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Wirteverband Basel-Stadt

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22.02.2013

Pferdefleisch aufs Etikett

Skandal mit altbekannten Mustern

Diesmal also Pferdefleisch in Lasagne, das darin wohl kaum jemand erwartet hätte. Fast scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis ein neuer skandalträchtiger Missstand in der Lebensmittelkette die Gemüter aufrüttelt. Um dann nach einer Welle der Empörung und endloser Diskussionsrunden, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack – wie fast schon gewohnt. Und das nur sprichwörtlich.

Das jüngste Beispiel von Verbrauchertäuschung aufgrund falscher Deklaration erinnert unweigerlich an den als "Gammelfleisch-Skandal" titulierten Handel mit Fleisch, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war. Denn es geht wieder um Fleisch, um Falschdeklaration, hinter der offensichtlich kriminelles Handeln steckt.

Die realen Risiken für die Gesundheit waren und sind in beiden Fällen gering. So hat es seinerzeit – anders als etwa beim EHEC-Geschehen im Jahr 2011 oder auch im Falle der mit Noroviren belasteten Tiefkühl-Erdbeeren im Jahr 2012 – in der Bevölkerung keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen gegeben, die nachweislich mit dem umdeklarierten Fleisch hätten in Verbindung gebracht werden können.

Ähnlich die Situation jetzt: Zwar liess sich bis dato in einzelnen Pferdefleischproben tatsächlich das EU-weit für lebensmittelliefernden Tiere nicht zugelassene Medikament Phenylbutazon nachweisen. Doch besteht auch damit bei nüchterner Betrachtung bislang keine unmittelbare Gefahr für die Verbrauchergesundheit.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Pferdefleisch an sich zum Beispiel in Deutschland und Italien regional und traditionell als Delikatesse geschätzt wird, vorausgesetzt es stammt von Pferden, die tatsächlich für die Fleischgewinnung bestimmt sind.

Das aber lässt den aktuell zu beklagenden Missstand keineswegs in einem positiveren Licht erscheinen. Schliesslich geht es um Betrug. Und es mag mehr Zufall als Kalkül der Verantwortlichen sein, dass mit dem Vertrieb falsch deklarierter Ware keinerlei gesundheitliche Einbussen für die Bevölkerung verbunden sind.

Und eben das ist es, was den Verbraucher bei jedem Lebensmittelskandal aufs Neue aufschrecken und letztlich wohl verzweifeln lässt: die Unwissenheit und die damit verbundene Machtlosigkeit. Auch in Bezug darauf, durch eigenes, verantwortliches Handeln Einfluss nehmen zu können. Bei Lieferantenketten, die sich wie im aktuellen Fall von Luxemburg über Zypern, die Niederlande bis nach Rumänien und schliesslich auch nach Deutschland erstrecken, verwundert es eigentlich kaum noch, dass der Letzte in der Lieferkette mitunter nicht das bekommt, was er erwartet.

Und wie leicht es offenbar ist, Lieferscheine, Etiketten und letztlich auch Qualitäts- und Analysenzertifikate zu fälschen, dafür stehen die Missstände um den Handel mit Fleisch der vergangenen Jahre beispielhaft Pate.

Die nun von einigen Seiten geforderten erweiterten Kennzeichnungspflichten, etwa zur Herkunft, dürften hier kaum helfen. Denn wer die geltenden Kennzeichnungsregeln bricht, wird auch neue unberücksichtigt lassen. Ganz genauso, wie die unzähligen anderen lebensmittelrechtlichen Sorgfaltspflichten. Darunter die Unternehmerverantwortung oder die Pflicht zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit, die seit 2005 nach der europäischen Lebensmittel-Basisverordnung für jedes Lebensmittelunternehmen gilt.

Vielversprechender erscheinen da verstärkte Kontrollen – und zwar insbesondere von behördlicher Seite. Das aber kostet und würde zudem das schwindende Vertrauen der Verbraucher in die Lebensmittelindustrie kaum fördern. Dieses zurück zu gewinnen wiederum ist eine echte Herausforderung, die sich nicht allein dadurch bewältigen lässt, immer wieder unisono zu bekunden, dass die Sicherheit und Qualität des Lebensmittelangebots innerhalb Europas nie so gut war wie heute.

Das nämlich ist nur die halbe Wahrheit: So haben sich Teile der Branche – Hersteller und Händler gleichermassen – im Wettbewerb um den günstigsten Preis bei scheinbar guter Qualität in eine zunehmend absurd erscheinende Produktionsweise von Lebensmitteln manövriert, deren tatsächliche Qualität und Sicherheit kaum noch kontrollierbar ist.

Ein Ruf nach mehr Kontrollen ist ebenso nicht neu. Schon seit Jahren weisen die Verbände der Lebensmittelkontrolleure auf zunehmende Aufgaben und schwindendes Personal hin. Gleichzeitig wohlgemerkt.

Dass Lebensmittelkontrollen – dem Föderalismus sei Dank – noch immer auf Ebene der Bundesländer, teils kommunal geregelt sind, dürfte die Sache nicht vereinfachen. Die Frage bleibt: Wie soll eine lokale Kontrolle bei globaler Verflechtung internationaler Unternehmen effektiv aussehen? Es bleibt abzuwarten, ob dem Ruf nach mehr Kontrollen und härteren Strafen auch tatsächlich mehr Vertrauen bei den Verbrauchern folgt.

Autoren: Dr. Christina Rempe, Harald Seitz / aid


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