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Wirteverband Basel-Stadt

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12.08.2020

Das Gastgewerbe kämpft ums Überleben

Dramatische Umsatzeinbussen auch in Deutschland

In Deutschland bangen fast 60 Prozent der Gastbetriebe trotz Wiedereröffnung um ihre Existenz. Der Branchenverband Dehoga fordert weitere Hilfen zur Rettung des Hotel- und Gastgewerbes.

Auch wenn Restaurants und Cafés unter Auflagen wieder Gäste bewirten und Hotels Touristen beherbergen dürfen, ist die Not in der Branche weiterhin gross. Nach wochenlanger Zwangspause klaffen riesige Löcher in den Bilanzen. Die Umsätze liegen weit unter den Vorjahreswerten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Berlin veröffentlicht hat.

Dehoga-Präsident Guido Zöllick schlägt Alarm und mahnt dringend weitere Unterstützung für die Branche an: «Fast 60 Prozent der befragten Betriebe sehen sich in ihrer Existenz gefährdet», so Zöllick.

Um Arbeitsplätze und Betriebe zu retten und eine Pleitewelle ungeahnten Ausmasses zu verhindern, fordert der Verband eine Verlängerung der Kurzarbeitergeld-Regelung, die Entfristung der Mehrwertsteuersenkung mit Einbeziehung der Getränke, eine Verlängerung der Überbrückungshilfen sowie eine gesetzliche Regelung zur coronabedingten Pachtminderung. «Denn die Krise ist noch längst nicht vorbei», so Guido Zöllick. «Die Angst vor dem Winter ist gross.»

Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine grösste Krise der Nachkriegszeit gestürzt. Von Januar bis Juli beklagen die Betriebe laut der aktuellen Dehoga-Umfrage durchschnittliche Umsatzverluste in Höhe von 60.1 Prozent. Dabei betrugen die Einbussen im März bereits 63.0 Prozent, im April dramatische 86.8 Prozent, im Mai 73.7 Prozent, im Juni 52.2 Prozent und im Juli 43.2 Prozent.

Bezogen auf das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit einem Umsatzrückgang im Schnitt von mindestens 51.0 Prozent. Ein Grund für die Umsatzverluste sind auch die coronabedingten Vorschriften. Aufgrund der Abstandsgebote ist die Kapazität der Betriebe um durchschnittlich 42.0 Prozent eingeschränkt.

«Das aktuelle Bild in der Branche ist sehr heterogen», erklärt Zöllick. «Während die Restaurants und Hotels in den Urlaubsregionen Zuversicht schöpfen, ist die Lage der Betriebe in vielen Städten weiter katastrophal.» Touristen aus dem Ausland und vor allem Geschäftsreisende fehlten. Messen, Kongresse und Tagungen fänden immer noch nicht statt. Sämtliche damit verbundene Hotel- und Gastronomieumsätze fielen aus. Das sei fatal insbesondere für Businesshotels und Eventcaterer.

Besonders dramatisch stelle sich auch die Lage bei den Diskotheken und Clubs dar, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive gebe, so Zöllick. «Die Verzweiflung der Unternehmer wächst von Tag zu Tag. Die Betriebe wissen nicht, wie sie durch die Krise kommen können und befürchten ein massives Disco- und Clubsterben.»

Insgesamt 7.0 Prozent der gastgewerblichen Betriebe sind laut der Umfrage noch nicht geöffnet. Dazu zählen neben Diskotheken und Clubs vor allem kleinere Restaurants und Cafés, Kneipen und Bars, bei denen sich aufgrund der Abstandsgebote die Öffnung nicht rechnet.

Der Vorbuchungsstand in der Hotellerie liegt deutlich unter dem Vorjahr. Im August liegen die Reservierungen 45.3 Prozent, im September 50.3 Prozent und im Oktober 53.4 Prozent unter den Vorjahreswerten.

Insolvenzwelle im Herbst

Die Corona-Pandemie hat spürbare Auswirkungen auf den gastgewerblichen Arbeitsmarkt. Als besonders wirksames Instrument zur Abfederung der Corona-Folgen erweist sich das Kurzarbeitergeld. 79.8 Prozent der Betriebe haben Kurzarbeitergeld beantragt.

Als «ermutigend» wertet Zöllick die Angabe, dass 67.0 Prozent der Betriebe in der Zwischenzeit Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt haben. Von notwendigen Entlassungen berichten indes 30.0 Prozent der Betriebe. 24.0 Prozent der Betriebe planen dies, Stand heute. Erfreulich ist hingegen, dass 89.6 Prozent der Betriebe keine Aufhebung oder Kündigung der Ausbildungsverträge vorgenommen haben.

Die aktuelle Umfrage mache deutlich, dass weitere Unterstützung unerlässlich sei, um die Branche durch die Krise zu führen. 62.1 Prozent der Betriebe geben an, dass die bisher von Bund und Ländern angebotenen Liquiditätshilfen und Kreditprogramme nicht ausreichten, um die Krise zu bewältigen. 37.9 Prozent zeigen sich zufrieden.

Bei den bisher von den Betrieben genutzten Hilfsangeboten liegen laut Umfrage mit 64.8 Prozent die Soforthilfen vom Land und 61.1 Prozent die Soforthilfen vom Bund an vorderster Stelle. 12.2 Prozent der Betriebe haben die KfW-Unternehmerprogramme in Anspruch genommen, 10.5 Prozent die KfW-Schnellkredite. Auf die Möglichkeit der Steuerstundung beziehungsweise die Herabsetzung der Vorauszahlungen durch die Finanzverwaltung haben 73.6 Prozent der Betriebe zurückgegriffen.

Seit 10. Juli ist die Antragstellung auf Überbrückungshilfe möglich. Für ein Fazit sei es hier indes noch zu früh, teilt Zöllick mit und verweist auf die aktuelle Auswertung. Zum Zeitpunkt der Umfrage hätten erst 28.4 Prozent der Betriebe den Fixkostenzuschuss beantragt, 31.0 Prozent planen dies, 40.6 Prozent haben noch keine Hilfen beantragt. Zudem laufe die Auszahlung gerade erst an.

Angesichts der dramatischen Folgen der Corona-Krise für das Gastgewebe fordert der Dehoga bereits jetzt eine Verlängerung des Programms insbesondere für die Betriebe, die weiterhin erhebliche Umsatzeinbussen erleiden beziehungsweise noch nicht öffnen dürfen.

Gäste zeigen Verständnis

Laut den aktuellen Umfrageergebnissen teilen 89.7 Prozent der Betriebe mit, dass sie mit der Einhaltung der coronabedingten Schutz- und Hygienemassnahmen bei den Gästen auf Verständnis stiessen.

Zöllick sagt: «Es scheint allen klar zu sein, dass jeder von uns in der Verantwortung steht, eine zweite Welle zu vermeiden. Nur wenn sich Gastgeber, Mitarbeiter wie Gäste an die Corona-Auflagen halten, werden die wiedergewonnenen Freiheiten des Ausgehens und Reisens Bestand haben.»

An der Umfrage des Dehoga-Bundesverbandes zur aktuellen Lage und den Perspektiven der Branche beteiligten sich in der Zeit vom 3. bis 10. August 7200 Gastronomen und Hoteliers.

Grafik: DEHOGA


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