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Wirteverband Basel-Stadt

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13.04.2016

Fleischeinkäufe ennet der Grenze nochmals angestiegen

Verdreifachung seit 2008

Der Einkaufstourismus beim Fleisch dürfte seit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro im Januar 2015 nochmals um mindestens 10% zugenommen haben. Diese Schätzung ergibt sich aufgrund von Zahlen aus mehreren Studien und von Zollämtern. Mittlerweile liegt die ennet der Grenze eingekaufte Fleischmenge bei 8 bis 10 kg pro Bewohner und Jahr.

Seit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro im Januar 2015 hat der Einkaufstourismus im grenznahen Ausland weiter zugenommen. Darauf deuten mehrere Studien zu diesem Thema hin. So schätzt die Credit Suisse im Retail Outlook 2016, dass die stationären Auslandeinkäufe (ohne Online-Handel) der Schweizer Bevölkerung im Jahr 2015 insgesamt um 8% zugenommen haben. Und in Deutschland wuchsen die Schweizer Auslandeinkäufe laut Retail Outlook sogar um 11%.

Eine andere auf Befragungen von Konsumenten beruhende Studie der Universität St. Gallen (Rudolph/Nagengast/Nitsch: Einkaufstourismus Schweiz) aus dem Jahr 2015 stellt zudem fest, dass seit der Abschaffung des Mindestkurses mehr als ein Viertel der Konsumenten die Einkäufe im Ausland weiter erhöht hat.

Auch Daten von Zollämtern zeigen einen deutlichen Anstieg der Einkäufe in den grenznahen Gebieten zur Schweiz. Die Anzahl der Mehrwertsteuer-Rückerstattungsformulare haben von 2014 auf 2015 im Vorarlberg um 20 Prozent, in Singen um 8 Prozent und in Lörrach um 23 Prozent zugenommen.

Diese Zahlen geben Auskunft über die am Zoll deklarierten Auslandeinkäufe. Da Ware aber bis zu einem Freibetrag von 300 Franken pro Tag und Person mehrwertsteuerfrei eingeführt werden darf, werden Lebensmitteleinfuhren auf diese Weise nur selten erfasst. Trotzdem geben die Zahlen auch Hinweise über die Entwicklung des Einkaufstourismus bei Lebensmitteln, wenn wir davon ausgehen, dass deren Anteil am Einkaufstourismus mehr oder weniger konstant bleibt.

Direkte Hinweise zur Entwicklung des Einkaufstourismus beim Fleisch ergeben sich zudem aus Zahlen zu den festgestellten Fällen von Fleischschmuggel. In der Grenzwachtregion II (Grenzkantone Zürich, Schaffhausen und Thurgau) werden dabei die Fälle von Fleischschmuggel bei Mengen von über 10 kg ausgewiesen. Auch hier lässt sich ein deutlicher Anstieg beobachten, indem sich die Zahl der Fälle von 288 im Jahr 2014 auf 403 im Jahr 2015 erhöht hat, was einer Zunahme von rund 40% entspricht. Allerdings hängen diese Zahlen auch von Häufigkeit und Intensität der Kontrollen ab, die sich von Jahr zu Jahr ebenfalls verändern können.

Insgesamt kann also von einer nochmals markanten Zunahme des Einkaufstourismus im Jahr 2015 ausgegangen werden. Um den Anteil der Lebensmittel und von Fleisch am Einkaufstourismus zu bestimmen, ist man auf weitere Schätzungen angewiesen, wofür wiederum Zahlen aus mehreren Studien vorliegen. Die bereits oben erwähnte Studie der Universität St. Gallen kommt aufgrund ihrer Umfragen zum Ergebnis, dass der Einkaufstourismus im Lebensmittelbereich im Jahr 2015 bei 2.79 Milliarden Franken liegen dürfte. Und eine Studie der GfK Switzerland AG, ebenfalls aus dem Jahr 2015, schätzt das Ausmass der Lebensmitteleinkäufe jenseits der Grenze zur Mitnahme in die Schweiz auf 2.41 Milliarden Franken.

Der Schweizerische Fleischfachverband geht deshalb davon aus, dass der Einkaufstourismus bei Lebensmitteln in einer Bandbreite zwischen 2.4 und 2.8 Milliarden Franken liegt. Der Anteil des Fleisches bei den Lebensmitteln wurde ausgehend vom Warenkorb eines typischen Schweizer Konsumenten in einer früheren Studie an der FHNW (Steiner, Grenztourismus beim Fleischeinkauf, 2011) auf rund einen Drittel geschätzt.

Da beim Einkaufstourismus der Anteil des Fleisches aufgrund der besonders hohen Preisunterschiede noch höher liegen dürfte (siehe Steiner, 2011), ist im Jahre 2015 von Einkäufen im grenznahen Ausland von 1.2 bis 1.6 Milliarden Franken auszugehen. Das sind deutlich mehr als 10% der gesamten Ausgaben für Fleischeinkäufe von Schweizer Konsumenten. Diese sind gemäss früheren Angaben von Proviande hierzulande im Bereich von 10 Milliarden Franken pro Jahr, je hälftig aufgeteilt auf den Detailhandel und die Ausserhausverpflegung.

Berücksichtigt man zudem den mittleren Pro Kopf-Konsum der letzten Jahre von 51 bis 54 kg pro Person und Jahr sowie die Preis- bzw. Kostenunterschiede zwischen der Schweiz und dem grenznahen Ausland, wo Fleisch etwa die Hälfte kostet, so entspricht dies einer geschätzten Menge von 8 bis 10 kg Fleisch pro Person und Jahr. So viel Fleisch kauft ein Schweizer Konsument im Durchschnitt im grenznahen Ausland ein.

Der Einkaufstourismus beim Fleisch hat also ein erhebliches Ausmass erreicht und verursacht somit entsprechende Einkommenseinbussen bei den Fleischverkäufern vor allem im grenznahen Gebiet in der Schweiz. Vergleicht man längerfristig mit dem Niveau des Einkaufstourismus vor dem starken Anstieg des Schweizer Frankens anhand der Zahl der Mehrwertsteuer-Rückerstattungsformulare bei den Zollämtern Lörrach und Singen, dann hat sich der allgemeine Einkaufstourismus seit dem Jahr 2008 ungefähr verdreifacht. Basierend auf den besonderen Präferenzen der Konsumenten für Fleisch dürfte die Zunahme der grenznahen Fleischeinkäufe zumindest ebenfalls in dieser Grössenordnung liegen.


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