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Wirteverband Basel-Stadt

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17.07.2020

Luzern verweilt im Halbschlaf

Corona-Krise führt zu massiven Einbussen

Leere Plätze, leere Pubs, leere Uhrengeschäfte: Die Touristenstadt Luzern leidet stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Ein Rundgang durch eine Stadt, die seit Wochen nicht mehr richtig erwacht.

sda. Mal hält ein Velofahrer kurz an, um sich einen Schluck Wasser zu gönnen. Mal ein Autofahrer, um ein Telefongespräch zu erledigen. Mehr ereignet sich an diesem Morgen beim Luzerner Inseli hinter dem Bahnhof nicht. Kein Reisecar weit und breit. Es herrscht grosse Leere. Und Stille.

Es könnte ein ganz früher Sonntagmorgen irgendwann im Juli sein. Kurz bevor das Leben in der Stadt erwacht. Ist es aber nicht. Es ist ein Montagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Die Sommerferien in Luzern sind in vollem Gang – normalerweise herrscht jetzt touristische Hochsaison.

Aber da, wo noch vor wenigen Monaten ein Reisecar nach dem anderen anrauschte und massenhaft asiatische Touristinnen und Touristen auslud, ist statt fremdsprachiger Gesprächsfetzen einzig Wasserrauschen aus der Ferne zu hören. Ein Unterhaltsarbeiter spritzt die Strassenüberführung ab. Die Szenerie ist ungewohnt für Luzern.

Von skurril bis besinnlich

«Die Stimmung in Luzern ist derzeit irgendwie skurril», sagt auch Martin Bütikofer, Präsident von Luzern Tourismus AG im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Für den Verkehrshausdirektor ist es in seiner Stadt derzeit so ruhig, dass er die Stimmung manchmal gar als besinnlich wahrnimmt.

Dass es sehr viel ruhiger geworden sei, sagt auch die Geschäftsführerin des Mr. Pickwick Pubs am Rathausquai an der Reuss, Jolanda Merx. Die ausländischen Touristen fehlten, ihre Gäste seien hauptsächlich Schweizer Touristen.

Ihre Bar liegt direkt neben der Kapellbrücke, die wie leergefegt scheint. Die Rollläden des Souvenirshops im Wasserturm sind zu. Postkarten und Plüsch-Bernhardiner gibt's keine zu kaufen. Wer über die Holzbrücke flaniert, muss sich für einmal nicht fürchten, von einem Selfie-Stick getroffen zu werden oder ungewollt am anderen Ende der Welt auf einer Instagram-Story bewundert zu werden.

Grosse Einbussen

Auch wenn Berndeutsch, Walliserdeutsch oder Französisch bei den Wanderern zu hören ist, die mit Masken und dem nötigen Abstand auf das Schiff nach Alpnachstad warten, ist es offensichtlich: Es fehlen Touristen – hauptsächlich jene aus Asien. In Zahlen drückt es Peter Schmidlin aus. Er ist Fahrer des City-Trains, eines blau-weissen Bähnleins, das Touristen durch die Altstadt von Luzern zuckelt. «70 Prozent weniger Gäste haben wir.»

Für die nächste Fahrt sind vier Personen an Board, Platz hätte es für bis zu 54 Personen. «Wir sind dankbar um jeden Touristen, der kommt», sagt Schmidlin. Start der Sightseeingtour ist der Schwanenplatz. Auch hier gibt es in der Regel ein Gerangel zwischen Car-Chauffeuren. Hier dürfen sie anhalten, um die Touristen aussteigen zu lassen. Heute aber steht einzig der City-Train abfahrbereit.

Ein Lied singen von den fehlenden asiatischen Touristen kann auch Peter Eberli, Geschäftsführer der Omega-Boutique in Luzern, die ganz nah am Schwanenplatz liegt. Und vom Umsatz, der deswegen wegfällt. Im Gegensatz zu vielen anderen Shops, die zu sind oder nur zu gewissen Zeiten offen, wartet er an diesem Morgen auf Kundschaft. Zum Glück gebe es noch die einheimischen Touristen und die Stammgäste. Er sei zuversichtlich, dass die Leute wieder reisen und somit auch nach Luzern zurückkehren werden.

Davon ist auch Bütikofer überzeugt. Das Gute sei, dass der Einbruch im Tourismus kein «Produkteproblem» sei. «Ich glaube, der Traum, einmal im Leben nach Luzern zu kommen, bleibt für viele bestehen.» Erst vergangene Woche hatte Bütikofer die 1.2 Millionen Franken schwere «Recovery-Kampagne» vorgestellt, mit der die Zentralschweizer Touristiker versuchen, die Krise zu bewältigen.

Auch er sehne sich nach der Unbeschwertheit, nach der Fröhlichkeit, die durch die Corona-Krise etwas verschwunden sei. «Das Virus ist auch in unseren Köpfen», sagt er. Die Frage, wie's weiter gehe, könne er nicht beantworten. Er kenne keine Erfahrungswerte. «Wir müssen aus dem Vollstopp lernen und das Beste daraus machen.»

Bütikofer sagt, er sei schon auch erschöpft, die Zeit setze ihm zu. Um regelmässig den Kopf zu lüften, steigt der Verkehrshausdirektor drum, um vom Bahnhof ins Büro zu kommen, aufs Schiff. Die zehnminütige Fahrt tue ihm gut. Das glitzernde Wasser, die frische Luft, der Blick auf Berge und See.

Das Schöne und derweil wohl auch Einzigartige an Luzern geniesst eine Familie aus Payerne aus dem Kanton Waadt, die an diesem Montagvormittag vor dem Löwendenkmal posiert. Sie war schon vor einem Jahr hier. Zur selben Zeit, einfach mit deutlich mehr Touristen, sagt der Gymnasiast Quentin Gomez. Und man hatte weniger von den Sehenswürdigkeiten.

Hinter ihm liegt in Stein gemeisselt, in aller Seelenruhe, der weltberühmte Löwe, den jährlich rund 1.4 Millionen Besucher bewundern kommen. Er wird weiterschlafen. Für immer und ewig. Dass hingegen die Stadt irgendwann wieder aus dem Halbschlaf erwachen wird, das hofft bestimmt nicht nur der Direktor der Luzern Tourismus AG.

Eliane Winiger / Keystone-SDA

Swiss Cities / André Meier


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