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Wirteverband Basel-Stadt

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21.07.2011

Unsere Betriebe müssen entlastet werden – jetzt!

Mwst reduzieren, Schutzzölle aufheben, Lohnerhöhungen verschieben

Der starke Franken setzt dem schweizerischen Gastgewerbe massiv zu. Der Tourismus leidet und heimische Kaufkraft wandert ins benachbarte Ausland ab. Die Lage ist düster – und die Aussichten noch düsterer. Unsere Betriebe müssen rasch und spürbar entlastet werden.

Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft und zum Gastgewerbe in der EU stagniert die Entwicklung der schweizerischen Gastronomie und Hotellerie schon lange. Alles in allem machte es wenigstens eine Zeit lang den Anschein, als ob wir die Finanz- und Wirtschaftskrise einigermassen überstehen. Nun verschlechtert sich die Ertragslage jedoch so dramatisch, dass wir handeln müssen.

Die schweizerische Tourismuswirtschaft steht im globalen Wettbewerb. Das ist eine unbestrittene Tatsache. Weniger offensichtlich, aber ebenso wahr ist es, dass auch ein guter Teil der nicht-touristischen Gastronomieumsätze in einem Marktumfeld erzielt werden, in welchem Berufskollegen im Ausland mächtige Konkurrenten sind.

Der Euro hat gegenüber dem Franken innert drei Jahren über dreissig Prozent verloren, der US-Dollar innert fünf Jahren fast 40 Prozent. Mit dem Britischen Pfund kam eine weitere Währung unter die Räder, deren Wechselkurs für den Incoming-Tourismus sehr bedeutsam ist.

Für Touristen aus den wichtigsten ausländischen Quellmärkten ist die Schweiz alleine in den letzten zwei Jahren rund 30 Prozent teurer geworden! Der überharte Franken führt zu massiven Rückgängen bei den Frequenzen und Ausgaben der Touristen aus den Euro-, Pfund- und Dollarzonen, die nicht mehr durch die Zuwächse aus Osteuropa, Asien und Südamerika kompensiert werden können.

Gefangen auf der Hochkosten-Insel

Für manche Betriebe noch schlimmer ist die starke Abwanderung der heimischen Kaufkraft ins benachbarte Ausland. Immer mehr Eidgenossen werden der Schweiz untreu und verbringen ihre Ferien im Südtirol, in Österreich, im Schwarzwald oder sonst irgendwo im Ausland.

Die meisten grossen Schweizer Agglomerationen liegen innert einer Fahrstunde zum "Euro-Land", also genau in denjenigen grenznahen Gebieten, in welchen die Konsumenten immer häufiger ins Ausland ausweichen – zum Einkaufen, zum Essen und in den Ausgang. Ganze Bankette wandern ab!

Herausforderungen stellen sich also nicht nur im Bereich Freizeittourismus, sondern auch in der Gastronomie und mittelfristig bei Kongressen und Seminaren, die nun im günstigen Ausland statt bei uns geplant werden.

Unsere Produktionskosten sind bei einem Euro-Kurs von 1.10 rund 70 Prozent höher als diejenigen unserer direkten Konkurrenten. Eine Arbeitsstunde im Gastgewerbe kostet in der Schweiz sogar fast doppelt soviel wie in Deutschland und Österreich. Könnten Schweizer Wirte im benachbarten Ausland einkaufen, sänken die Warenkosten um über 40 Prozent!

Weil wir unsere Produktion nicht ins günstige Ausland verlagern können, sind wir sogar noch weit mehr betroffen als die meisten Industriefirmen!

Der L-GAV: Gut für alle?

Als ob all dies noch nicht genüg wäre, gelten ab 2012 gemäss L-GAV wesentlich höhere Mindestlöhne, was erfahrungsgemäss auch Druck auf diejenigen Gehälter erzeugt, die eigentlich über den Mindestlöhnen liegen. Gleichzeitig wird in unserer Branche der volle 13. Monatslohn eingeführt. Es zeichnet sich ab, dass der Unmut über den neuen L-GAV, welcher bekanntlich nur knapp ratifiziert wurde, weiter zunehmen wird.

Als der aktuell gültige L-GAV vor drei Jahren ausgehandelt wurde, herrschte noch "schönes Wetter". Immerhin haben die Sozialpartner unter dem Eindruck der Finanzkrise die Einführung des "Lohnpakets" um zwei Jahre verschoben – in der Hoffnung, dass sich bis 2012 die Konjunktur erholt. Diese Hoffnung wird wohl nicht erfüllt!

