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Wirteverband Basel-Stadt

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05.11.2009

Als die Disco laufen lernte

Die Geschichte der Diskotheken in Deutschland

Die beliebteste Tanz- und Partyinstitution der Deutschen blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist zu einem bedeutenden Teil der Jugendkultur geworden. Eingeläutet wurde die legendäre Disco-Ära im Jahr 1959 mit der Umwandlung des Speiselokals "Scotch Club" in Aachen in die erste Diskothek Deutschlands. Nach dem Vorbild der Radiomoderatoren, wie z.B. Chris Howland, gab es hier den ersten moderierenden Discjockey, der mit lockeren Sprüchen zwischen den einzelnen Musikstücken die Gäste unterhielt.

Der Journalist Klaus Quirini sollte eigentlich nur über die Neueröffnung berichten, bei der am ersten Abend zunächst ein Opernsänger mit allerdings mässigem Erfolg die Platten auflegte. So versuchte der 19-jährige Quirini selbst, die Discobesucher zu animieren mit dem Ziel, mehr zu bieten, als kommentarloses Plattenauflegen.

Die schwierige Aufgabe bestand darin, die Musik von der Platte "lebendig" zu machen. Bereits mit seiner ersten Ansage löste er Begeisterungsstürme bei den Gästen aus: "Meine Damen und Herren, wir krempeln die Hosenbeine hoch und lassen Wasser in den Saal, denn ein Schiff wird kommen mit Lale Andersen". In den folgenden Jahren legte Quirini unter dem Namen "DJ Heinrich" regelmässig im Scotch-Club auf.

Auch der spätere Fernseh-Moderator Max Schautzer liess dort eine Zeit lang die Plattenteller rotieren. Zunächst von vielen Seiten belächelt, entstanden nach diesem Vorbild Anfang der 60er-Jahre weitere Discotheken in ganz Deutschland. Zur Musik der Beach Boys, Louis Armstrong oder den Beatles wurde getanzt und gefeiert. Die Discothek löste nach und nach die klassischen Tanzlokale ab, in denen zuvor Live-Bands und Tanzkapellen für Stimmung gesorgt hatten.

Licht aus – Spot an!

Mit Ilja Richters TV-Kultsendung "disco" im Jahre 1971 setzte auch der grosse Run auf die Clubs und Discotheken in Deutschland ein. "Licht aus - Spot an" war ab sofort das Motto der Discoszene. Die Branche hatte nun ein unterstützendes Medium und entwickelte sich fortan flächendeckend in einem atemberaubenden Tempo weiter. Der typische und vor allem tanzbare Disco-Sound war erfunden und fand durch Radio und Fernsehen zusätzliche Mainstream-Plattformen.

Mitte der 70er-Jahre waren erste Disco-Hits bereits in den Charts. Welche Titel? Zum Beispiel "Kung Fu Fighting", "Shame, Shame, Shame" oder "Waterloo". 1976 begann dann der Siegeszug der Gruppe "Boney M". In dieser Form bis heute einmalig hatte Frank Farian die erste Glamour-Pop-Disco-Band erschaffen. Die Hits sind bis heute unvergessen. Der Disco-Beat war erfunden und hatte massgeblichen Einfluss auf die internationale Musikszene.

Spätestens mit dem weltweit erfolgreichen Kino-Hit "Saturday Night Fever", dem unverwechselbaren Discosound der Bee Gees und den eleganten Hüftschwüngen John Travoltas gelang auch den Diskotheken der endgültige Durchbruch. Der Film-Klassiker löste eine weltweite "Discowelle" aus, die sich in der Musik, der Mode und dem Lebensstil der Jugendlichen widerspiegelte. Glitzerpaläste mit der unverwechselbaren Discokugel schossen wie Pilze aus dem Boden und zogen immer mehr Gäste in ihren Bann.

Depeche Mode, Duran Duran und NDW locken in die Tanztempel

Mit Beginn der 80er-Jahre wurde die Hoch-Zeit der Discotheken eingeläutet. Raider hiess nun Twix und den TV-Kultsendungen "disco" und "Musikladen" folgte die Musikvideosendung "Formel Eins". In dieser Zeit dominierte der Spass an der Musik, der Spass am Tanzen und der Spass an der Disco!

In den 80er-Jahren erlebte die Disco einen wahren Boom. Es entstanden in Deutschland gigantische Discos in einer bis dato unvorstellbaren Grösse. Die Spassgeneration der 80er-Jahre strömte in die Glitzerpaläste und Tanztempel der Republik. Grossraum-Diskotheken schossen wie Pilze aus dem Boden und die Branche begann sich immer mehr zu professionalisieren.

Schnell wuchsen die Ansprüche der feiernden Massen und so eiferten die Diskotheken mit immer besseren Lichteffekten, beeindruckenden Laserprojektionen und faszinierenden Soundeffekten um die Gunst der Gäste. Musikvideoclips hielten Einzug in die Branche. Die Technikentwicklung verlief in den 80er-Jahren so rasant wie in keiner anderen Epoche der 50-jährigen Disco-Geschichte. Dieser Boom verwandelte die Discotheken in multifunktionale Entertainmentcenter und legte auch den Grundstein für die heutigen Clubs in all ihren Variationen.

