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Wirteverband Basel-Stadt

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19.01.2017

Umsätze steigen stark, Kosten stärker

Österreichs Hotellerie ist auch nicht sorgenfrei

Die Österreichische Hoteliervereinigung fordert einen «Belastungsstopp und aktivierende Massnahmen», um Innovation und Wachstum weiter zu forcieren. Zudem würde ein Exit-Szenario für hochverschuldete Verlustbetriebe der gesamten Branche helfen.

Österreichs Tourismus geniesst einen ausgezeichneten Ruf: «Zu Recht», hält Michaela Reitterer, Präsidentin der Hoteliervereinigung, fest: «Die Betriebe in der internationalen Auslage sind top. Das zeigt auch die grösste Branchenanalyse der österreichischen Hotellerie. Unser Anspruch ist aber, die Nummer 1 bei Innovation und betrieblicher Wertschöpfung in Europa zu werden. Nur so werden wir weiter als Wirtschafts- und Beschäftigungsturbo spielen können.»

Der langjährige Branchenexperte Clemens Westreicher hat mehr als 3000 Bilanzen aus 2010 und 2015 analysiert. Er untersuchte die Entwicklung der finanziellen Situation nach Bundesländern und Umsatzgrössenklassen. Präsentiert wurde die Studie von Westreicher und Reitterer beim ÖHV-Hotelierkongress in Bad Ischl.

Über die gesamte Hotellerie hinweg sind die Umsätze im Beobachtungszeitraum um 27% gestiegen, die Kosten um 29%: «Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon», bestätigt Reitterer.

Viele Gesetzesänderungen waren teuer für die Branche: die Streichung der Energieabgabenvergütung, die Anschaffung neuer Kassensysteme, die Auflösungsabgabe, die Allergenverordnung, Investitionen in den Nichtraucherschutz. Ab 2016 wirken sich auch die jüngsten Belastungen wie die Erhöhung der Umsatzsteuer von 10% auf 13%, die Verlängerung der Abschreibungsdauer um sieben Jahre und die erhöhte Grunderwerbsteuer in den Bilanzen negativ aus.

Belastungsstopp dringend nötig

«Ein Blick auf die Bilanzen zeigt: Schaffen wir bei Steuern und Bürokratie nicht bald den Turnaround, werden sich die Betriebsschliessungen fortsetzen», warnt Reitterer. Denn die Marktbereinigung hat bereits eingesetzt: Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen um sechs Prozent.

Nur spezifische Massnahmen für die Branchenspitze, das Mittelfeld und die Low-Performer würden eine optimale Performance gewährleisten, so Reitterer. Gerade jetzt, in Zeiten guter Nachfrageentwicklung, sollen die wirtschaftspolitischen Massnahmen für die nächsten Jahre gesetzt werden.

Spitzenfeld: Sehr gute Performance, aber noch Potential

Die Top-Betriebe sind sehr gut aufgestellt. Ihr GOP beträgt 28% der Betriebsleistung. Die fiktive Schuldentilgungsdauer liegt in diesem Segment bei hervorragenden fünf Jahren. Die Kapitalrentabilität der Spitzenperformer liegt im Durchschnitt bei 13%.

Aber sie können nur einen Teil ihres Potenzials abrufen: Zu viel Zeit, zu viel Geld fliessen in Bürokratie, Regulierung und Steuern statt in Marktbearbeitung, Qualität und Human Resources. Das gesetzliche Verbot der Ratenparität und die Investitionszuwachsprämie werden diesem Segment helfen, notwendig wären allerdings endlich Massnahmen im Bürokratieabbau, eine weitreichende Liberalisierung der Gewerbeordnung und natürlich eine realistische Abschreibungsdauer.

Für die breite Mitte ist es 5 vor 12

Es fehlt an Geld für Investitionen und Innovationen, die Preisdurchsetzung ist zu schwach – auch weil politisch motivierten Kostensteigerungen die Mitte besonders stark treffen: Geht das so weiter, sind diese Betriebe massiv gefährdet.

Der GOP der Durchschnittsbetriebe beträgt 18% vom Umsatz. Für Zinsen und Tilgung von Krediten werden 80% des Cashflows benötigt. Übergaben werden unter diesen Umständen extrem schwierig. Sollen leistbare Quartiere für Familien und Nachwuchs im Skisport auf mittlere und lange Sicht gesichert werden, heisst es rasch handeln.

Eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten, die Rücknahme der Umsatzsteuererhöhung, eine Flexibilisierung der Arbeitszeit würden diesen Betrieben besonders stark helfen und sich positiv auf die Entwicklung des Gesamtmarkts auswirken. Die ÖHV setzt auch auf Qualifizierung und bildet in der Unternehmerakademie Managementkompetenz aus.

Für die Low Performer ist es 10 nach 12

Viele dieser Betriebe sind nur noch nicht geschlossen, weil sie es sich nicht leisten können. Ihr GOP beträgt 5% vom Umsatz. Der Cashflow nach Zinsen ist negativ. Die Bankenverbindlichkeiten betragen 280% des Unternehmenswerts. Die laufenden Erträge sind zu gering, um getätigte Investitionen vollumfänglich zu verdienen.

Unternehmer benötigen Ausweg aus ihrem Dilemma

Hoch verschuldete Unternehmer, die jeden Tag noch mehr Geld verlieren, schaffen den Turnaround alleine nicht. Greifen keine betrieblichen Restrukturierungsmassnahmen, müssen gemeinsam andere Lösungen gefunden werden, hält Reitterer fest: «Wir werden die Marktbereinigung nur in geordnete Bahnen bekommen, wenn wir für alle Beteiligten tragfähige Perspektiven entwickeln können.»

Die Hürden sind bekannt: die Aktivierung stiller Reserven, allenfalls Nachversteuerungen, Bankschulden, zu geringe Ertragskraft und Betriebsgrösse, nicht zuletzt die Kosten für die Grunderwerbsteuer und fehlende Perspektiven.

Eine Chance sieht die Branchensprecherin in der alternativen Nutzung vieler Immobilien oder allenfalls Grundstücke: «Sie sind der Schlüssel zu einer attraktiven Option: Gemeinden benötigen Seniorenwohnheime, Jungfamilien Startwohnungen, Betriebe Mitarbeiterhäuser.»

Politik muss Auswirkungen von Gesetzen besser abschätzen

Reitterers dringendster Wunsch: Schluss mit neuen Belastungen, endlich Entlastungen umsetzen! «Wir brauchen da mehr Mut, mehr Unternehmertum in der Politik, mehr Blick über den Tellerrand: Game-Changer, die mit bestehenden Strukturen und Denkmustern brechen!»

Genauso wichtig: Praxisnähe. «Das hilft, unerwünschte Nebeneffekte und indirekte Belastungen zu verhindern, etwa bei der von Bundeskanzler Christian Kern vorgeschlagenen Begrenzung von Mietzuschlägen und strengeren Regularien für die Befristung von Mietverträgen. Dahinter steckt ein löblicher Gedanke, aber die Folge davon wären wieder mehr Wohnungen für die Sharing Economy und die Verlagerung von Wertschöpfung und Steuern ins Ausland.» Das koste Investitionen und Arbeitsplätze.

Innsbruck mit Schneebergen. Bild: Österreich Werbung / Popp Hackner


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