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Wirteverband Basel-Stadt

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15.03.2018

Passivrauchen: ein Stich ins Wespennest

Jetzt droht das Rauchverbot 2.0

Raucher und Nichtraucher sollen auf den Terrassen künftig voneinander getrennt werden. Eine Idee, die Gastronomiefachleute im ganzen Land empört.

Das Tessin macht in diesen Tagen viel von sich reden. Letzte Woche hat das Kantonsparlament einer Revision des Gastgewerbegesetzes zugestimmt. Die «Grotti» sind nun dazu verpflichtet, ausschliesslich typische Speisen aus der Region zu servieren. Schluss mit Pommes frites!

Dasselbe kantonale Gesetz dürfte in einigen Monaten erneut Änderungen durchlaufen. Denn eine Abgeordnete aus dem Tessin setzt sich für eine Regelung des Passivrauchens im Freien ein. Nadia Ghisolfi reichte eine parlamentarische Initiative ein, die vorsieht, die Restaurantterrassen in zwei Bereiche zu unterteilen; einen für die Raucher und einen für die Nichtraucher.

Wie reagieren die Direktbetroffenen auf eine solche Einschränkung, die im Tessin, oder gar in der ganzen Schweiz, Inkrafttreten könnte? Ein Überblick.

«Wir sind voll und ganz dagegen.» Für Massimo Suter, Präsident von GastroTicino, ist klar: «Die rauchenden Gäste sind ausreichend gut erzogen und verantwortungsvoll, um zu bemerken, falls sich jemand an deren Zigarette stört.» Der Tessiner führt weiter aus: «Ich spreche aus Erfahrung, denn ich bin Restaurateur und habe eine Terrasse mit 60 Plätzen: Die Leute reden miteinander und arrangieren sich. Es kommt selten vor, dass ein Gast einen Raucher bittet, sich woanders hinzusetzen.»

Suter appelliert an den gesunden Menschenverstand und argumentiert auch mit möglichen Einkommenseinbussen: «Man muss wissen, dass in unserem Kanton drei Viertel des Jahresumsatzes im Sommer erzielt werden. Die Leute halten sich gerne im Freien auf und es ist zu befürchten, dass die Raucher künftig ihr Essen zum Mitnehmen kaufen und die Parkbank dem Restaurant vorziehen, um anschliessend in Ruhe rauchen zu können.»

Mal ganz abgesehen vom Wind, der den Rauch stetig von einer anderen Seite her bläst, ärgert Suter am meisten die exzessive Reglementierung, die der Branche auferlegt wird. «Das Rauchen im Freien zu verbieten, ist für mich weder gerecht noch logisch. Leben wir in einem freien oder in einem totalitären Land? Falls diese Initiative durchkommt, werden nicht nur die Raucher, sondern auch die Nichtraucher bestraft.»

Der Dachverband ist der Meinung, dass die Gesundheit der Nichtraucher mit dem Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen bereits ausreichend berücksichtigt wird. «Die Umsetzung dieses Gesetzes im Jahr 2010 war für die Restaurants bereits mit Kosten verbunden, denn zahlreiche Betriebe mussten zwangsmässig umbauen, und andere wiederum verloren Gäste», sagt Sascha Schwarzkopf, Leiter Wirtschaftspolitik bei GastroSuisse. «Ich denke insbesondere an jene Gäste von Beizen, die nach getaner Arbeit gerne ihre Zigarette bei einem Glas geniessen.»

Eine 2011 bei Mitgliedern des Verbandes für Hotellerie und Restauration in der Schweiz durchgeführte Studie ergab, dass ein Drittel (33.5%) der Betriebe nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes Umsatzeinbussen hinnehmen mussten. Nebst den wirtschaftlichen Auswirkungen macht Schwarzkopf auch darauf aufmerksam, dass die Anzahl der Raucher in der Schweiz abnimmt, und sich damit auch das Problem des ­Passivrauchens verringert. GastroSuisse wehre sich deshalb gegen eine Reglementierung des Passivrauchens im Freien, denn die wäre nur schwerlich umsetzbar.

Protest ist auch in der Westschweiz spürbar. André Roduit, Präsident von GastroValais, lehnt die Idee entschieden ab, die Terrasse in zwei Bereiche zu unterteilen: «Das würde für die Restaurateure eine gewaltige Einschränkung bedeuten. Und ausserdem geht es zu weit! Man muss aufeinander Rücksicht nehmen, was die Raucher bereits tun, insbesondere wenn Kleinkinder anwesend sind. Doch bleiben wir pragmatisch. Sollen wir denn nach den Terrassen auch noch die Fumoirs in zwei Bereiche unterteilen?»

Der Präsident von GastroVaud, Gilles Meystre, drückt sich folgendermassen aus: «Ich glaube nicht, dass man Menschen zu ihrem Glück zwingen muss… Die Gesundheitsfanatiker überspannen den Bogen! Anstatt immer mehr Verbote auszusprechen, täten sie besser daran, Empfehlungen zu erlassen. Einige Terrassen würden so zu Nichtraucher-Terrassen, und andere eben nicht. So könnten die Gäste und die Restaurateure selber entscheiden!»

Ihre Wahl getroffen haben die Raucher im P’tit Buffet im Bahnhof Nyon. Das Bistro und die Terrasse mit ihren 16 Tischen gehören der SBB. Seit dem 1. Februar erliess die Eisenbahngesellschaft an sechs Bahnhöfen, darunter auch in jenem der Waadtländer Stadt, ein Rauchverbot. Resultat: das P’tit Buffet verlor einen Teil seiner Stammgäste.

«Am 1. Februar nahm ich die Aschenbecher von den Tischen, was sich sofort auf meinen Umsatz auswirkte», erklärt Geschäftsführer Marc Thaëron. «Die Leute gehen woanders hin, um zu rauchen, und konsumieren nicht mehr bei mir, oder sie bestellen bestenfalls einen Kaffee zum Mitnehmen.» Der Wirt findet keinen Gefallen an der Entscheidung der SBB und befürchtet insbesondere, dass es bei ihm im Frühling und im Sommer menschenleer sein wird. «Letzte Woche traf ich mich mit Entscheidungsträgern der SBB, und sie schlugen mir ein Arrangement vor, je nachdem wie sich die Situation entwickeln wird.»

Bei der Frage um verschärfte Regelungen rund um das Passivrauchen im Freien steht heute einzig das Tessin im Rampenlicht. Doch bei GastroSuisse ist man überzeugt: Der Bundesrat wird sich früher oder später mit der Frage auseinandersetzen. Derzeit beschäftigt er sich mit dem Bundesgesetz zum Tabak. Dieses sieht insbesondere vor, das Mindestalter beim Kauf von Tabakprodukten auf 18 Jahre zu erhöhen, eine legale Basis für die Testkäufe zu schaffen, sowie Werbung, die auf Minderjährige zielt, zu verbieten. Ein Gesetzesentwurf, der bereits jetzt von GastroSuisse und GastroValais unterstützt wird.

Caroline Goldschmid / GastroJournal


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