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Wirteverband Basel-Stadt

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04.10.2018

Nach einem hitzigen Sommer in Luzern

Im Gespräch mit Patrick Grinschgl

Die Diskussionen um zu viel Tourismus haben diesen Sommer auch die Schweiz erreicht. Luzern war dabei ein grosses Thema. Ein Luzerner rückt die Verhältnisse zurecht.

Der gelernte Koch und Gastronom Patrick Grinschgl führte unter anderem das Restaurant «Nix in der Laterne» direkt an der Reuss in Luzern und hat heute die Regionalvertretung der Mavina aus Martigny. Er ist Präsident von Gastro-RegionLuzern und im Vorstand der Kantonalsektion von GastroLuzern fürs Ressort Politik zuständig. In Luzern engagiert er sich unter anderem als Präsident beim Verband Tourismus Luzern VTL.

Herr Grinschgl, hat Luzern zu viele Gäste?

Patrick Grinschgl: Nein. Wenn man diesen Sommer Politik und Medien verfolgte, hätte man meinen können, Luzern quelle über. Am Schwanenplatz, wo Busse halten, um Touristen ein- und auszuladen, gab es mal einen Unfall, das wurde ein Thema zuerst für die Medien und später für die Politik. Es schaukelte sich hoch, bis man meinen konnte, Luzern habe mehr Touristen als Venedig – ein Verhältnisblödsinn.

Und ein Zeichen für wenig Tourismusbewusstsein?

Ich denke nicht, dass die Stimmungen und Reaktionen aus den Medien die Haltung einer Bevölkerungsmehrheit widerspiegeln. Und sobald es politisch wird, werden immer Süppchen gekocht. So sind beispielsweise nicht einfach die Touristen das Feindbild, sondern die asiatischen Bustouristen.

Ein vorübergehendes Phänomen oder ein tief greifendes?

Ich halte es für eine Strömung. Wenn man nämlich nachfragt und das Gespräch sucht, ist die Diskussion entweder schnell zu Ende oder verlagert sich auf Themen, die höchstens indirekt mit Tourismus zu tun haben – etwa die Wohnungsknappheit in Barcelona.

Eine sachliche öffentliche Diskussion hinsichtlich «Overtourism» scheint aber schwierig, zumal auch aus der Branche geschossen wird.

Es hat in Luzern kritische Stellungnahmen gegeben, was bedauerlich ist, denn die Branche sollte sich über die grundsätzliche Bedeutung des Tourismus einig sein und sich in der Öffentlichkeit entsprechend äussern. Wenn die Medien aber kommen, ist es manchmal schwer, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. Und gefragt ist im Übrigen auch die Politik – immerhin gibt es in Luzern ein Leitbild, das auch den Tourismus thematisiert.

Wie sehen Sie die Rolle des Gastgewerbes?

Die Gastronomie wird immer gästeorientierter und kann sich immer weniger um übergeordnete Belange kümmern, die Hotellerie wiederum bringt sich durchaus ein, ist aber seit jeher etwas in ihrer eigenen Sphäre. Insofern könnte und sollte das Gastgewerbe mehr machen. ­Allerdings habe ich auch Verständnis, wenn gastgewerbliche Unternehmer keine Zeit haben und das notwendige Engagement vom Verband verlangen.

In dieser Hinsicht ist Luzern doch vorbildlich?

Wir haben uns recht gut organisiert, beobachten die Entwicklungen und engagieren uns, wo nötig. So etwa politisch mit einem Energiereferendum in der Stadt Luzern, weil darin eine Ideologie gegen Fleischkonsum steckt. Oder branchenpolitisch an der Messe ZAGG, wo wir auch mit Unterstützung von GastroSuisse und ihren Partnern stärker auftreten werden.

Also alles gut?

Nein, denn viele schimpfen lieber, als sich zu engagieren. Aber ich habe wie gesagt auch Verständnis, denn die Margen sind so knapp geworden, dass manche Gastrounternehmer weniger verdienen als ihre Mitarbeitenden und voller Einsatz im Betrieb gefragt ist. Das war früher anders, da war noch Zeit für den Stammtisch.

Überdies musste man einst auch zusammensitzen und die Preise festlegen, was den Zusammenhalt und das Engagement gefördert hat – heute unvorstellbar. Nicht zuletzt haben wir es heute mit viel mehr Kettenbetrieben zu tun, deren Geschäftsführer nicht frei handeln können. Klassische Gastgeber sind nicht nur in Luzern fast zu einer Ausnahme geworden.

Was tun?

Es gibt gerade in unserer Branche, die sich ständig neu erfindet, immer wieder junge und motivierte Leute, die nachkommen und die man gewinnen kann.

Sie sind also zuversichtlich?

(lacht) Ich habe sozusagen eine Warteliste für den Vorstand.

Peter Grunder / GastroJournal


 

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