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Wirteverband Basel-Stadt

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10.03.2017

Diskussionen um Gästekarten rund um den Bodensee

Widerstand gegen digitalisiertes Angebot

In den meisten Tourismusdestinationen sind Gästekarten längst Standard. In der Ostschweiz haben solche Angebote Verspätung. Angekündigt werden nun neue Finanzierungen und zweite Anläufe. Auf der deutschen Bodenseeseite gibt es Widerstand gegen ein digitalisiertes Angebot.

sda. Es ist wie ein Reflex: Gibt es im Tourismus eine Krise, wie zuletzt im Januar 2015 mit der Aufwertung des Frankens, wird in der Ostschweiz nach der Einführung von Gästekarten gerufen.

Die Idee dahinter: Mit der kostenlosen Benutzung des öffentlichen Verkehrs durch Hotelgäste sollen die währungsbedingt hohen Zimmerpreise zumindest teilweise kompensiert werden. Solche Angebote sind zudem in den meisten Tourismusdestinationen längst Standard.

Initiative der Hoteliers

Nach verschiedenen Anläufen ergriff im Juni 2016 der Verband Hotellerie Ostschweiz die Initiative und lancierte die Gästekarte Oskar. Sie ist ab zwei Übernachtungen erhältlich, kostet die Feriengäste 10 Franken pro Tag und bietet freie Fahrt im ganzen Tarifverbund Ostwind sowie Reduktionen oder freie Eintritte für Museen und andere Attraktionen.

Der Erfolg ist bislang überschaubar: Inzwischen sind es 15 Hotels, die ihren Gästen Oskar anbieten. Finanziert wird das Angebot durch die Hotelbetriebe, die mitmachen: Sie zahlen jeweils einen Franken pro Gast und Übernachtung in eine gemeinsame Kasse ein. Die Initianten hofften beim Start allerdings auch auf Anschubfinanzierung aus den Ostwind-Kantonen.

Damit ist man nun einen Schritt weiter: Die Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Thurgau und Graubünden wollten Oskar im Rahmen eines interkantonalen Projekts der Neuen Regionalpolitik NRP bis 2019 unterstützen, erklärte Thomas Reinhard, Projektleiter Tourismus im St. Galler Amt für Wirtschaft und Arbeit, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Mittel sollen für das Marketing eingesetzt werden, präzisiert Bruno Vattioni, Leiter der Oskar-Geschäftsstelle. Man habe zuerst die strukturellen Voraussetzungen für die Unterstützung organisieren müssen. Über genaue Zahlen und geplante Aktionen werde anfangs April informiert. Danach solle Oskar "durchstarten".

Im Stadtparlament gescheitert

Ein zweites lokales Projekt, eine Gästekarte für die Stadt St. Gallen, scheiterte letzten Herbst im Stadtparlament. Das Mobility-Ticket wäre vor allem für Kongresstouristen gedacht gewesen, die in St. Gallen übernachten. Sie hätten damit den städtischen ÖV gratis nutzen können. Die Finanzierung war über eine Erhöhung der Gästetaxe vorgesehen.

Beerdigt ist die Idee allerdings noch nicht: Momentan liefen Abklärungen für einen weiteren Anlauf, bestätigte Frank Bumann, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus. Bis im Sommer oder Herbst solle klar sein, wie dieser zweite Versuch ausgestaltet ist.

Widerstand wegen Datenschutz

Ganz andere Diskussionen gibt es auf der deutschen Bodenseeseite. Dort ist das Prinzip einer Gästekarte zwar unbestritten. Allerdings hat sich gegen eine neue elektronische Variante Widerstand entwickelt. Das Angebot mit dem Namen "Echt-Bodensee-Card" (EBC), wird seit Januar 2017 schrittweise eingeführt und ist – wie etwa der SBB-Swisspass – mit einem RFID-Chip versehen.

Mit der Karte sollen Feriengäste vor allem den Nahverkehr kostenlos nutzen können. Träger sind unter anderem der Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben. Nicht dabei ist die Stadt Konstanz, die ihre eigene Karte weiterentwickeln will. Abseits steht bisher auch die Bodenseeschifffahrt.

Die Gegner kritisieren, das Handling sei zu teuer. Und weil mit dem Chip auf der Karte die Bewegungsprofile der Feriengäste aufgezeichnet werden könnten, werden Bedenken wegen des Datenschutzes geäussert.

Im Internet wurde eine Homepage mit der Adresse "echt-bodensee-card-nein-danke.de" mit dem Argumenten der Gegner aufgeschaltet und der Verein "Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen" kündigte an, sich mit einer "Normenkontrollklage", mit der die Rechtmässigkeit eines Gesetzes überprüft werden kann, gegen die zwangsweise Einführung der elektronischen Gästekarte zu wehren.


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