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Wirteverband Basel-Stadt

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11.01.2010

Bio-Branche steht vor strukturellen Veränderungen

Interview mit Claus Rättich von der Nürnberger Messe Biofach

Vom 17. bis 20. Februar 2010 versammelt sich auf dem Messegelände in Nürnberg die Bio-Branche in ihrer ganzen Vielfalt: Zur BioFach, der Weltleitmesse für Bio-Produkte, und zur Vivaness, einer internationale Plattform für Naturkosmetik und Wellness, kamen zuletzt 2733 Aussteller und 46'771 Fachbesucher.

Bio bewährt sich derzeit in der Krise – und doch steht der Markt vor Herausforderungen und strukturellen Veränderungen. Im folgenden Interview versucht Claus Rättich, Mitglieder der Geschäftsleitung der NürnbergMesse, eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Herr Rättich, Sie begleiten als einer der "Macher" von BioFach und Vivaness die Entwicklung der Branche schon mehr als zehn Jahre. Was begeistert Sie besonders?

Nun, zum einen sicherlich die Tatsache: Hier haben Menschen mit einer echten Berufung einer wirklich guten Idee zum Durchbruch verholfen. Und dies in einer Art und Weise, die weltweit ihres Gleichen sucht. Das ist schon bewundernswert und beeindruckt mich sehr. Genauso wie natürlich die Aussteller selbst, mit ihrer Vielfalt an Charakteren und Produkten, ihrem Einfallsreichtum und ihrer Beharrlichkeit. Privat kaufe ich nicht ausschliesslich Bioprodukte, umso mehr nutze ich die BioFach, um mich immer wieder aufs Neue von der Einmaligkeit ökologisch erzeugter Lebensmittel begeistern zu lassen.

Was sind die wichtigsten Trends und Entwicklungen, was erwartet die Branche 2010?

Einer der wichtigen Trends der letzten Jahre liegt sicherlich in der wachsenden Bedeutung des ökologischen, sozialen und ökonomischen Zusatznutzens von Produkten wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, Fairness und soziale Verantwortung. Wir greifen diese gesellschaftlich relevanten Fragen beispielsweise mit unserem Thema des Jahres "Organic + Fair" auf. Hersteller können auf der Sonderfläche die fairen Aspekte ihres Unternehmens und ihrer Bio-Produkte in den Fokus rücken. "Organic + Fair" geben wir 2010 den gleichen Stellenwert wie sonst einem Land des Jahres. 2008 begeisterten bereits die Schwerpunktthemen Bio-Wein und Naturkosmetik die Fachbesucher.

Über viele Jahre konnte sich der internationale Bio-Markt über ein rasantes Wachstum freuen. Trotz der Wirtschaftskrise wächst der Markt weiter – wenn auch etwas langsamer. Was sind die wichtigsten strukturellen Veränderungen? Vor welchen Herausforderungen steht die Branche aktuell?

In der Tat scheint sich der Markt derzeit sehr dynamisch zu verändern. Traditionelle Strukturen brechen auf, sie stehen auf dem Prüfstand, und neue Vertriebswege etablieren sich. Die Branche ordnet sich neu. In Deutschland zeichnet sich ein Plus für den Fachhandel ab, während Discounter laut der GfK Nürnberg ein Minus von etwa 6 Prozent hinnehmen mussten. In Zeiten wie diesen scheint der Fachhandel wieder besser abzuschneiden.

Dies liegt Experten zufolge an der Kundenstruktur in diesem Handelssegment, das traditionell weniger von den Gelegenheits-, als den überzeugten Intensivkäufern frequentiert wird. Eine Herausforderung liegt auch in der Veränderung und der Dynamik der unterschiedlichen Vertriebswege. Neue, starke Marktteilnehmer bringen natürlich Bewegung in die gesamte Branche. Eine Positionierung der eigenen Marke wird für Herstellung und Handel immer wichtiger.

Auch international verändert sich der Markt für Bio-Produkte. Das stärkste Wachstum verzeichnen traditionell Europa und die USA. Voraussichtlich hinterlässt die Wirtschaftskrise in Ländern, die besonders stark betroffen sind – dazu zählen auch die USA – ihre Spuren auch in der sonst so wachstumsverwöhnten Branche.

Insgesamt beobachten wir eine kritischere Berichterstattung über Bio-Themen. Nach dem grossen Boom scheint die Öffentlichkeit den Vertrauensvorschuss, den die Branche und ihre Produkte lange bekamen, stärker zu hinterfragen. Das gilt übrigens auch für Konsumverhalten und -motivation der neu erschlossenen Bio-Zielgruppen und die öffentliche Diskussion um strategischen Konsum. Vielleicht ist das auch eine Folge des jahrelangen rasanten Wachstums.

Was bedeutet dies für die Weltleitmesse BioFach und die parallel stattfindende Vivaness?

Wir rechnen derzeit mit einer Verkleinerung des Messe-Duos BioFach und Vivaness um etwa 10 Prozent. Das haben wir uns als Veranstalter nicht gewünscht. Dennoch glaube ich, angesichts dieser Zeiten ist dies ein gutes Ergebnis.

Die internationalen Beteiligungen leiden unter dem Wegfall von staatlichen Fördergeldern für Gemeinschaftsstände. Wahrscheinlich entwickelt sich die Auslandsbeteiligung so aber auch ökonomisch nachhaltig. Internationale wie deutsche Hersteller reduzieren in Krisenzeiten ihr Marketingbudget. Manche deutsche Aussteller waren mit dem Wegfall des Sonntags nicht glücklich – ganz anders die internationalen Gäste. Wir werden natürlich alles tun, um den Samstag als letzten Messetag so attraktiv wie möglich zu gestalten. Das gilt auch für das Kongressprogramm.

Worin liegt die Bedeutung von BioFach und Vivaness für die internationale Bio-Branche?

Für uns wird immer offenkundiger: Die Kunden sehen Messen weniger vertriebsorientiert als früher. Messen sind Orte der Branchenbegegnung, dienen der Kunden- und Netzwerkpflege. Sie fördern einerseits den Verkauf, aber auch die Positionierung der Unternehmens- und Produktmarke.

Der Branche wird durch die Messe – das gilt besonders für eine Weltleitmesse – eine mediale Aufmerksamkeit zuteil, die ein einzelnes Unternehmen nie erreichen könnte. Hierin liegt auch ein wichtiger Aspekt der Funktion von BioFach und Vivaness. Sie sind Lobbyveranstaltung. Immerhin treffen sich auf dem Messe-Duo auch 1200 Medienvertreter und eine Vielzahl politischer Multiplikatoren. 2009 beispielsweise alleine 23 Minister sowie der 15-köpfige deutsche Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Bild: Nürnberg Messe / Thomas Geiger


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