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22.05.2026
«Es wird mehr Kooperationen im Handel brauchen»
So sieht der Basler Stadtentwickler Lukas Ott die Innenstadt
Die Stadt ist im Wandel: Leere Geschäfte, grösserer Nutzungsdruck auf die Innenstadt, verbunden mit mehr Littering. Wie sieht Lukas Ott, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, die Situation?
Die Zentrumsfunktion von Innenstädten ist unter Druck, auch in Basel. Was sind die Ursachen für diese Entwicklung?
Jeder sieht es an sich selber: Wir bestellen immer häufiger online. Wegen des langjährig starken Frankens bleibt zudem das Einkaufen im grenznahen Ausland attraktiv und dann dürfte bei der einen oder anderen Liegenschaft auch ein hoher Mietzins dazu beitragen, dass sie länger leer bleibt.
Auch haben sich die Anforderungen an eine Innenstadt geändert. Der Konsum steht nicht mehr an erster Stelle, sondern das Erlebnis. Das verändert die Stadtnutzung. Die Anpassung der Innenstädte an diese Änderung braucht Zeit und führt unter anderem zu Baustellen im Stadtraum, aber auch bei Immobilien.
Was wissen wir über die Besuchsmotive oder die Zufriedenheit und die durchschnittlichen Ausgaben der Besucher?
Einkaufen, Freizeit und dann Unterhaltung. Das sind die Gründe und in dieser Reihenfolge, weshalb es die Menschen in die Innenstadt zieht. Im Schnitt geben Besucherinnen und Besucher etwa 150 Franken aus. Diese Zahl variiert aber sehr stark. Sind es Touristen, ist es meist mehr, sind es Menschen aus Basel und Umgebung, ist es weniger.
Wichtig ist mir die Einordnung: Die letzte umfassende Nutzerinnen- und Nutzerbefragung zur Innenstadt liegt bereits über zehn Jahre zurück, wie auch unser Monitoring «Innenstadt – Qualität im Zentrum» festhält. Eine Wiederholung dieser Befragung ist deshalb geplant. Sie wird uns aktuellere Aussagen zu Besuchsmotiven und Ausgabeverhalten liefern.
Wie können wir Basel als Ausgeh-, Shopping- und Tourismusdestination attraktiver machen?
Wir wissen aufgrund von Umfragen und Erhebungen, dass attraktive, begrünte öffentliche Räume, die vielfältig genutzt werden können, wichtig sind. Immer wichtiger werden auch Massnahmen für ein angenehmes Stadtklima, da die Tage heisser werden. Menschen über 55 wünschen sich genügend Sitzgelegenheiten, jüngere eine erlebnisreiche Innenstadt.
Passiert auch etwas in diese Richtung?
Ja, natürlich. Die Innenstadt wird Strassenzug um Strassenzug umgestaltet, es gibt mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten. Und auch beim Erlebnis bewegt sich viel.
Woran machen Sie das fest?
Wo das Gewerbe auf überbetrieblicher Ebene zusammenspannt, entstehen interessante Kooperationen. Ich denke an die Rheingasse mit dem Adventsmarkt, den künftigen Birsigbogen, in dem Gastrounternehmen prüfen, einen grossen Tisch im Freien gemeinsam zu bewirten, die Bemühungen des Vereins Pro Steinen, ihre Strasse gemeinsam attraktiver zu machen oder Basel Tourismus, das an seinem neuen Standort in der Hauptpost einen öffentlichen Ort schaffen will für Einheimische und Besucher, der sieben Tage die Woche geöffnet ist. Solche Initiativen braucht es. Strassenzüge und Plätze erhalten so eine Identität, die sie einzigartig und damit attraktiv machen.
Das sind aber alles Initiativen von privater Seite…
Das Bespielen von Plätzen und Strassen ist für mich wie die Software. Das ist tatsächlich eher die Aufgabe der Privaten, denen ich für ihre Initiativen dankbar bin. Der Kanton stellt die Hardware zur Verfügung, also eine funktionierende Infrastruktur, sinnvoll gestaltete Aussenräume, Sauberkeit und Sicherheit.
Gerade bei der Sicherheit und Sauberkeit steht Basel nicht gut da!
Das tönt für mich zu negativ. Natürlich gibt es in Basel mehr Kriminaltourismus als in der Innerschweiz. Aber Kriminaltourismus ist ein Phänomen, das alle Grenzkantone verstärkt kennen. Bei der Sauberkeit ist das so eine Sache: Laufe ich durch die Stadt und sehe innerhalb einer Stunde zwei übervolle Abfallkübel und einen Dreckhaufen, habe ich das Gefühl, Basel sei schmutziger geworden.
Also ist Basel nicht schmutziger geworden?
Tatsache ist, und das soll man wissen: Die Innenstadt wird täglich gereinigt, Aussenquartiere immer werktags. Schmierereien werden nach Möglichkeit innerhalb von 48 Stunden entfernt, die Kosten dafür trägt weitgehend der Kanton, auch bei privaten Liegenschaften. Aber ja, die Leute nutzen den Aussenraum stärker als früher, geben weniger Sorge dazu.
Der Detailhandel ist stark unter Druck. Wir sehen das an den vielen Leerständen, auch in der Innenstadt. Hat der Handel überhaupt noch eine Zukunft?
Laut Studien und Untersuchungen ganz klar: Ja. Unser Monitoring zeigt aber auch die Dynamik des Strukturwandels: In der Basler Innenstadt gab es 2023 noch 538 Detailhandelsgeschäfte – das sind 9.1 Prozent weniger als 2019. Den stärksten Rückgang verzeichnete der Bereich Uhren und Schmuck (minus 17.9%), zugelegt hat einzig der Bereich «Waren verschiedener Art», also die sogenannten Concept Stores (+8.6%).
Auch wird der Detailhandel vermutlich anders daherkommen als heute. Es wird mehr Kooperationen unter den Akteuren brauchen. Man bespielt nicht mehr nur ein Geschäft, sondern immer mehr einen Raum. Grosse Geschäfte werden im Innern mehr Erlebnisse bieten, kleinere machen das, in dem sie sich zusammenschliessen und eine Art Erlebnisräume schaffen.
Bis es so weit ist, bleiben die schwarzen Löcher der leeren Läden?
Diese Leerstände sind teilweise notwendig, um Immobilien zu renovieren und die Infrastruktur an die heutigen Anforderungen anzupassen. Wir werden daher noch einige Wechsel erleben, aber auch etliche neue Ladenkonzepte sehen.
Dann haben wir seit 2021 den Stadtbelebungsfonds, der für kreative Projekte gerne Hand bietet. Dieser Fonds wurde 2021 mit insgesamt 6 Millionen Franken bis 2030 dotiert und soll genau solche Projekte unterstützen, die die Innenstadt als attraktiven Ausgeh-, Shopping- und Tourismusstandort stärken.
- Innenstädte verlieren immer mehr Non-Food-Läden
- Innenstadt im Wandel: Basel muss sich aufrappeln!
- 6 Millionen Franken zur Belebung der Innenstadt
Lukas Ott: «Die Anforderungen an eine Innenstadt geändert.» Bild: Roland Schmid
Dossiers: Detailhandel | Stadtentwicklung
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