Getanzt wurde sowohl zu Depeche Mode und Alphaville, als auch zum "King of Pop" Michael Jackson, der mit "Thriller" einen der grössten Hits der 80er landete. Daneben entstand in Deutschland mit der "Neuen Deutschen Welle", der deutschen Variante des Punk und New Wave, eine musikalische Beschreibung des damaligen Lebensgefühls, die ihre Zeit prägte wie keine andere Musiksparte. Nenas internationaler Charterfolg "99 Luftballons" verlieh der deutschen Popmusik ein völlig neues Selbstbewusstsein. Weitere bekannte NDW-Hits waren "Da da da" von Trio, "Der Kommissar" von Falco oder Peter Schillings "Major Tom".

Technobeats, Girlie-Style und tanzbare Sommerhits

Die 90er-Jahre wurden mit einem Ereignis eingeläutet, an das schon niemand mehr zu glauben gewagt hatte: die Wiedervereinigung. Von da an vereinten sich Ost und West auf den Dancefloors. Die Loveparade wurde zur Massenkultur; auf ihr wurde in der vibrierenden Masse das Gemeinschaftsgefühl zelebriert.

In den 90er-Jahren vollzog sich eine Veränderung in den Diskotheken: Hatte man zuvor eher zu Rock- und Popmusik abgetanzt, brachten nun harte Beats und elektronisch klingende Rhythmen die Massen zum Schwitzen. Der in der deutschen Discoszene entwickelte Technosound prägte diese Zeit und sorgte weltweit für Furore.

Die Loveparade als Zeichen einer jungen Spassgeneration brachte Neonfarben, Plateauschuhe und knallige Frotteoutfits für ein neues Lebensgefühl mit sich. Galionsfiguren der elektronischen Tanzmusik wie Dr. Motte, Sven Väth oder Marusha mit ihrem Markenzeichen der grün gefärbten Augenbrauen, aber auch Scooter mit ihrem eindringlichen "Hyper Hyper" trieben die Gäste auf den Dancefloors zur Extase.

Daneben wurde durch Girlbands wie den Spice Girls das letzte Schulterpolster verabschiedet und der Weg zu wieder körperbetontem Style beschritten. Das war die Geburtsstunde des sogenannten Girlie-Looks. Von da an sah man in den Discos nicht selten bauchfreie Tops und gepiercte Bauchnabel aufblitzen.

Nicht wegzudenken aus dem kollektiven Gedächtnis sind ausserdem Sommerhits wie Mambo No. 5 oder Macarena. Diesen Ohrwürmern mit lateinamerikanischem Flair und mit eigens entworfenem Tanz konnte sich wirklich niemand entziehen. Ebenso unvergessen bleibt natürlich der von den Fans als "King of Dance" bezeichnete und heute immer noch sehr erfolgreiche DJ Bobo, der mit zahlreichen Welthits im Eurodance-Stil, wie "There is a Party" oder "Freedom" diese Zeit entscheidend mitbestimmte.

Auch die Diskothekenlandschaft veränderte sich. Es entstanden multifunktionale Entertainmentcenter mit mehreren, abgetrennten Dancefloors, um zeitgleich verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Im Gegenzug dazu entwickelte sich eine ausgeprägte Clublandschaft, in der fast jede gesellschaftliche Facette und eine Vielfalt von Musikrichtungen eine Plattform fand.

Feriengefühle und Musik vom Laptop

Mit dem Jahrhundertsommer 2003 etablierte sich ein weiterer Trend in der Discoszene: Bedingt durch die hohen Temperaturen kam es zum bis heute ungebrochenen Hype der Disco auf künstlichem Sandstrand, dem sogenannten Beach-Club, der ein Stück südländisches Urlaubsgefühl vermittelt.

Heute ist das Musikspektrum in den Diskotheken Deutschlands vielfältig: von Black Music, R'n'B und Hip Hop über Pop und Rock bis hin zu Techno, Elektro und House – hier findet jeder etwas für seinen Geschmack. Auch deutsche Schlager und Partymusik erfreuen sich immer noch grosser Beliebtheit.

Die Songs kommen dabei oft nicht mehr von Platten oder CDs, sondern zeitgemäss vom Laptop. Die moderne Technik bietet dem DJ heutzutage viele individuelle Möglichkeiten der Musikpräsentation. Die Songs können direkt ineinander übergehen oder zusammengemischt werden.

Die Technik und auch die Art der Musikdarstellung mögen sich in den vergangenen fünfzig Jahren verändert haben. Geblieben ist jedoch die Euphorie der feierfreudigen Gäste, die es seit 1959 ununterbrochen in die Clubs und Discotheken zieht. Tanzen und Flirten, Erlebnis und Vergnügen, Geselligkeit und Kommunikation – dafür stehen die heutigen Discotheken, die sich im Laufe der Jahre von reinen Tanzlokalen zu multifunktionalen, innovativen Entertainmentcentern entwickelt haben.


 

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