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Wirteverband Basel-Stadt

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11.08.2014

Übergeordnetes Ziel verfolgen

Bevölkerung weiss um die Bedeutung des letzten Restaurants im Dorf

Die Bevölkerung kämpft verschiedenenorts gegen das Beizensterben. Ziel ist überall, einen Treffpunkt im Dorf zu erhalten.

"Ein Dorf ohne Restaurant ist wie eine Wohnung ohne Küche", sagt Marianne Roth, Präsidentin der Genossenschaft Restaurant Post Rifferswil. Das erklärt ihr Engagement für das letzte der ehemals fünf Restaurants in der 1000-Seelen-Gemeinde zwischen Zug und Zürichsee. Die ehemaligen Gastgeber Rolf und Maria Meier suchten erfolglos Nachfolger. Es drohte Wohneigentum. Innerhalb von zehn Wochen hat die Genossenschaft Anteilsscheine für 1.9 Millionen Franken verkauft. Kauf und anstehende Investitionen belaufen sich auf 3.5 Millionen Franken.

Die Banken leihen ihr Geld einzig, weil die "Erträge diversifiziert anfallen sollen": sprich Restaurant, Wohnungen und später auch ein B'n'B. Das Konzept entstand zusammen mit den künftigen Pächtern, die Vertragsunterzeichnung stehe kurz bevor.

In Spiringen am Fusse des Klausenpasses sammelte eine Interessengemeinschaft vor wenigen Jahren Geld, um die Alte Post als lebendige Dorfbeiz wieder aufleben zu lassen. Ziel war keine Genossenschaft, sondern vielmehr diverse Zeichnungswillige für eine Aktiengesellschaft zu finden. Heute hat die Alte Post wieder offen.

Eine noch längere Erfahrung weist die 33-jährige Genossenschaft Rössli Krinau auf. Nach der Schliessung des Dorfladens, der Post, der Bank und des Restaurants Löwen blieb nur mehr das Restaurant Rössli als Treffpunkt für die 270 Einwohner der einst kleinsten Gemeinde des Kantons St. Gallen. "Die Gesellschaft verarmt, weil die Hightech wichtiger ist als der Hightouch", begründet Genossenschaftspräsident Rolf Geiger, warum das Dorf so wichtig ist als sozialer Treffpunkt. "Die Jungen können auch ausserhalb von Krinau in ein Restaurant. Doch wohin sollen die Älteren?"

Doch die Anforderungen werden nicht kleiner. 33 Jahre nach der kompletten Aushöhlung und dem Umbau stehen Investitionen an. Die Finanzdecke sei dünn, doch die Solidarität hoch. Während die Pächterfamilie Brupbacher mit ihrer Arbeit Gäste von nah und fern überzeugt, sieht der Genossenschaftsvorstand seine Arbeitsfelder bei den Finanzen und im Marketing: "Wir unterstützen Familie Brupbacher mit Flyern, Rundmails und entwickeln zusammen Aktionen. Letzthin organisierten wir eine Vernissage eines Künstlers. Das war ein grosser Erfolg und brachte Krinauer und auswärtige Besucher zusammen."

In Rifferswil läuft es ähnlich. Die Pächter müssen Erfahrung, Fachwissen und Bonität aufweisen, wie Vorstandsmitglied Karin Baer mit einschlägiger Gastroerfahrung betont: "Das Pöstli ist zwar das einzige Restaurant in Rifferswil, aber nicht in der Region. Die Gäste sind heute sehr mobil, deshalb wollten wir ein klares Konzept." Teil davon ist der Saal. Den mit Lesungen und Konzerten zu bespielen, ist Aufgabe der eigens gebildeten Kommission "Kunst und Kultur". Nicht zuletzt, um das regionale kulturelle Angebot zu bereichern. Darüber hinaus unterstützt der Vorstand die Pächter im Marketing.

"Die Genossenschaft hat ein übergeordnetes Ziel und verfolgt nicht primär eine hohe Rendite", unterstreicht Präsidentin Marianne Roth. Das Pöstli sei ein "soziokultureller Integrationspunkt", ein Treffpunkt für die Kultur, alle Gesinnungen und Gäste jeden Alters – "ein gutes Beispiel für die integrative Schweiz".

Des Menschen Bedürfnis nach Gemeinschaft hilft den Genossenschaften ebenso wie die ehrenamtliche Arbeit der Vorstände, die Dorfbeiz zu erhalten. Denn wie sagt Rolf Geier von der Genossenschaft Rössli Krinau? "Pulsierendes Leben funktioniert nicht per Mail, sondern nur im persönlichen Kontakt."

Marco Moser / GastroJournal


 

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