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17.10.2016

Authentische Begegnungen

Touristen schätzen lokale Ansprechpartner

So ziemlich alle touristischen Schweizer Städte kennen inzwischen Touristenengel oder "Greeters". Eine Bestandesaufnahme.

Genf war 2011 die erste "Greeter-Destination" in der Schweiz. Heute wird der Verein der Reiseführer vom Genfer Tourismusbüro unterstützt. In Basel nehmen sich die "Flying Concierges" (aktuell 104 Personen) den Feriengästen beim Erkunden der Stadt an. In Luzern betreuen die "Friendly Hosts" (derzeit 34) die Touristen. In St. Gallen sind es acht Pensionierte, die sich seit vergangenem Jahr während der Hochsaison um die Besucher kümmern. Auch die Stadt Freiburg ist seit diesem Sommer mit von der Partie.

In Lausanne oder Zürich unterscheidet sich das Konzept leicht, denn die Greeters nehmen hier die Touristen schlichtweg zur Stadtentdeckung mit (siehe unten). Doch alle Reiseziele haben etwas gemeinsam: Sie ziehen Einheimische oder ehrenamtlichen Helfer hinzu, die den Kontakt zu den Feriengästen suchen, um ihnen die interessanten Orte der Stadt zu zeigen.

"Dieser Service für die Touristen ermöglicht uns, die Freundlichkeit der Ansässigen dem Rest der Welt zu zeigen", sagt Ann Müller, Projektleiterin Flying Concierge bei Basel Tourismus. "Ziel dabei ist, um ein gutes Image der Destination zu vermitteln und bei unseren Gästen eine angenehme Erinnerung zu hinterlassen, damit sie wiederkommen", pflichtet Mario Kovacevic bei, Leiter Tourist Information bei Interlaken Tourismus, wo sommers jeweils fünf bis sechs Leute angestellt sind. "Auf diese Weise wollen wir die Gastfreundschaft und den Gästeaufenthalt verbessern", ergänzt Cédric Clément, Direktor Freiburg Tourismus und Region.

Denn der Einfluss der Greeters ist nicht zu unterschätzen, wie von Freiburg Tourismus publizierte Statistiken aufzeigen: In 65 Tagen knüpften die Engel 1780 Kontakte, das sind mehr als 27 pro Tag, was einem neu gewonnenen Gast alle 13 Minuten gleichkommt.

Die Genfer Touristenengel ihrerseits haben 2015 nicht weniger als 48'000 Gäste informiert, bei einem finanziellen Aufwand von ungefähr 100'000 Franken. Was die Investition auf finanzieller Ebene genau einbringt, lässt sich selbstverständlich nicht konkret sagen, aber weitere Auswirkungen sind nicht weniger unbedeutend. "Solche Erlebnisse können neue Gäste mit sich bringen, oder zur Kundenbindung beitragen und so positive wirtschaftliche Auswirkungen haben", sagt Cédric Clément.

Neue Gäste zu gewinnen ist logischerweise das Ziel. Doch welche Gäste können tatsächlich angesprochen werden? David Werlen, Medienkoordinator bei Lausanne Tourismus, hat seine genaue Vorstellung: "Lausanne ist eine Stadt, die sich bestens für einen 'City Break' eignet. Ziel ist es, Leute mit Interesse an einem Kurzurlaub anzusprechen, und folglich Lausanne auf der Karte der europäischen Trendstädte zu positionieren, die sich für einen Wochenendtrip anbieten."

Basel Tourismus seinerseits setzt auf Grossveranstaltungen, um Besucher anzuziehen. Für den kürzlich ausgetragenen UEFA Europa League Final standen nicht weniger als 60 Flying Concierges an verschiedenen Orten der Rheinstadt im Einsatz. "Der betriebene Aufwand ist gewaltig, um während den Grossveranstaltungen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen", erklärt Ann Müller. Der Basler Hotelierverein beteiligt sich ebenfalls an diesem Vorgehen. "Wenn die Touristen gut aufgenommen werden, profitieren auch die anderen Akteure davon. Das erklärt die Projektteilnahme der Hoteliers."

Das funktioniert nicht nur in Städten, wie etwa Interlaken zeigt. "Kleinere Orte verfügen über kleinere Fülle an Angeboten", verdeutlicht denn auch Véronique Kanel, Sprecherin von Schweiz Tourismus. Es sei insofern «durchaus vorstellbar, dass sich das Konzept der Greeters oder Engeln auch in Dörfern durchzusetzen vermag, denn die Touristen wollen einen Ort vermehrt durch die Augen der Einwohner entdecken; 'Meet the locals' liegt stark im Trend."

