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Wirteverband Basel-Stadt

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12.03.2012

Remo Stoffel gewinnt Poker um Therme Vals

Stararchitekt Peter Zumthor ging leer aus

Der Immobilienunternehmer Remo Stoffel hat den Poker um die berühmte Therme Vals gewonnen. Die Valser beschlossen nach langer, emotionaler Diskussion, den Therme-Komplex an ihn zu verkaufen. Das Nachsehen hatte Stararchitekt und Schöpfer der Therme, Peter Zumthor.

sda.Der Entscheid in der brechend vollen Turnhalle fiel mit 287 zu 219 Stimmen überraschend deutlich für den 35-Jährigen aus. Noch klarer beantworteten die Valser anschliessend die Frage, ob sie nun tatsächlichen verkaufen wollten, da feststand an wen. Drei Viertel bejahten die Frage.

"75 Prozent Zustimmung, das ist eine gute Sache", kommentierte der gebürtige Valser Stoffel das Resultat vor den Stimmberechtigten. Er freue sich und sei stolz darauf, das Projekt realisieren zu können.

Stoffels Aktiengesellschaft Stoffelpart bezahlt der Gemeinde für Therme und Hotel 7.8 Millionen Franken. Sie hat sich verpflichtet, rund 50 Millionen Franken zu investieren, das Hotel zu renovieren und ein weiteres, architektonisch hochstehendes Haus mit 70 Zimmern zu bauen.

Weiter will der Immobilienunternehmer eine 12 Millionen teure Mehrzweckhalle bauen und die Hälfte der Kosten übernehmen. Die Valser haben zudem die Möglichkeit, ihre "Perle" nicht vollständig aus der Hand zu geben. Stoffel ist bereit, die Therme an eine Stiftung der Gemeinde zu überführen und nur das Nutzungsrecht zu beanspruchen, sollten die Valser das wünschen.

Eine Frage des Vertrauens

Die Gruppe um Zumthor hatte der Gemeinde ein vergleichbares Angebot gemacht. Die Entscheidung für einen der Interessenten war eine Frage des Vertrauens. Sie hatte das Dorf in zwei Lager gespalten und einen heftig geführten Zwist ausgelöst.

Mit ihrer Wahl entschieden die Valser gegen den Antrag des Gemeindevorstandes, der sich für Zumthor ausgesprochen hatte. Vielen ging es nicht zuletzt darum, Vals vom Therme-Übervater Zumthor unabhängig machen. Die Zusammenarbeit mit ihm galt als schwierig.

Sowohl der alte wie auch der aktuelle Therme-Verwaltungsrat haben sich mit ihm überworfen und setzten auf Stoffel – ebenso wie zahlreiche der jungen Teilnehmer der Gemeindeversammlung.

Stoffel hatte am Anfang des Abends versichert: "Ich bin nach Vals zurückgekommen, ich möchte hier investieren und ich möchte bleiben." Obwohl der Immobilienunternehmer schon früh das Dorf verlassen hatte, sehen viele Valser in ihm nach wie vor einen Einheimischen und vertrauen ihm darum. Das wurde in vielen Wortmeldungen in der Schicksalsnacht klar.

"Marke Zumthor" allein reicht nicht

Offenbar war es Stoffel im Vorfeld mit einer häufigen Präsenz vor Ort gelungen, vielfach geäusserte Zweifel an seiner Seriosität zu zerstreuen. An der Gemeindeversammlung entstand der Eindruck, dass seiner Finanzierung mindestens so stark vertraut wird, wie der Finanzierung der Zumthor-Gruppe.

Diese präsentierte zwar ein technokratisches Feurwerk an Zahlen und illustren Namen, letztlich aber nichts Konkretes. Dabei überzogen Zumthors Mitstreiter die ihnen zugestandene Redezeit dermassen, dass sich Zumthor selber kaum noch äussern konnte.

Am Schluss reichte es nicht, dass der Architekt in weiten Kreisen des 1000-Seelen-Dorfes einen gottgleichen Status geniesst und viele Valser mittleren und fortgeschrittenen Alters ihre Überzeugung ausdrückten, die "Marke Zumthor" sei durch nichts zu ersetzen.

Nun liegt es an Zumthor, ob er in Vals endgültig aus dem Spiel ist. Stoffel will für den Hotelneubau einen internationalen Architekturwettbewerb durchführen. Er liess durchblicken, dass er Zumthor gern unter den Teilnehmern sehen würde. Bleibt abzuwarten, ob der Stararchitekt diese "Kröte" schluckt.


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