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19.03.2011

Schlitteln und Schneeschuhwandern statt Ski fahren

Kronbergbahn setzt auf "sanften" Wintertourismus

Ab nächstem Winter setzt die Kronbergbahn im Appenzellerland voll auf Schlitteln, Schneeschuhwandern und Schneeplausch für die Kleinen: Ski fahren ist "out". Die Skilifte werden geschlossen. Stattdessen soll "sanfter" Wintertourismus gefördert werden.

sda. Die Rodelbahn am Kronberg ist schon ein Highlight - jetzt will die Kronbergbahn ausschliesslich in Schlitteln, Wandern und ein "Snowland" für Kinder investieren.

Die Skilifte Lauftegg und Studen werden geschlossen, wie Verwaltungsratspräsident Markus Wetter erklärte. Der Verwaltungsrat der Luftseilbahn Jakobsbad-Kronberg AG hat diesen Entscheid einstimmig gefällt. Skifahren am Kronberg sei nicht mehr gefragt. Das Verhalten der Kunden habe sich verändert.

Nicht mal mehr gratis

Schon seit zwanzig Jahren werde über den Skibetrieb diskutiert. Nicht einmal mehr Gratis-Angebote seien attraktiv genug, bedauert Wetter. Selbst mit grossen Investitionen wäre der Skibetrieb nicht zu retten. Denn: Andere Skigebiete hätten massiv aufgerüstet und beschneiten ihre Pisten.

Die Zahl der Skifahrer nahm in den vergangenen Jahren stark ab. Dafür kamen mehr Fussgänger auf den Kronberg. Das Skigebiet Kronberg verfügt über zu wenig Varianten, zu schmale Pisten und Zusatzangebote fehlen.

Die Schweizerische Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten (SKUS) würde die Anlagen nicht mehr anerkennen. Der Investitionsbedarf in den nächsten Jahren läge bei einer Million Franken, ohne Attraktivitätssteigerung.

"Wunderbare Schlittelpiste"

Jugendliche, sagt Wetter, hätten kaum mehr Interesse am Skisport: An erster Stelle stehe Schlitteln, gefolgt von Eishockey und Schneeschuhlaufen. Nur 18 Prozent einer Gewerbeschulklasse in Rorschach habe noch Lust, Ski zu fahren.

Der Entscheid schmerze, sagt Wetter, aber: "Gestorben sind die Skilifte schon lange, aber die Zeit war noch nicht reif für ihre Beerdigung." Die Zukunftsaussichten sieht er rosig: "Wir werden eine wunderbare Schlittelpiste haben. Wir sind die einzige Bergbahn, die Schlitten befördern kann."

Für die Natur seien Schlitteln und Schneeschuhwandern schonend, so Wetter. Der Kronberg liegt in einer Wildruhezone. Vor allem Schneeschuhwanderer sind allerdings laut Wildbiologen verantwortlich für enormen Stress, dem Gämsen im Winter ausgesetzt sind. Der Gämsenbestand im Alpstein ist bedroht.

Nicht begeistert

Gleitschirmflieger, Schneeschuhwanderer und Variantenskifahrer verdrängen die Gämsen in höhere, nahrungsarme Rückzugsgebiete. Markus Wetter beruhigt. Gerade Schneeschuhwanderer auf den Pisten schadeten dem Wild nicht: "Schlimm sind die, die querfeldein wandern. Die kommen nicht zu uns."

Es gingen keine Arbeitsplätze verloren, versicherte Wetter. Im Gegenteil: "Wir werden mehr Personen beschäftigen." Vor allem Bauern arbeiten bei der Kronbergbahn im Nebenverdienst. Das letzte Wort hat die Generalversammlung vom 14. Mai 2011.

Gar nicht begeistert über die Skiliftschliessungen sind Familien in der Region St. Gallen: Vor allem der Studen-Skilift war beliebt: "Weil Gonten nahe ist und es sonst nirgends derart familienfreundliche Tarife gibt. Ein Erwachsener konnte mit einer Tageskarte fünf Kinder gratis mitnehmen," sagt ein betrübter Vater.

Autorin: Margrith Widmer / sda


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