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Wirteverband Basel-Stadt

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26.06.2014

Supermärkte auf der grünen Wiese ein Auslaufmodell?

Nähe und emotionale Bindung werden wichtiger beim Einkauf

In Südkorea gibt es virtuelle Einkaufstheken in U-Bahnstationen: Das Sortiment ist an den Wänden abgebildet, wird per QR-Code erfasst und wenn der Kunde abends nach Hause kommt, ist der Einkauf auch schon da.

In der Schweiz bietet eine Supermarktkette einen Bringservice – der Einkauf kommt per Elektrofahrradtaxi vor die Haustüre oder ein freundlicher Nachbar bringt die Ware mit (Mitfahrgelegenheit für den Einkauf).

Oder ist gar das Ausdrucken eines Lebensmittels im 3-D-Drucker denkbar? Wie wird sich der Lebensmittelhandel wandeln, wie werden wir morgen einkaufen? Diesen Fragen ging Karen Ferdinand von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft anlässlich der Tiefkühltagung 2014 nach, die kürzlich in Dresden stattfand.

Die Kernkompetenzen des Lebensmitteleinzelhandels sind laut Ferdinand die Logistikleistung, die Bündelung (alles aus einer Hand, maximale Sortimente), die Kundennähe und die Kundenbindung (emotionale Beziehung, dauerhafte Akzeptanz zwischen Käufer und Verkäufer), die Produktkenntnis und die Produktauswahl.

Die Triebkräfte des Wandels im Handel sind zum Beispiel der demographischer Wandel, die Energiepreise und die Auswirkungen auf die individuelle Mobilität und der Wandel der Wertschätzung von Essen und Ernährung. Dazu kommen noch technologische Entwicklungen, wie die Entkopplung von Auswahl, Bezahlung und Lieferung.

Karen Ferdinand sieht aktuell vier Markttypen:

"All Mart", der Vollsortimenter, der eine uneingeschränkte individuelle Mobilität voraussetzt und eine hohe emotionale Präferenz für den physischen Einkauf im Laden hat

"Small Mart", gewissermassen "Tante Emma 2.0". Die Geschäfte liegen zentral und sind leicht zu erreichen. Dieser Geschäftstyp wird bei eingeschränkter individueller Mobilität präferiert und bei hoher Wertschätzung sozialer Kontakte.

"Call Mart", die Online-Food-Welt. Hohe Mobilität und niedrige Logistikkosten treffen auf hohe Affinität zu neuen Technologien.

"Smart Mart", Shopping- und Formatvielfalt um die Ecke. Ausgeprägte online- und technologie-affinine Kunden nehmen ihre individualisierten Produkte an Einkaufs- oder Abholstellen selber in Empfang; bei eingeschränkter individueller Mobilität und hohen Logistikkosten.

Daraus ergeben sich laut der Expertin die Perspektiven für den Lebensmitteleinzelhandel. Zum einen kommt es zu einer Entwertung bestehender und einem Entstehen neuer Kompetenzprofile sowie dem Eintritt neuer Wettbewerber in den Handel.

Und der "Hunger nach Sozialität" steigt: Der Lebensmitteleinzelhandel der Zukunft wird sozialer und stellt den individuellen Kunden in den Mittelpunkt. Nicht zuletzt nehme das Vertrauen in neue benutzerbezogene Technologien zu und beschleunige so die Entwicklungen im Handel.

Was ist letztlich die Quintessenz dieser Tendenzen für den Lebensmitteleinzelhandel und die Zukunft des Einkaufens in zehn Jahren? Die Marktforscherin stellt folgende Thesen auf:

1. Der Online-Anteil im Food-Markt wird moderat bleiben. Die Bedürfnisse nach Verfügbarkeit und Spontaneität überwiegen.

2. Der Wunsch nach "sicheren" und authentischen Nahrungsmitteln steigt. Biolieferdienste und die Produktion direkt im Laden sind erfolgsversprechende Lösungen.

3. Lebensmittel in der Nähe des Wohn- und Arbeitsorts und zu (fast) jeder Zeit einkaufen zu können, wird noch wichtiger.

4. Der Hypermarkt steht vor dem langsamen Abstieg; Online-Kanäle, immer teurere Mobilität und der Trend zu urbanem Wohnen sprechen gegen große Einkaufszentren auf der grünen Wiese.

5. Im Handel wird das Sortiment zum Direktverzehr ausgebaut, umgekehrt bieten Gastronomen ausgewählte Lebensmittel zum Kauf an.

6. Standardisierte Produkte wandern in die Online-Welt ab, in den Läden werden Flächen für Spezialitäten-Shops mit Naturprodukten frei.

7. Das Angebot "gesunder" Produkte wird für den Lebensmitteleinzelhandel immer wichtiger.

8. Emotion ist der stärkste Wettbewerbsvorteil. Erlebnisse und Kontakte entsprechen den Bedürfnissen der Kunden.

Rüdiger Lobitz / aid


 

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