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10.03.2016

Energydrinks – der kleine Kaffee fürs Kind

Studie untersucht Risikowahrnehmung

Kaum eine Trend- und Risikosportart, die nicht von den Werbemillionen der Energydrink-Unternehmen profitiert. Seien es E-Sport-Grossveranstaltungen oder prominente Mountainbiker, die sich waghalsig in Abgründe stürzen. Diese Strategie war bislang offenbar sehr erfolgreich: Die Absatzmengen haben sich in Deutschland von 2005 bis 2012 fast vervierfacht. Gut 60 Prozent der deutschen Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren greifen zur süssen Koffeinbrause. Damit liegen sie im europäischen Mittelfeld.

Bei den "Hoch-Akut-Trinkern" nehmen die Deutschen allerdings einen unrühmlichen Spitzenplatz ein, fand im Jahr 2013 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit heraus. 17 Prozent der jugendlichen Energy-Konsumenten trinken mehr als einen Liter bei einer Gelegenheit. Sie nehmen deutlich mehr Koffein auf als noch gesund ist. Warnhinweise werden eher nicht beachtet, so das Ergebnis einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Die Frage ist also: Wie kann man Jugendliche erreichen? Und was wäre aus ihrer Sicht ein guter Umgang mit "Energy"? In 14 leitfadengestützten Interviews hat der Informationsdienst aid untersucht, was die Zielgruppe selbst über die Risiken denkt.

Die Interviews fanden in drei verschiedenen Settings statt, einem Jugendzentrum, einem Skaterpark und auf der Partymeile in Köln. Die Ergebnisse vermitteln den Eindruck, dass Energydrinks ein fester Bestandteil der Jugendkultur sind. Das Einstiegsalter liegt zwischen sechs und zwölf Jahren.

Die Befragten kannten die Wirkung von Energydrinks auf die Wachheit und konnten auch Nebenwirkungen von überhöhtem Konsum beschreiben, etwa Herzklopfen oder Herzrasen. Zwei Jugendliche bezeichneten sich selbst als süchtig, eine Studienteilnehmerin berichtete von einem Kreislaufkollaps, den sie in der Schule nach dem Konsum von drei Halbliterdosen erlitt.

Ein guter Umgang mit Energydrinks müsste von verschiedenen Seiten unterstützt werden, meinten die Studienteilnehmer. Dazu gehören die Eltern und auch die Hersteller. Mehrere sprachen sich für eine gesetzliche Altersbeschränkung aus. Bei den Warnhinweisen waren sie geteilter Meinung. Vor allem die Hochverzehrer gehen nicht davon aus, dass sie helfen.

Die Studie gibt Einblick in den Umgang und die Risikowahrnehmung der jungen Zielgruppe. Sie macht jedoch keine Aussage zur Häufigkeit und Verbreitung dieser Handlungsmuster und möglicher gesundheitlicher Folgen. Unklar ist beispielsweise, in welchem Ausmass jugendliche Hochverzehrer in Deutschland heute schon unter Nebenwirkungen einer überhöhten Koffeinaufnahme leiden.

Unklar ist auch, was es bedeutet, wenn sich Kinder schon im Alter zwischen sechs und 12 Jahren an den Konsum von Koffein gewöhnen. Instant-Energypulver mit zweideutigen Namen wie "Koks" lassen vermuten, dass Missbrauch und Gewöhnung unter Kindern und Jugendlichen eher gefördert werden als gebremst.

Gesa Maschkowski / aid


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