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Wirteverband Basel-Stadt

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15.08.2014

Trugbild vom Tourismusland

UNWTO veröffentlicht Tourismus-Barometer für 2013

Das Welt-Tourismus-Barometer verdeutlicht, wie schwach die einstige Tourismusweltmacht Schweiz geworden ist – und wie stark das frühere Entwicklungsland China.

Die Welt-Tourismus-Organisation UNWTO kann grandiose Jahre bilanzieren: 2011 übertrafen die Ausgaben grenzüberschreitender Tou-risten weltweit erstmals die Grenze von einer Billion US-Dollar; im gleichen Jahr sprengte die Zahl der internationalen Ankünfte die Marke von einer Milliarde Touristen.

Besonderes Staunen galt dabei China, das in den Statistiken nach wie vor unter drei Destinationen erscheint: China, die Handelsmetropole Hongkong und das Spielerparadies Macao. China allein löste 2012 Deutschland als Reiseweltmeister ab, und zusammengezählt führt das Reich der Mitte inzwischen sämtliche relevanten Tourismusstatistiken unangefochten an: Ankünfte in China, Ausgaben chinesischer Gäste im Ausland und Einnahmen ausländischer Gäste in China.

Staunen kann man beim näheren Hinschauen auch ob der kleinen Schweiz. Das beginnt schon bei der Methodik: Als einzige der 50 grössten Tourismusdestinationen der Welt liefert die Schweiz hinsichtlich der Frequenzen ausschliesslich Daten zur Hotellerie. Diese Peinlichkeit ist zum einen dem Umstand geschuldet, dass der Bund 2003 die Erfassung der Parahotellerie aus dubiosen Spargründen ersatzlos gestrichen hat.

Zum anderen hat es die Schweiz trotz wiederholter Ankündigungen und mühsamer Konsenssuche nicht geschafft, die Parahotellerie-Statistik wieder zu lancieren – zurzeit verspricht man 2015 als Neustart.

Die neun Millionen Ankünfte und Platz 33 der Schweiz in der UNWTO-Statistik stimmen also nicht. Immerhin ist aufgrund des Schweizer Satellitenkontos, das alle Ausgaben von Touristen abdeckt, eine Schätzung möglich: Die Ankünfte samt der Parahotellerie dürften in der Schweiz etwa doppelt so hoch sein wie ausgewiesen, mithin 2013 rund 18 Millionen erreicht haben, was weltweit etwa für Platz 15 reichen würde.

Die Methodik ist aber nicht der einzige Schwachpunkt der Schweiz. Weltweit haben die Frequenzen in letzter Zeit jährlich um rund 5 Prozent zugenommen, desgleichen die Ausgaben von Touristen im Ausland. Die Schweiz hingegen bilanziert bei den schwer vergleichbaren Frequenzen weltweit einen der bescheidensten Zuwächse. Bei der Entwicklung der grenzüberschreitenden Einnahmen wiederum können wir zwar insgesamt mithalten und haben nach Rückgängen aufs 2013 hin wieder etwas zugelegt (+2.4%).

Doch diese Einnahmen landen einerseits nicht einmal zu einem Drittel in Hotellerie und Gastronomie, wie das Satellitenkonto zeigt. Andererseits verändern sich die Reiseströme in der Schweiz zurzeit in epochaler Weise: Die über Jahrzehnte tragende Nachfrage aus Deutschland, Grossbritannien und Benelux, die praktisch alle Feriengebiete der Schweiz abgedeckt hatte, bricht zusammen. Das erscheint in der Statistik kaum, weil vorab der asiatische Nachfrageboom die Einbrüche ausgleicht.

Die asiatischen Gäste interessieren sich aber nicht fürs ganze Ferienland Schweiz, sondern nur für ein paar Topziele. Und diese Gäste geben zwar stattliche Beträge für Einkäufe und Ausflüge etwa aufs Jungfraujoch oder den Titlis aus. Aber dieser Freigebigkeit steht eine Sparwut entgegen – vor allem in Hotels und Restaurants geben insbesondere Gruppenreisende so wenig Geld aus wie möglich.

Einer der leidlich vergleichbaren Werte des UNWTO-Tourismus-¬Barometers betrifft die grenzüberschreitenden Einnahmen – also das, was ausländische Touristen in einem fremden Land ausgeben. Die UNWTO weist dabei weitgehend die Bruttowertschöpfung aus, also was nach Abzug der Vorleistungen von den ausländischen Ausgaben in Schweizer Kassen übrigbleibt. Überdies sind alle Ausgaben eingeschlossen, also nicht nur touristische.

Mit Blick auf die Schweiz zeigt dabei das Satellitenkonto des Bundes, dass nicht einmal einer von drei ausländischen Touristenfranken in Hotellerie und Gastronomie landet. Für Einkäufe etwa geben ausländische Gäste hierzulande weit mehr aus als für Hotelübernachtungen. Nachfolgend das Total der grenzüberschreitenden Einnahmen 2013 sowie die Länder mit den grössten Tourismuseinnahmen, umgerechnet in Milliarden Schweizer Franken. Zu beachten ist, dass Macao und Hongkong zu China hinzugerechnet sind. Dies entgegen den UNWTO-Statistiken, die Macao allein bereits auf Platz 5
(46.4 Milliarden Franken Einnahmen) sehen, Hongkong auf Platz 10 (35 Milliarden).

Tourismuseinnahmen in Milliarden Schweizer Franken
China 128.0 / USA 125.6 / Spanien 54.4 / Frankreich 50.5 / Italien 39.5
Thailand 37.9 / Deutschland 37.1 / Grossbritannien 36.5 / Australien 28.0
Türkei 25.2 / Schweiz 15.0 / Weltweit 1043

Peter Grunder / GastroJournal


 

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