ein Markenzeichen für Basel zu schaffen (analog "the tower and the bridge" in Luzern). Wahrzeichen habe die Stadt ja genug, in der Vermarktung müssen wir uns aber auf ein einzelnes Bild konzentrieren, welches wir so lange und penetrant wiederholen, bis es zum unverwechselbaren Symbol wird.

Herr Illi, welche Beziehung hatten Sie als "Mr Luzern" bisher zu Basel?

Ich war als Kind oft bei Basler Verwandten in den Ferien, hatte aber auch später viele Kontakte nach Basel, unter anderem zu Journalisten. Ich kam ab und zu hierher ins Theater und besuchte regelmä¹ssig Messen. Vor etwa zwei Jahren spielte ich in einer Episode von "Café Bäle" mit. Ich hatte stets grosse Hochachtung vor Basel. Die Museumsdichte ist sehr beeindruckend. Die Messe hat europäisches Format. Und die Lage im Dreiländereck gibt überdies einen internationalen Touch.

Hat sich Ihr Basel-Bild verändert, seit Sie sich intensiver mit der Stadt und der Region beschäftigen?

Ich war überrascht, wieviele positive Reaktionen ich seit meiner Kandidatur erhielt. Ich werde sogar im Tram und in Verkaufsgeschäften angesprochen. Soviel Herzlichkeit habe ich den Baslern gar nicht zugetraut. Ich bin ausserdem sehr beeindruckt, wie Basel sich entwickelt. Die neue Messehalle ist eine Meisterleistung, der St. Jakobspark ist grossartig und der Flughafen gedeiht ebenfalls prächtig. Oder die neuen Museen und das Schauspielhaus: Man spürt, dass in dieser Stadt sehr viel Geld vorhanden ist.

Was gefällt Ihnen in unserer Stadt persönlich am besten? Was missfällt Ihnen eher?

Die Altstadt ist wunderschön und gut erhalten. Einen ganz speziellen Charme hat das Kleinbasel. Was mir missfällt? Ich habe Mühe, diese Frage zu beantworten. Als Luzerner vermisse ich natürlich den See und die hohen Berge, doch Basel hat ja den Rhein mit seinen vielen Brücken und Fähren. Man spürt, dass der Fluss die Stadt stark prägte.

Welchen Teil Ihres "Luzerner Rezepts" kann man Ihrer Meinung nach für Basel übernehmen?

Luzern beteiligt sich wie Basel an vielen Gemeinschaftsprogrammen von Schweiz Tourismus. Von dieser Solidarität zum Reiseland Schweiz profitieren schlussendlich alle. Wir haben aber überdies viele eigene Aktivitäten entwickelt und dafÙr gesorgt, dass Luzern eine weltbekannte Marke wurde. Dank der Zusammenarbeit mit Sponsoren konnte dies mit einem relativ bescheidenen Budget bewerkstelligt werden. Ich halte es für wichtig, dass Basel vermehrt auch eigene Promotionen unternimmt, gerade auch in den fernen Märkten, die man bisher nicht als besonders wichtig einstufte.

Verfügt Basel über Potenzial im Bereich Städtetourismus?

Auf jeden Fall. Wir verfügen über eine tolle Altstadt an einem weltbekannten Fluss. Das kulturelle und kulinarische Angebot ist ausserordentlich. In Basel ist sehr viel los. Und das meiste ist innerhalb Gehdistanz! Basel hat vielfältige Shopping-Möglichkeiten. Die Region ist fantastisch und verfügt über einen ganz besonderen Reiz, ist man doch in wenigen Minuten im Ausland.

Wie sieht es beim Gruppentourismus aus? Müssen wir uns bald auf volle Busse mit japanischen Uhrenkäufern in der Freien Strasse gefasst machen?

Nein, ein solcher Markt entsteht nicht von heute auf morgen: Das braucht jahrelange Aufbauarbeit. Doch die Chancen sind da! Der Gruppentourismus sollte meiner Meinung nach entwickelt werden, aber auf jeden Fall sorgsam und mit Mass. Gruppentourismus ist im übrigen nicht gleichzusetzen mit Massentourismus. Die Qualität der Reisegruppen ist teilweise erstaunlich hoch.

Welche Vorzüge hat Basel bei der touristischen Vermarktung? Gibt es auch Schwächen?

