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Wirteverband Basel-Stadt

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29.06.2015

Sich vom eigenen System lösen

Meta-Search "OpenBooking": vom Erfolg und von wachsender Zufriedenheit

Meta-Search-System statt eigenes Portal, darauf setzt die Destination Zermatt-Matterhorn. Langsam etabliert, finden sich sowohl Befürworter als auch Kritiker.

Vor zwei Wochen ist ein politischer Vorstoss gescheitert, eine schweizweite "kommissionfreie Buchungsplattform" einzuführen. Obschon der Ruf nach einer solchen immer lauter wird. Die Konsequenz: Die Hoteliers und Destinationen müssen weiterhin selbst nach Mitteln und Wegen suchen, um im Dschungel der zunehmenden Digitalisierung zu überleben. Doch muss es zwingend eine eigene Plattform sein? Diese Frage hat sich die Destination Zermatt-Matterhorn gestellt und vor gut einem Jahr die Meta-Search-Plattform OpenBooking lanciert. Nach dem Motto: Es ist eleganter, sich von den anderen Systemen zu bedienen, als sie zu konkurrieren.

Meta-Search-Plattformen sind noch relativ jung und dienen dazu, dass sie eine Suchanfrage an mehrere andere Suchmaschinen gleichzeitig weiterleiten, die Ergebnisse sammeln und aufbereiten. Im Kontext der Buchungsmaschinen bedeutet das, dass via OpenBooking die Informationen verschiedener Buchungsportale zusammengefasst und übersichtlich präsentiert werden.

Derzeit noch kaum in der Schweiz genutzt, ist Kurdirektor Daniel Luggen von der Destination Zermatt-Matterhorn überzeugt, dass ihre Anzahl künftig noch zunehmen wird. Denn auch bei ihnen habe es etwas länger gedauert, bis sie sich dafür entschieden hätten. "Wir haben etliche Systeme evaluiert und dabei festgestellt, dass jedes Vorteile, aber alle das gleiche Handicap haben: Sie funktionieren nur, wenn die Daten im System gepflegt werden", erklärt Luggen. Diese Mutationen würden jeweils viel Zeit in Anspruch nehmen und leider sei es so, dass Dritt-Systeme wie Booking.com und Co. besser gepflegt und mit attraktiveren Konditionen ausgestattet seien als die Destinations-Systeme.

Die Lösung: den Spiess umdrehen. "Mit der Meta-Search OpenBooking holen wir das Angebot des Beherbergers dort ab, wo es am besten gepflegt ist, und stellen es kundenfreundlich auf unserer Website dar. Damit ist praktisch die ganze Bettenkapazität der Destination zu den besten Konditionen online buchbar", erzählt Luggen. Heute vom System überzeugt, war es für ihn rückblickend nicht einfach, diesen Weg zu gehen. Loslassen vom eigenen System, das habe schon Überwindung, Mut und vor allem Überzeugungskraft gekostet. "Denn gibt man alles aus der Hand, kommt unweigerlich die Frage der Daseinsberechtigung."

Zudem gehe es auch um Daten und das CRM: bei einem eigenen System sei man Herr über die Daten – "bei einer Lösung wie OpenBooking gehören die Daten den verschiedenen Buchungskanälen. Wir haben da jedoch so verhandelt, dass wir Zugriff auf die Daten haben", sagt Luggen. Ist die mentale Hürde geschafft, bleibt somit nur noch die technische. Diese sei relativ tief, wie Luggen bestätigt. So könne ein System wie OpenBooking von anderen Destinationen, aber auch von regionalen und überregionalen Institutionen ohne Problem genutzt werden. Überhaupt: "Das System wäre beispielsweise perfekt für Schweiz Tourismus."

Begeisterung auf Seiten der Zermatter OpenBooking-Initianten, aber wie sehen es die Beherberger vor Ort? Insbesondere da Luggen und sein Team anfänglich mit ihrem Meta-Search-System in der Kritik standen. Nachgefragt meint Gastgeber Hans-Jörg Walther vom Riffelalp Resort: "OpenBooking deckt alle gewünschten Anbieter ab, das Angebot ist in der Breite umfassend und somit komplett."

Auch Gastgeber Florian Julen vom Hotel La Couronne findet das System gut, weil es mehr Buchungen bringe. "Der Grund ist einfach", sagt Julen, "durch die Meta Search hat Zermatt Tourismus wirklich alle verfügbaren Zimmer im Verkauf. Dies im Gegensatz zu früher, als wir nur einen Teil weitergaben, um beispielweise Überbuchungen zu vermeiden".

Auch die manuelle Eingabe von Restriktionen, Inhalten et cetera seien früher nicht förderlich in der Daten-Pflege gewesen. Ohne "gute" Daten gebe es nur sehr wenige Buchungen und damit versinke die Motivation der Pflege in den Keller. "Man könnte von einem Teufelskreis sprechen", meint Julen. Positiv findet er zudem die Automatisierung. "Wir kümmern uns um unsere Daten zentral im CRS und haben die Gewissheit, dass alle Daten auf OpenBooking stimmen." In den letzten zwölf Monaten hätte es keine einzige Überbuchung gegeben, obwohl "last room availability" zur Verfügung stand.

Positiv nach einem Jahr OpenBooking zeigt sich auch Roland Schegg vom Institut für Tourismus HES-SO Valais-Wallis. "Zermatt bringt hier eine Innovation: 'All in One'-Beherbergungssuche und der Prozess bringen dem Kunden eindeutig einen Vorteil." Zudem könne das System dazu führen, dass man langfristig wieder Kunden zurückgewinne. Zu einer völligen Trendwende werde es aber wahrscheinlich nicht führen, relativiert er zwar, aber es sei ein kluger Schritt in die richtige Richtung.

Ganz kritikfrei bleibt OpenBooking aber nicht, denn auch in Zermatt gibt es Beherberger, die lieber eine eigene Plattform gehabt hätten als ein Meta-Search – insbesondere da durch dieses System die Kommissionen weiterhin an die Portale fliessen und das Pflegesystem stellenweise noch nicht ideal sei.

Entgegen aller Kritik wird Zermatt mit OpenBooking weiterfahren. Eine eigene Buchungsplattform ist nicht geplant. Indes sei die digitale Transformation noch nicht abgeschlossen. So möchte Luggen die Destination mit Instrumenten wie dem "e-Concierge" und dem kooperativen "e-CRM" weiterbringen. Zudem werde ein "e-Fitnessprogramm" für die Leistungsträger vor Ort lanciert "Wir sind überzeugt, dass es nicht reicht, wenn sich nur die Tourismusorganisation in den neuen Technologien weiter entwickelt."

Christine Bachmann / GastroJournal



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