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20.10.2022

Es brennt an allen Ecken und Enden

Mehrere existenzgefährdende Entwicklungen

Ob an der Zapfsäule, im Supermarkt oder bei der Heizkostenabrechnung: Die steigenden Preise in fast allen Bereichen des Lebens treffen viele Menschen hart. Doch besonders im Gastgewerbe brennt es an allen Ecken und Enden. Die Herausforderungen in diesem gerade erst begonnenen Herbst sind jetzt schon riesig und sie wachsen stetig weiter. Es ist eine unkalkulierbare Gemengelage entstanden, die mit fatalen Auswirkungen droht.

Nachdem die Folgen der Pandemie die Gastronomen und Hoteliers extrem geschwächt zurückliess, schnellen nun die Kosten für Strom, Heizöl sowie Gas in ungekannte Höhen. Das Ganze kombiniert mit einer wachsenden Angst vor Versorgungslücken. Parallel dazu sind auch die Preise in den Bereichen Lebensmittel, Getränke und Logistik geradezu explodiert.

Diese Mixtur an Problemen wird angereichert, durch einen nie dagewesenen und durch Corona mitverschuldeten Fachkräftemangel. Zu guter Letzt schweben über allem noch als Damoklesschwert die Sorgen, wie in der nun kommenden kalten Jahreszeit die vorliegenden Pläne der Coronaregelungen umgesetzt werden sollen – und welche wirtschaftlichen Auswirkungen das dann zusätzlich noch hat.

«Die völlig aus dem Ruder laufenden Kosten und sinkende Umsätze führen erneut zu starken Zukunftsängsten. Die geballte Wucht dieser mehrgliedrigen Herausforderungen rollen ungebremst wie ein Tsunami auf die Branche zu. Im Vergleich dazu war die monokausale Coronakrise nur Pipifax», sagt Michael Buchna, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Saarland.

Betriebe melden extreme Kostensprünge

Am «Impulstag für die saarländische Gastronomie und Hotellerie» drehte sich alles nur um das eine Thema: Die Energiekrise! Wie geht man mit der aktuellen Situation um? Welche Weichen müssten gestellt werden, damit dem Gastgewerbe geholfen wäre? Denn die Lage und Stimmung verschlechtern sich von Tag zu Tag. Auch, weil nach und nach die neuen Abschlagsrechnungen für Strom und Gas eintrudeln.

In einer bundesweit durchgeführten Dehoga-Umfrage bangen angesichts explodierender Kosten und sinkender Umsätze rund 66 Prozent der Betriebe aufgrund der hohen Energiepreise erneut um ihre Existenz. Und laut den Angaben der Dehoga-Mitglieder wachsen die Energiekosten ab Oktober 2022 um durchschnittlich 57 Prozent, ab Januar 2023 um 98 Prozent. Deutschlandweit sehen sich die Betreiber teilweise mit einer Vervier- bis hin zu einer Verzehnfachung der Kosten konfrontiert.

«Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gaspreisbremse ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ob dies für die Unternehmen ausreichend ist, darf bezweifelt werden – zumal die Gas- und Wärmepreisbremse in vollem Umfang erst ab März und April 2023 wirken soll», erklärt Buchna.

Schon spürbar: Konsumverhalten geht zurück

Die Dehoga-Umfrage brachte ebenfalls zu Tage, dass die steigenden Lebensmittelpreise für 79.9 Prozent und die wachsenden Personalkosten für 65.2 Prozent der Betriebe neben den Rekord-Energiepreisen zu den grössten Herausforderungen der Branche gehören. Diese vielfältigen Kostenexplosionen lassen sich noch nicht einmal im Ansatz durch höhere Preise ausgleichen. Gleichzeitig haben die Gäste wiederum immer weniger Geld in der Tasche und schränken folglich ihren Konsum ein. Somit wird der Umsatz geringer.

Beide Situationen bringen selbst die Unternehmen an den Rand der Belastungsgrenze, die an sich grundsolide aufgestellt sind. Ein Teufelskreis, der schon spürbar ist: 69.1 Prozent der Befragten stellen bereits einen Rückgang der Gästezahlen aufgrund von Konsumzurückhaltung fest. Die Reservierungslage für die Monate Oktober und November 2022 sehen 59.6 Prozent als schlecht und noch schlimmer an.

«Wir spüren in den Hotels und Gaststätten eine Zurückhaltung bei Firmenveranstaltungen und Dienstreisen. Die treten nämlich auch auf die Bremse. Mal mit der Begründung Corona, mal mit dem Verweis auf interne Sparmassnahmen wegen hoher Energiekosten», weiss der Präsident des Dehoga Saarland.

Anders als von Kanzler Olaf Scholz angekündigt, sieht Buchna noch überhaupt keinen «Doppel-Wumms». Denn dieser zweifelsfrei einprägsamen Lautmalerei wohnt ein politischer Imperativ inne: Ein konkretes, schnelles und konsequentes Handeln. Doch davon ist man weit entfernt.

Michel Buchna, Präsident Dehoga Saarland

Michael Buchna vom saarländischen Hotel- und Gaststättenverbands. Dehoga Saarland / Peter Kogler


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