Über die Stärken haben wir schon geredet: Die intakte Altstadt mit ihrer interessanten Geschichte, eine authentische Atmosphäre, der schöne Rhein, ein ausserordentliches Kulturleben, die hochstehende Gastronomie, das tolle Shopping-Angebot, die bevorzugte Lage am Dreiländereck mit vielen interessanten Ausflugszielen. Ein Nachteil ist vielleicht die beschränkte Anzahl von verfügbaren Hotelbetten während einiger grosser Messen. Doch lassen sich hier Lösungen finden, z.B. mit Hotelschiffen. Es ist eine schweizerische Eigenart, Distanzen überzubewerten. Wenn ich in Köln an einer Messe bin, muss ich schliesslich auch damit rechnen, in Düsseldorf oder vielleicht sogar in Frankfurt zu übernachten. Nur wegen ein paar Wochen Überbelegung dürfen wir nicht das ganze übrige Jahr nicht vermarkten. In einer Skistation ist es auch gefährlich, sich nur auf die Weihnachtswoche zu konzentrieren...

Was hat Basel bei der Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Vergangenheit falsch gemacht?

Man war vermutlich zu bescheiden und zu schüchtern. Die Basler müssen etwas über ihren Schatten springen und ihre Stadt selbstbewusst verkaufen. Basel ist touristisch gesehen ein hervorragendes Produkt. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus wurde aber vielerorts unterschätzt. Vielleicht ging es Basel in der Vergangenheit dank der Industrie etwas zu gut. In den arabischen Emiraten dachte man bis vor kurzem auch, der Tourismus sei nicht wichtig. Doch jetzt geht bald einmal das Öl aus. Schauen Sie sich an, mit welchem Erfolg dort jetzt der Tourismus entwickelt wird.

Wie beurteilen Sie die Qualität der baslerischen Hotellerie und Gastronomie?

Von der Gastronomie bin ich begeistert, sie ist äusserst vielfältig und attraktiv. Die Hotellerie ist guter schweizerischer Durchschnitt. Wenn in den nächsten Jahren weiterhin fleissig investiert wird, brauchen wir keinen Vergleich zu scheuen.

Welche Rolle spielt die Gastronomie bei der touristischen Vermarktung?

Der kulinarische Eindruck ist entscheidend für den Gesamteindruck. Das gastronomische Angebot macht beim Reisen mindestens einen Drittel des Erlebnisses aus! Viele Touristen wollen einheimische Spezialitäten probieren.

Was können Wirte dazu beitragen?

Restaurateure müssen für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sorgen. In vielen Lokalen wäre es angebracht, vermehrt regionale und Schweizer Spezialitäten anzubieten. Dazu gehören auch Weine, beispielsweise aus dem Baselbiet. Und wieso immer Irish Coffee? Ein Kaffee mit Baselbieter Kirsch schmeckt viel besser - vor allem in Basel!

Erachten Sie eine intensivere Zusammenarbeit mit benachbarten Tourismusorganisationen für nötig und sinnvoll?

Absolut. Touristen machen keinen Unterschied zwischen Basel-Stadt und Basel-Land, schon gar nicht, wenn Sie aus dem Ausland stammen. Die Landesgrenze ist sogar ein touristischer Vorteil. Aber wir müssen zusammen arbeiten!

Luzern hat "the bridge and the tower". Welches Markenzeichen sehen Sie für Basel?

Eine solche Entscheidung muss im Einklang mit dem Vorstand und der Geschäftsleitung von Basel Tourismus gefällt werden. Basel ist voll von Wahrzeichen. In der Vermarktung müssen wir uns aber auf ein einzelnes Bild konzentrieren, welches wir so lange und penetrant wiederholen, bis es zum Markenzeichen der Stadt wird. Möglich wäre eine besonders schöne Aufnahme des Münsters mit der historischen Häuserfront und dem Rhein.

Welche drei Dinge legen Sie dem neuen, jungen Tourismusdirektor besonders ans Herzen?

So wie ich mitbekommen habe, freuen sich in Basel viele auf Daniel Egloff, gerade auch bei den Wirten. Deren Kritik richtete sich ja nicht gegen die Person, sondern gegen die Art und Weise der Findung. Der neue Direktor soll seine neue Aufgabe frisch und kritisch in Angriff nehmen. Ich verspreche mir zusätzliche Aktivitäten in Übersee. Asien und Amerika sind riesige Märkte, welche nicht brach liegen dürfen! Ich bin überzeugt, dass Egloff die modernen Marketing-Grundsätze, die er in seiner guten Ausbildung kennen lernte, auf Basel umsetzen wird.



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