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Wirteverband Basel-Stadt

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28.06.2014

Zurück in eine andere Zukunft

Wichtige Säule des Schweizer Fremdenverkehrs bricht weg

Die tragende Säule des klassischen Schweizer Tourismus bricht weg – und niemand nimmt es wahr. Die Ferienorte haben innert zwanzig Jahren vielerorts drei Viertel der deutschen Gäste verloren. Sie sind nicht zu ersetzen, was den Tourismus verändert.

Vor zwanzig Jahren konnte Davos einen guten Winter bilanzieren: Allein deutsche Gäste hatten über 350'000 Hotelübernachtungen gebucht. Zermatt, seit jeher etwas weniger auf den nördlichen Nachbarn ausgerichtet, konnte damals auch zufrieden sein: Über 210'000 deutsche Logiernächte hatte die Wintersaison von 1992 auf 1993 gebracht.

Die heutigen Zahlen sind fast nicht zu glauben: Kaum 90'000 deutsche Hotelübernachtungen zählt Zermatt noch, mehr als die Hälfte der deutschen Nachfrage hat das Walliser Bergdorf also eingebüsst. Schlimmer noch steht es in Davos, wo die Hotellerie für den letzten Winter rund 100'000 deutsche Logiernächte verbuchte – fast drei von vier deutschen Hotelgästen hat das Bündner Hochtal mithin seit 1993 verloren.

Die Zusammenbrüche sind keine Ausnahmen. Das Bundesamt für Statistik hat für GastroJournal die Saisonverläufe grösserer Tourismusgemeinden seit 1992 aufbereitet. Die Einbrüche haben einerseits dramatische betriebswirtschaftliche Folgen: Zahllose Unternehmen, meist Familienbetriebe, mussten sich anpassen, neue Gäste finden oder verschwinden.

Andererseits sind aber auch die volkswirtschaftlichen Konsequenzen schwerwiegend: Nicht nur Beherberger, sondern ganze Talschaften haben sich vorab samt Bergbahnen ab der Nachkriegszeit um deutsche Gäste gruppiert.

Wirkliche Alternativen zu Deutschland und den weiteren tragenden Quellmärkten Benelux und Grossbritannien, die ebenfalls stark verloren haben, gibt es nicht. Asien und andere Fernmärkte boomen zwar, doch das sind und bleiben zum einen bescheidene Zahlen, und zum anderen sind das Gäste mit ganz anderen Bedürfnissen – Ferien etwa fürs Skifahren oder Wandern gehören nicht dazu.

Als Alternative zeichnet sich eine Rückkehr in die Zukunft ab: Wie im 19. Jahrhundert reiche Gäste aus aller Welt, die Schweizer Topziele und Topangebote besuchen – aber nicht mehr wochenlang bleiben und prassen.

Die Statistiken zeigen bereits diese Zukunft, doch wahrhaben will und kann man sie so wenig wie die Klimaerwärmung. Denn zur ¬Disposition steht hier wie dort schlicht das Geschäftsmodell der klassischen Ferienregionen.

Peter Grunder / GastroJournal

Anmerkung eines Lesers: Der Einbruch deutscher Übernachtungen beläuft sich in Davos auf rund die Hälfte und nicht auf 75 Prozent. Seit 2004 berücksichtigt das Bundesamt für Statistik die Zahlen der Kliniken nicht mehr in den Hotellogiernächten. In der Wintersaison 1993/1994 verzeichneten die Davoser Hotels nur rund 222'000 deutsche Logiernächte. 134'000 Übernachtungen entfielen auf die Kliniken, was dann zu den 350'000 Einheiten führt, die im Artikel genannt werden.


 

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