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Wirteverband Basel-Stadt

Wirteverband Basel-Stadt


27.06.2013

Der Basler Wirt

Ein Blick zurück ins Jahr 1928

1928 kam unter dem Titel "Der Basler Wirt" das erste "Nachrichtenblatt" des Wirteverbands Basel-Stadt heraus. Die Erstausgabe bietet spannende Einblicke in die damalige Zeit. Vieles hat sich verändert, doch manches tönt vertraut.

Der Wirteverband Basel-Stadt wurde 1881 gegründet. Zehn Jahre später wurde von den damals sechs Kantonalverbänden der "Schweizerische Wirteverein" gegründet. Die Statuten der Basler Sektion sahen schon lange die "Herausgabe eines Platzorgans" vor, doch es fehlte wohl an Zeit oder Geld – oder an beidem.

Für einmal waren die Basler nicht Pioniere. Schon ab 1910 gab der Wirteverein der Stadt Bern und Umgebung ein Lokalblatt unter dem Namen "Der Kollege" heraus, und selbst die Wirtegenossenschaft Olten hatte mit dem "Wirteberater" bereits neun Jahre eine regelmässige Publikation, als im Januar 1928 die erste Ausgabe von "Der Basler Wirt" erschien.

Wirksames Propagandamittel

In der monatlich erscheinenden Zeitschrift sah der damalige Vorstand "ein wirksames Propagandamittel für unsere Organisation". Es ging darum, "den Mitgliedern alles Wissenswerte aus den Vereinsgeschäften" mitzuteilen. Bekanntlich hätten nicht immer alle Kollegen Zeit und Musse an die Versammlungen zu kommen, heisst es im ersten Editorial.

Die Mitteilungen waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern "in der Hauptsache für den Wirt und dessen Angehörige". Als Begründung wurde angegeben: "Der Inhalt wird sehr oft teilweise derart sein, dass unliebsame Erörterungen bei den Gästen oder zwischen Gast und Wirt entstehen können. Unsere Gäste sind uns aber viel zu lieb, als dass wir noch damit belästigen wollen, sich mit den internen Angelegenheiten unseres Vereins und Standes befassen zu müssen."

In der ersten Ausgabe wird unter anderem darauf hingewiesen, dass an der "Fastnacht 1928" am Montag bereits um 4 Uhr morgens geöffnet werden darf: "Wie uns auf dem Bureau für das Bewilligungswesen mitgeteilt wird, finden die einschränkenden Bestimmungen betreffend Öffnungszeiten und Benutzung der Wirtschaftslokalitäten an Fastnacht keine Anwendung."

Aussenseiter mit Einzelinseraten

Ein Thema waren auch "gemeinschaftliche Neujahrsgratulationen in sieben Tageszeitungen sowie in den zwei Annoncenblättern". Die Idee: "Dadurch sollten die Mitglieder der unnötigen und kostspieligen Verpflichtung enthoben werden, Einzelinserate mit ihren Neujahrswünschen in womöglich mehreren Blättern aufzugeben."

Das scheint nicht recht geklappt zu haben, denn: "Einige Aussenseiter glaubten aber doch besser zu tun, wenn sie wieder Einzelinserate in möglichst vielen Blätter einrücken liessen." Dabei wäre es ganz einfach: "Es ist uns nicht bekannt geworden, dass ein Kollege wirklich Anstände mit seinen Gästen gehabt hat, weil er nicht einzeln seinen Glückwunsch in der Zeitung aufgegeben hat."

Die "Wirtegesangssektion Basel" fand in der Erstausgabe ebenfalls Erwähnung. Man traf sich regelmässig zur Singstunden im Greifen, zu Zusammenkünften ("bei Kollege Karl Reiss") oder zu einem Sängerhock. Alleine im Januar und Februar 1928 kamen so acht Anlässe zusammen.

Die "Berufsbildungskommission" rief dazu auf, einen Buchhaltungskurs "an vier Nachmittagen von 2 bis 5 Uhr" zu besuchen. Das Kursgeld betrug 20 Franken, worin die Lieferung des Kursmaterials inbegriffen war. "Über die Zweckmässigkeit dieses Kurses brauchen wir uns hier nicht mehr zu verbreiten", hiess es. Ausreden liess man nicht gelten: "Wer von den Kollegen den Kurs nicht selbst besuchen kann, schicke irgendein Familienmitglied, Frau, Tochter oder Sohn."

