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08.08.2021

Corona ist nicht immer schuld

Ein polemischer Einwurf

Viele Gastgeberinnen und Gastgeber sind durch die nun schon mehr als anderthalb Jahre dauernde Pandemie schwer getroffen. Lange Lockdowns, dann Teilöffnungen unter haarsträubenden Bedingungen unter den Augen schikanöser Kontrolleure – all das geht an die Substanz, finanziell wie mental. Trotzdem sei dieser bewusst polemische Einwurf gewagt: Nicht für alles kann Corona verantwortlich gemacht werden – allzu oft ist auch der Wirt, die Wirtin schlicht selbst schuld, wenn Gäste wegbleiben und der Umsatz fehlt.

Manchmal bleibt selbst einem «Schnuuri» wie mir sprachlos der Mund offen. Da möchte ich mit meiner Partnerin am letzten Tag vor dem ersten Lockdown nochmals so richtig den Ausgang geniessen und überlege mir, welche Beiz wohl noch eine richtige Umsatzspritze gebrauchen könnte. Dann die Wahl getroffen, zum Telefon gegriffen… und nur noch gestaunt: «Nein, auf 20.30 Uhr können Sie nicht zum Nachtessen reservieren, denn wir schliessen am Montag immer um 22 Uhr.» Mein Einwand, heute sei noch Ausschank bis Mitternacht gestattet und danach wohl lange genug ganz geschlossen, prallt an Verständnislosigkeit ab. Dabei hätte man bis Mitternacht noch einige Biere verkaufen können, statt das angebrochene Fass dann irgendwann wegzukippen.

Dafür erreichen einen dann nach einigen Wochen Lockdown Hilfeschreie, man solle doch an Solidaritätsaktionen mitmachen, Gutscheine kaufen, die einen später zu einem feinen Essen ebenso berechtigen würden wie zu einem mit Ehrenplakette markierten Stuhl. Nun, man hat Mitleid und macht halt trotzdem mit – und wundert sich dann schon nicht mehr, dass man nicht die kleineste Dankeskarte erhält und bis heute keine Sitzgelegenheit dort meinen Namen trägt.

Aus dem Sich-Wundern wird nach Ende des Lockdowns veritabler Ärger, wenn man nun die Freuden der Gastronomie wieder geniessen und den Lieblingsbeizen endlich etwas Umsatz verschaffen will. Allzu viele Gastgeber nützen die Pandemie als Ausrede für alles Fehlende, schief Gehende oder – sorry – als Verschleierung der eigenen Bequemlichkeit.

Ein Beispiel aus der Grossbasler Innerstadt gefällig? Wir möchten die immer so geschätzte kulinarische «Rundreise durch die hauseigenen Spezialitäten», die aber mit der Begründung «es isch Corona» gestrichen ist. Die einzelnen Bestandteile sind aber durchaus noch zu haben, natürlich zu entsprechend höheren (Einzel-)Preisen. Sorry, lieber Wirt, Corona greift die Lunge an, nicht das Hirn – rechnen kann ich immer noch…

Richtig ungemütlich wird es auch, wenn sich nach dem Lockdown ungefragt Gastgeber/innen an den Tisch setzen und ellenlang über ihr trauriges Schicksal klagen. Ich bin zwar auch deshalb da, um ihnen mit meinen Konsumationen über die Runden zu helfen, bin aber kein Gratis-Psychologe und will nicht durch unendliches Wehklagen am Genuss gehindert werden.

Eine Ausnahme soll hier erwähnt und damit als einzige Beiz namentlich erwähnt werden: der «Löwenzorn». Die beiden wirtenden Brüder beklagen sich nie, sondern begrüssen jeden Gast voller Freude und auch einer gewissen Dankbarkeit. «Klagen nützt nichts, wir schauen nach vorn,» ist ihr Motto. Könnte man das weitergeben?

Ach ja, dass ein, zwei Wochen nach dem Lockdown Baizen bereits wieder geschlossen sind und an der Türe «Betriebsferien» angeschrieben steht, macht auch nicht fröhlicher. Ich musste mich belehren lassen, das Personalrecht verlange dies. Rechtliche Bestimmungen in allen Ehren, aber man hatte wochenlang staatlich verordnete «Betriebsferien» und somit genügend Zeit, sich zusammen mit dem Personal zu organisieren.

Ein anderer Wirt (als löbliche Ausnahme trotzdem nicht genannt, damit er keine rechtlichen Schwierigkeiten bekommt) berichtete mir, er habe sich mit dem Personal zusammengesetzt und alle seien bereit gewesen, die Hälfte ihres Ferienguthabens an die Lockdown-Zeit anrechnen zu lassen. Eine nochmalige – und vielleicht endgültige – Schliessung wegen Personalferien habe sich so vermeiden lassen.

All das sind nur persönliche Erlebnisse und wahrscheinlich nicht repräsentativ. Trotzdem, es gab und gibt im Gefolge der Pandemie (zu) viele Erlebnisse, wo ich mir sagen musste: «Also dieser Wirt ist einfach selbst schuld und verdient es nicht besser.» Ich weiss, neue Freunde schaff ich mir mit diesen Zeilen keine, aber vielleicht rege ich den einen oder anderen zum Nachdenken und zur Erkenntnis an: Corona ist nicht immer schuld – und schon gar nicht an allem!

André Auderset

André Auderset

André Auderset, fleissiger Beizengänger und manchmal genervter Konsument.


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