Alle befragten Akteure sind sich des bedeutenden Ausmasses dieses Phänomens einig. "Der Kontakt mit den Einheimischen entspricht dem Zeitgeist. Auch wenn die Touristen Lust haben, etwas Neues zu entdecken, möchten sie sich doch ein wenig zu Hause fühlen, geführt und unterstützt werden", präzisiert Cédric Clément. Diese Feststellung teilt auch David Werlen: "Ich glaube, es ist eine Fortentwicklung im Tourismusbereich."

Der zwischenmenschliche Kontakt ist dabei sehr wichtig. "Dieses Konzept wird von den Touristen sehr geschätzt. Es erlaubt, den Menschen vor die Digitaltechnik und ins Zentrum zu rücken", erklärt Pascal Buchs, Sprecher von Genf Tourismus.

Lokale Ansprechpartner zu haben, die ihre Stadt lieben, ist für das Wohl der Touristen ganz klar von Vorteil. Trotzdem wäre es übertrieben zu sagen, die Greeters würden die Tourismuszukunft bedeuten. So vermögen sie nie die Angebote eines Fachmanns zu ersetzen – aber andere touristische Angebote gut zu ergänzen.


Dem Gästebedürfnis nachkommen
Interview mit Stéphane Genre, Präsident von "Lausanne Greeters"

Stéphane Gerne ist Präsident des Vereins "Lausanne Greeters" und führt selber auch Stadtbesichtigungen durch.

Was machen die Greeters in Lausanne?

Stéphane Genre: Eine Besichtigung dauert zwei Stunden. Interessierte Personen wählen auf der Internetseite, was sie am Liebsten entdecken wollen: einen ausgefallenen Ort etwa oder Geschichtliches. Die Idee ist, dem Touristen die Stadt zu zeigen, und ihm einen angenehmen Moment zu verschaffen.

Worin liegt der Vorteil Einheimischer?

Sie können auf aussergewöhnliche Orte wie Pärke aufmerksam machen, Bartipps geben oder auf sympathische Restaurants oder geeignete Läden zum Shoppen hinweisen. Die Stadtführung eines Greeters wird sehr durch persönliche Erfahrungen gefärbt. Manchmal nehmen geplante und begonnene Führungen, je nach Interesse, plötzlich eine andere Richtung. Wir versuchen uns wirklich den jeweiligen Wünschen der Touristen anzupassen.

Wer beansprucht ihre Dienstleistungen?

Ein 17-Jähriges Mädchen hat uns kürzlich kontaktiert, um eine Stadtführung mit seiner Tante zu unternehmen. Auch ältere Personen um die 70 wenden sich an uns. Die Anfragen kommen aus Grossbritannien, Australien, Amerika, Frankreich, Deutschland, Italien, der Deutschschweiz oder dem Tessin.

Ist es nicht etwas vermessen, Stadtführungen anzubieten, ohne ein anerkannter Reiseführer zu sein?

Die Greeters wollen keinesfalls in einen Konkurrenzkampf mit den professionellen Reiseführern treten. Die Letztgenannten haben eine andere Dimension. Ich zögere nicht zu betonen, dass wir ehrenamtliche Reiseführer sind, die "unsere" Sicht der Stadt, unsere interessanten Ecken und schönen Aussichten zeigen. Wer einen speziellen Rundgang wünscht, tritt vorzugsweise mit Lausanne Tourismus oder einem Verein professioneller Reiseführer in Kontakt.

Wird das Konzept noch an Bedeutung gewinnen?

Ich habe den Eindruck, dass die Leute vermehrt auf der Suche nach einer solchen Form der Stadtbesichtigung sind. Dabei steht nicht das kostenlose Angebot im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, eine Weile mit einem Einheimischen zu verbringen. Ich glaube, die Touristen wollen auf eine andere Art und Weise in die Stadt eintauchen, als dies mit einem professionellen Reiseführer, der seine Darstellung auf fachmännische Weise einstudiert, möglich wäre. Persönlich gehe ich davon aus, dass ein Einheimischer mir die wirklich guten Adressen zeigt.

Lausanne Tourismus hat das Potenzial dieses Konzepts erkannt, und deshalb unterstützt uns die Organisation. Auch hat die Tourismusorganisation verstanden, dass ein solches Angebot weitere Angebote nach sich ziehen kann. In der Tat können Touristen, die einen Moment mit einem "Greeter" verbringen, Lust bekommen, mehr über die Geschichte oder die Architektur zu erfahren, und sich deshalb einem Fachmann zuwenden.

Johanne Stettler / GastroJournal

Der Verein "Lausanne Greeters" bringt Einheimische und Touristen für Stadtbesichtigungen zusammen.


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