Aus welchem Grunde geht man ins Wirtshaus?

Marketing war ein Thema, nur hiess es damals anders. In einem zweiseitigen Beitrag beschäftigt sich die Redaktion mit der Frage, weshalb man ins Wirtshaus geht. Nicht zum Essen und Trinken allein, lautete die Antwort: "Denn wenn das der einzige Grund wäre, könnten wir gleich morgen schon den Achtstundentag auch in unserem Gewerbe einführen." In den meisten Fällen werde die Wirtschaft "der Geselligkeit wegen" aufgesucht.

Genauer: "Man sucht Zerstreuung von des Tages Last und Mühen; man geht einem Zeitvertreib nach, den der eine in einem zünftigen Jass, der andere im Anhören einer guten Musik findet; man sucht Anregung, Belehrung; man will sich in allen öffentlichen, politischen und Tagesfragen orientieren; man will sich aussprechen mit Freunden und Bekannten; man will wissen, was läuft und geht in der Welt."

Nicht alle hatten offenbar Freude daran: "Unsere Gegner haben diese Bedeutung der Wirtschaft wohl erkannt und wollen sie ihr nehmen, indem sie durch Lesestuben, Gemeinde- und Volkshäuser Gelegenheit zu schaffen suchen, ohne Trinkzwang die geselligen Darbietungen der Wirtschaft zu finden."

Die Probleme von damals unterschieden sich kaum von den heutigen, nur die Worte waren anders gewählt: "Die Wirte sind nun leider allzugern bereit, der Propaganda der Temperenz, dem Achtstundentag, dem Sport die Schuld an der Entvölkerung der Lokale zuzuschreiben. Sie vergessen dabei, dass es noch einen anderen, wichtigen Faktor gibt, der an der geringen Rentabilität des Wirtegewerbes mitschuldig ist, nämlich der unfachmännische, unkaufmännische Betrieb."

Vierstellige Telefonnummern

Bemerkenswert sind die zahlreichen Inserate. Da wird "die sensationelle neue electrophonographische Erfindung" beworben, "welche überall für Erstaunen sorgt". Der "Panatrop" hat eine "regulierbare Lautstärke für Säle bis zu 1500 Personen" und diente der "naturgetreuen Widergabe von Gesang, Klavier, Orchester". Gemäss Werbung kam das Gerät in Hotels, Restaurants, Kinos und Dancings zum Einsatz.

Eine Flasche Moët et Chandon kostete im Einkauf zwischen 7 und 11.50 Franken – für die damalige Kaufkraft war das eine enorme Summe. Wer es günstiger mochte, wich auf Asti Spumante "champagnisé" für 3 Franken aus oder auf "Rhein- & Moselweine". Globus am Marktplatz warb mit dem Slogan "billiger als die Grossisten" für seine "stets reiche Auswahl in Wirtschaftsporzellan, Glas, Bestecken, Tisch- und Bettwäsche und sonstigen Gebrauchsartikeln".

Die Habanahaus Max Oettinger A.-G." warb als "ältestes Spezialgeschäft zur Belieferung von Hotels und Restaurants" für seine "Cigarres en gros", die "Erste Actien-Brennerei Basel" für "feinsten Baselbieter Kirsch" und "erstklassigen Alpenkräuter-Bitter".

Ein gewisser Th. Rietschi-Allemann, damals noch an der Gempenstrasse 50-56, empfahl sich als Hauptdepositär von Meltinger. Natürlich wurde auch für den damals noch verbreiteten "Burgermeisterli" geworben – "nur echt von E. Meyer Basel, Fabrikation seit 1815". Loewe & Cie. empfahl sich für die "vertrauenswürdige Reinigung von Oelpissoirs und Abortanlagen im Abonnement".

Das Taxi-Unternehmen Gass & Co. wies auf seine einfach zu merkenden Telefonnummer hin: Safran 29.29. Wollte man das Buchhaltungsbureau von Fr. Gysin erreichen ("besorgt prompt, diskret bei billigster Berechnung"), so wählte man Birsig 63.97.


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