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Wirteverband Basel-Stadt

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15.10.2009

Hygiene-Smileys sind nur Momentaufnahmen

Ein Schritt zurück ins Mittelalter

Konsumentenschützer schreien immer lauter nach Hygiene-Labels an Restauranttüren. Betriebe sollen die Resultate der letzten Prüfung aushängen. Beanstandungen sollen auf dem Internet publiziert werden. Wie sinnvoll sind solche Hygiene-Pranger?

Wir halten nichts davon, Restaurants öffentlich zu brandmarken und sie so dauerhaft zu schädigen. Die Kontrollen sollen nicht nur die Konsumenten schützen, sondern auch den Betreibern helfen, sich zu verbessern. Das setzt ein gewisses Vertrauensverhältnis voraus. Genau dieses Vertrauen würde durch mittelalterliche Prangermethoden zerstört.

Bei Verstössen, die die Volksgesundheit akut gefährden, können die Kontrolleure schon heute einen Betrieb schliessen oder die Benützung der Küche untersagen. Ein hartes Vorgehen gegen Schmutzfinke ist zu begrüssen. Das Smiley-Modell hingegen ist für alle Beteiligten problematisch. Ein Smiley ist nämlich ein "Alles-oder-Nichts-Zeichen", die reinste Schwarz-Weiss-Malerei.

Kein Betrieb, und ist er noch so professionell geführt, kann konstant ohne Mängel arbeiten. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Hygiene-Smileys führen dazu, dass einzelne Lokale stigmatisiert werden. Negative Dinge bleiben den Menschen nämlich lange im Gedächtnis – sogar noch dann, wenn der Betrieb die Fehler schon lange behoben hat oder unter neuer Führung ist.

Sympathischer wäre eine Positivliste, die besonders vorbildliche Betriebe führt. Doch auch hier handelt es sich stets um Momentaufnahmen, die den Konsumenten in falscher Sicherheit wiegen. Der Informationsgehalt eines Labels ist begrenzt, weil sich die Hygienesituation in beide Richtungen schnell ändern kann.

Um wirklich aussagekräftig zu sein, müssten die Hygienekontrollen – nicht nur in Restaurants, sondern beispielsweise auch in Spitälern – monatlich erfolgen. Dann müsste die Zahl der Inspektoren verzwanzigfacht werden. Eine solche Ausdehnung staatlicher Tätigkeit ist unnötig und unverhältnismässig, denn der Schutz der Volksgesundheit ist durch die bestehenden Massnahmen bestens gewährleistet. Wer soll den totalen Überwachungsstaat eigentlich bezahlen?

Unbestritten ist die Notwendigkeit einer umfassenden Hygieneschulung – in den Berufslehren, in den Wirtekursen und als laufende Weiterbildung auf allen Hierarchiestufen. Und selbstverständlich sind auch staatliche Lebensmittelkontrollen weiterhin nötig.

Wenn Restaurants öffentlich benotet werden, dann müssten Qualitätslabel für Bäckereien, Metzgereien und Supermärkte ebenfalls obligatorisch werden. Und für Ärzte und Spitäler, denn es ist davon auszugehen, dass es auch im Gesundheitwesen gute und weniger gute Anbieter gibt. Oder wie wäre es damit, Anwälte nach der Anzahl gewonnener Fälle aufzulisten?

Maurus Ebneter


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