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Wirteverband Basel-Stadt

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20.10.2008

Kochsendungen am Fernsehen

Zeremonienmeister einer unerreichbaren Welt

Während Köche wie Lafer und Mälzer die Bildschirme immer mehr dominieren, nehmen gleichzeitig die Kenntnisse über Nahrung und ihre Zubereitung in erschreckendem Masse ab. Das Medium Fernsehen richtet sich stark an soziale Gruppen, die lediglich ahnen, dass es einen verfeinerten Essstil gibt.

Laut gebuehrenstop.de wird alleine auf öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland 53 Stunden pro Woche gekocht. Jeder fünfte Bürger schaue mindestens zwei Mal pro Woche eine Kochsendung, stellt das Forsa-Institut fest. Der Zuschauerzuspruch ist also gross und weil die Sendungen vergleichsweise sehr günstig zu produzieren sind, erhalten die TV-Köche so viel Sendeplatz. Der Literaturpapst Reich-Ranicki hatte also recht, als er in einem Interview über die Qualität des Fernsehens sagte: "Und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche!"

Der Psychologe Stephan Grünewald sieht den Boom des Kochfernsehens als Indiz der Suche nach Sinnlichkeit. Ob man das Vorgekochte tatsächlich nachahme, sei nicht entscheidend, denn allein das Zuschauen bereite sinnlichen Genuss. TV-Koch Johann Lafer liefert eine ähnliche Erklärung: "Wenn jemand auf dem Bildschirm kocht, hat das etwas von Ersatzbefriedigung."

Es geht nicht nur um praktische Informationen zur Nahrungszubereitung. Die Soziologin Eva Balösius hegt den Verdacht, dass vorgeführt wird, wie man zu leben habe. Das Phäonomen der Kochsendungen sei nicht trennen vom Diskurs darüber, dass in bestimmten sozialen Schichten nicht mehr gekocht wird. Letzlich geben Fernsehköche Einblicke in eine Welt, die für viele unerreichbar geworden ist.

Jean-Claude Kaufmann stellt in seinem Buch "Kochende Leidenschaft” die These auf, Verwandtschaft entstehe wie zu Urzeiten immer noch durch das Essen aus einer gemeinsamen Suppenschüssel. Auch im Fernsehen kochen und essen meist mehrere Köche und Prominente gemeinsam. Und dabei schauen ihnen Millionen Menschen als televisuelle Tischgemeinschaft zu. Statt einfach selbst mit ihrer Familie zu kochen.

Man mag von TV-Köchen halten, was man will, doch sie tragen stark dazu bei, dass der Berufsstand an Wertschätzung gewinnt (das gilt leider weniger für die meist weiblichen Alltagsköche, deren Tätigkeit als simple Nahrungserzeugung betrachtet wird).


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