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08.08.2016

Ballenberg bald am Boden

Zukunft des Freilichtmuseums ist erschreckend unsicher

2018 wird der Ballenberg seinen 40. Geburtstag feiern können. Ein Freudenfest ist nicht zu erwarten, der Jubilar ist krank.

Die Stimmung sei schlecht, sagt die Mitarbeiterin des Freilichtmuseums Ballenberg; etliche Kader und viele andere Angestellte seien ja bereits gegangen, und auch sie schaue sich nach einem anderen Job um. Sie sehe beim besten Willen keine Strategie, ergänzt eine andere Angestellte, die seit Jahren im Sommerhalbjahr in Teilzeit Besuchende verwöhnt und unterhält. Viele der lebhaftesten Angebote seien gestrichen, führt sie aus. Das spare zwar Lohnkosten, gehe aber zulasten der Attraktivität – entsprechende Reklamationen habe es denn auch bereits gegeben. Und dann ist da noch das Hudelwetter in diesem Frühsommer: Der Saisonstart war miserabel, das ist nicht mehr aufzuholen.

"Wir wollen den Turnaround schaffen, um wieder steigende Besucherzahlen zu erreichen", meint derweil Peter Kohler, der neue Leiter des Freilichtmuseums. Was angesichts der aktuellen Lage wie eine Durchhalteparole klingt, ist ein notwendiges strategisches Ziel: Das Freilichtmuseum, diese fast 70 Hektaren Naturpark mit über 100 historischen Gebäuden aus der ganzen Schweiz sowie rund 250 Bauernhoftieren weitgehend seltener, einheimischer Rassen steckt am Vorabend des 40. Geburtstags in einer existenziellen Krise.

Aber niemand mag das zurzeit wirklich wahrhaben, obschon es doch längst amtlich ist: Am 21. März 2014 reichte Werner Luginbühl, Ständerat für den Kanton Bern und damals noch Stiftungsrat des Freilichtmuseums Ballenberg, beim Bundesrat eine Motion ein.

Darin warnte er mit Blick aufs Museum: "Die ausgeglichene Betriebsrechnung wurde in der Vergangenheit damit 'erkauft', dass weder in den Schutz und Unterhalt von Sammlung und Infrastruktur noch in die Erforschung der Kernsammlung der mehr als hundert historischen Gebäude, noch in dringend notwendige Weiterentwicklungen der Vermittlung der Gästeangebote genügend investiert wurde. Rückstellungen für den anstehenden Unterhalt der historischen Gebäude fehlen gänzlich. Das bedeutet einen massiven Nachholbedarf, wenn die Substanz nicht weiter Schaden nehmen soll."

Der bestandene Ständerat machte auch klar, was zu tun sei: "Soll die bisherige Erfolgsgeschichte mit rund 250'000 Gästen jährlich weitergeschrieben werden, rechnen die Museumsverantwortlichen in den kommenden Jahren mit jährlich durchschnittlich 3.2 Millionen Franken mehr Betriebsaufwand, jährlich rund 1 Million Franken Unterhaltsbedarf und – auf zehn Jahre verteilt – Investitionen von rund 44.5 Millionen Franken (mit jährlichen Folgekosten von rund 900'000 Franken)."

Kühl antwortete der Bundesrat am 14. Mai 2014, es gehöre "zu den Pflichten des Stiftungsrates, die notwendigen finanziellen Mittel sowohl bei der öffentlichen Hand als auch bei privaten Geldgebern zu finden". Der Bundesrat habe keine gesetzliche Grundlage für Investitionen in Museen. Überdies erachte er es "nicht als seine Aufgabe, mit dem Standortkanton sowie mit den Kantonen, von denen Zeugnisse ihrer ländlichen Baukultur auf dem Ballenberg vertreten sind, eine angemessene Kostenbeteiligung zugunsten des Freilichtmuseums auszuhandeln".

Der Ständerat folgte im Sommer 2014 Luginbühl zwar teilweise. Doch weil sich die Ereignisse in der Folge überschlugen, erledigte der Nationalrat die Motion im Herbst 2014 diskussionslos. Da war die hochkompetente Direktorin, die Luginbühls Grundlagen massgeblich aufbereitet hatte, freigestellt worden; da gingen weitere bewährte Kader; und da löste sich die Stiftung praktisch auf. Sie ist seither nicht mehr national breit abgestützt, sondern hat noch ganze sieben Mitglieder weitgehend aus dem Berner Oberland.

Peter Flück, der neue Stiftungsratspräsident, ist sich der Herausforderungen bewusst. Einerseits habe man auf nationaler Ebene eine parlamentarische Gruppe Ballenberg geschaffen. Andererseits wolle man "Schritt für Schritt die notwendigen Mittel beschaffen". Es sei "nie einfach, Geld von der öffentlichen Hand zu bekommen", erläutert Flück, konkreter mag er vorderhand nicht werden.

Etwas immerhin funktioniert auf dem Ballenberg hervorragend: Das Freilichttheater um Ueli den Pächter war schon vor der Premiere total ausverkauft.

Peter Grunder / GastroJournal

Dossier: Museen
Permanenter Link: https://www.baizer.ch/aktuell?rID=5664


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