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01.07.2026

Ist die Arbeitslosigkeit im Gastgewerbe wirklich so hoch?

Eine differenzierte Betrachtung der Realität

Die Arbeitslosenquote im Gastgewerbe wird oft falsch interpretiert, weil die Statistik die zuletzt ausgeübte Tätigkeit erfasst – und nicht, ob jemand tatsächlich für offene Stellen in der Branche verfügbar ist. Trotz grosser Rekrutierungsbemühungen lassen sich nicht alle Stellen in den Betrieben besetzen.

Im April 2026 lag die Arbeitslosenquote im Gastgewerbe gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft bei 6.7 Prozent (ein Jahr zuvor waren es noch 6.2 Prozent). Insgesamt waren 11'596 Personen aus dem Gastgewerbe arbeitslos gemeldet. Zwar gibt es einzelne Branchen mit (in absoluten Zahlen) mehr Arbeitslosen, doch keine weist eine so hohe Quote aus wie das Gastgewerbe.

Im Durchschnitt über alle Branchen lag die Arbeitslosenquote im April 2026 bei 3.0 Prozent, ein Jahr zuvor bei 2.8 Prozent. Wie ist es möglich, dass das Gastgewerbe eine mehr als doppelt so hohe Quote hat? Das deckt sich nicht mit der Wahrnehmung in unserer Branche, da viele Unternehmer händeringend nach Fach- und Arbeitskräften suchen!

Einzig die Saisonalität vieler Betriebe lässt eine leicht überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit erwarten. Aber doch nicht 6.7 Prozent!

Man muss wissen: Die Zuordnung zum Wirtschaftszweig erfolgt über den letzten Arbeitgeber und die zuletzt ausgeübte Tätigkeit der arbeitslosen Person. Meldet sich jemand beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), gibt er an, in welcher Branche und welchem Beruf er zuletzt tätig war.

Beispiel 1: Ein junger Bauarbeiter möchte nicht mehr in der Kälte und Nässe arbeiten. Deshalb nimmt er einen Job in einem Pub an. Sein neuer Chef ist schon nach ein paar Monaten nicht mehr zufrieden und kündigt ihm. Ein Arbeitsloser im Gastgewerbe!

Beispiel 2: Eine Studentin jobbt in einem Café. Nach ihrem Studium findet sie keine passende Stelle und geht stempeln. Eine Arbeitslose im Gastgewerbe!

Beispiel 3: Ein vorläufig aufgenommener Mann erhält die Chance, als Küchenhilfe zu arbeiten. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass er aus verschiedenen Gründen nicht für den ersten Arbeitsmarkt taugt. Ein Arbeitsloser im Gastgewerbe!

Beispiel 4: Eine gelernte Hotelfachassistentin möchte nach zehn Jahren im Gastgewerbe die Branche verlassen. Sie kündigt ihren Job und sucht eine neue Tätigkeit in einem anderen Wirtschaftszweig. Eine Arbeitslose im Gastgewerbe!

Das Gastgewerbe ist ein eigentlicher Integrationsmotor und für viele Menschen eine Einstiegsbranche. Nicht alle von ihnen eignen sich jedoch für eine längere Tätigkeit in der Branche, andere möchten das Gastgewerbe beispielsweise wegen der unregelmässigen Arbeitszeiten verlassen. Oft suchen «Arbeitslose im Gastgewerbe» gar nicht nach Jobs in der Branche!

Maurus Ebneter
Präsident Wirteverband Basel-Stadt


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