Es ist sogar wahrscheinlich, dass wir gerade 2012 in einen furchtbaren "Hammer" laufen. Die Schulden- und Vertrauenskrise in Europa und den USA sowie ein verlangsamtes Wachstum in Asien werden die Weltkonjunktur auf eine harte Probe stellen. Der Schweizer Tourismus wird dabei weiterhin von äusserst ungünstigen Wechselkursen betroffen bleiben.

Hinzu kommt die sehr geringe Teuerung in den Jahren 2009, 2010 und 2011, welche die vorgesehenen starken Lohnerhöhungen noch schmerzhafter macht. Bei der Preisgestaltung haben unsere Betriebe nämlich nicht den geringsten Spielraum, weil sie die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Ausland – bei Lichte betrachtet – vollständig eingebüsst haben.

In anderen Branchen diskutiert man die Erhöhung der Arbeitszeiten. Das wäre auch für das Hotel- und Gastgewerbe ein gangbarer Weg! Eine "Euro-Klausel" könnte regeln, dass eine Ferienwoche gestrichen wird, solange der durchschnittliche Euro-Kurs unter 1.30 liegt. Denkbar wäre auch eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit, ein weiteres Aufschieben des "Lohnpakets" oder zumindest des vollen 13. Monatslohnes.

Unser Dachverband GastroSuisse ist gefordert. Er muss – natürlich in Zusammenarbeit mit anderen gastgewerblichen und touristischen Verbänden – den Entscheidungsträgern und Meinungsbildnern in unserem Land beibringen, dass sich das Hotel- und Gastgewerbe in einer extrem schwierigen Lage befindet.

Natürlich sind die zusätzlichen Marketingmittel für Schweiz Tourismus hoch willkommen. Noch dringender ist jetzt aber eine sofortige und spürbare Entlastung der Leistungsträger, die sich im internationalen Wettbewerb kaum mehr behaupten können.

MwSt reduzieren, Importe erleichtern

Zu den Massnahmen, die unseren Betrieben helfen würden, gehört eine (zumindest befristete) Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen und alkoholfreien Getränken von 8 auf 2.5 Prozent. So würden ohne grosse zeitliche Verzögerung Mittel frei, die für Preissenkungen, dringend benötigte Investitionen und die Arbeitnehmer (Kostensteigerungen durch den L-GAV) verwendet werden könnten.

Damit sich die Lebensmittelpreise in der Schweiz dem EU-Niveau annähern können, müssen die Grenzen geöffnet werden: Zölle, Importbeschränkungen sowie andere rechtliche und technische Handelshemmnisse sind konsequent abzubauen.

Nicht zuletzt müssen Politik und Verwaltung mehr denn je dafür sorgen, dass die administrative Belastung der KMU endlich abnimmt. Die Regulierungskosten, z.B. in den Bereichen Sozialversicherungen, Lebensmittelhygiene und Arbeitsrecht, sind enorm.

Wird jetzt nicht gehandelt, verlieren der Schweizer Tourismus und das schweizerische Gastgewerbe weitere Marktanteile. Das kann niemandem egal sein, ist unsere Branche doch der viertwichtigste Arbeitgeber im privaten Sektor. Unsere Branche schafft zudem viele Arbeitsplätze für Gruppen, die es am Arbeitsmarkt in der Regel schwieriger haben, z.B. Frauen, Junge, Geringqualifizierte, Teilzeiter und Ausländer.

Die Lage ist sehr ernst. Wer kann ein Hundertmeter-Rennen gewinnen, wenn der Gegner 30 Meter Vorsprung hat? Es braucht Massnahmen, die unsere Betriebe entlasten – jetzt!

Diese Massnahmen braucht es

1. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen und alkoholfreien Getränken von 8 auf 2.5 Prozent. Das gäbe Spielraum für Preissenkungen, Investitionen und die Lohnerhöhungen, die uns der L-GAV aufzwingt.

2. Die Aufhebung von Schutzzöllen, Importbeschränkungen und Handelshemmnissen, damit unsere Betriebe insbesondere Lebensmittel zu Preisen einkaufen können, die dem EU-Niveau wenigstens einigermassen nahekommen.

3. Der Abbau von Überregulierungen in den Bereichen Arbeitsrecht, Sozialversicherungen und anderswo, damit die administrative Belastung der KMU endlich abnimmt.

4. Nach Rücksprache mit den Sozialpartnern: Längere Arbeitszeiten (z.B. durch Streichung einer Ferienwoche), keine höheren Mindestlöhne und keinen vollen 13. Monatslohn, so lange der Euro unter einem Kurs von 1.30 bleibt.

Maurus Ebneter
Delegierter des Vorstands
Wirteverband Basel-Stadt


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