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Wirteverband Basel-Stadt

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29.08.2016

Der Lieferservice kommt an

Kochboxen und Lieferdienste gewinnen an Bedeutung

Bei den Konsumenten werden Mahlzeit-Lieferdienste und Kochboxen immer beliebter. Müssen sich Gastronomen Sorgen machen?

In der eigenen Stube: Da werden die Restaurants künftig sein. Die massive Zunahme an Gerichten zum Mitnehmen sowie Lieferdienste und Kochboxen deuten darauf hin, dass sich die Zukunft der Restauration sehr gut auch bei den Gästen zu Hause abspielen könnte.

Die Tendenz weist schon lange darauf hin, dass sich die Mittagspausen verkürzen. Take-Away-Gerichte werden bevorzugt und das Tagesmenü zunehmend links liegen gelassen. Gegessen wird in Parks, auf Bänken oder sogar während des Arbeitens. Ganz im Gegensatz zu den Gästen am Abend, die den Restaurantbesuch vielmehr geniessen und sich hierfür auch Zeit lassen. Wenn sich die Gäste dazu durchringen können, ihr Haus zu verlassen, ist dies für die Gastgeber durchwegs positiv.

Ein anderer Trend nennt sich "click to eat" (klicken, um zu Essen). Auf einer Internetseite wird ein Menü bestellt, das einem nach Hause geliefert wird. Das Angebot umfasst nicht nur Pizza oder Sushi, sondern ganz unterschiedliche Gerichte. Auch in der Schweiz existieren solche Plattformen bereits seit einigen Jahren. Sie funktionieren ähnlich wie die "Online Travel Agencies" (OTA) für Hotels.

Bei einigen Plattformen muss die Lieferung direkt vom Betrieb durchgeführt werden, bei anderen übernimmt der Anbieter diesen Service. Aber alle verlangen Kommissionsgebühren. Solche Internetseiten gibt es je länger desto mehr, auch in der Schweiz finden sich mehrere grosse Akteure.

Derzeit lässt sich die Grösse des Schweizer Marktes für Onlinebestellungen von Mahlzeiten nicht beziffern, die Anzahl Gastronomen, die sich auf diesen Plattformen registrieren, sowie die der Kunden nimmt jedoch zu. Und weil mehr Angebote mehr Kunden anziehen, wird das Angebot die Nachfrage bestimmen.

Seit einigen Monaten hat der Hauslieferdienst eine neue Dimension erreicht: Nun sind auch Kochboxen erhältlich. E-Commerce-Riese Amazon ist mit Amazon Fresh, einem Lieferservice für Produkte aus dem Supermarkt, in die Bresche gesprungen. Das Konzept ist einfach: Der Kunde bestellt via Online-Supermarkt ein Gericht. Daraufhin erhält er alle benötigten Zutaten, ein Teil davon bereits vorgekocht, und so kann er nach Anleitung das Rezept fertigstellen.

In eine andere Sparte fällt das Küchengerät ChefCuisine, der "Cui-seur" für vorgekochte Gerichte, entwickelt von der französischen Spitzenköchin Anne-Sophie Pic. Sie bietet Mahlzeiten in drei Kategorien an, insgesamt sind es dreissig Gerichte in einem Preissegment von 7 bis 22 Franken. Kunden, welche sich die Maschine im Wert von etwas mehr als 200 Franken gekauft haben, können im Netz ihre Lieblingsgerichte bestellen. Diese werden vorgekocht, in Kapseln geliefert und sind bis zu zwei Wochen haltbar. Der Kunde kann sie ganz einfach in das Küchengerät geben, und die ¬Maschine übernimmt den Rest.

Auf dem Markt gesellen sich auch Start-up-Unternehmen wie Book2cook dazu, die einen professionellen Chef oder Hobbykoch nach Hause vermitteln. Dieser bereitet dann ein gewünschtes Gericht für den Konsumenten zu. Kurz gesagt zieht die Restauration in Zukunft in die intime Atmosphäre der Gäste ein – und zwar in ihre Stube.

Das Aufkommen der Foodtrucks entspricht ziemlich genau diesen veränderten Konsumgewohnheiten. Insbesondere in den Städten fördern die mobilen Restaurants die Nachfrage für Take-Away-Gerichte, für eine grosse Auswahl und für einen schnellen Service. Zusätzlich bringen die Foodtrucks durch ihren Standortwechsel Abwechslung – womit die traditionellen Restaurants nicht mithalten können.

Gleichzeitig produzieren die Bäckereien und Grossmärkte massenweise Sandwiches, Suppen und Salate, um diejenigen Gäste, die auf schnelles Essen erpicht sind, anzusprechen und so Marktanteile zu gewinnen. Und dem Beispiel der Foodtrucks folgend, eröffnen an vorteilhafter Passantenlage "Snacks", die ausschliesslich Take-Away-Gerichte anbieten.

All diese Entwicklungen erfordern von den Gastronomen eine noch gezieltere Positionierung. Muss ein Restaurant heute Gerichte zum Mitnehmen oder einen Lieferservice anbieten, um mithalten zu können? Warum nicht, wenn die Küchenproduktion dies erlaubt. Nicht alle Gerichte bieten sich jedoch hierfür an. Zum Beispiel wird Knuspriges, einmal in die Transportschachteln eingepackt, mit der Zeit weich, und ist deshalb je nach Standplatz und angestrebter Kundschaft ungeeignet.

Die Flut an Essensangeboten, welche schnell und unkompliziert bei den Konsumenten landen, legt nahe, dass die traditionellen Restaurants sich noch mehr anstrengen müssen, um ihren Gästen einen ausgezeichneten Service und eine gemütliche Umgebung zu bieten. Das im Restaurant erfahrene "Erlebnis" lässt den Gast schliesslich wiederkehren. Denn wenn nur die Küche oder nur der Service überzeugen, besteht das Risiko, dass der Gast sich beim nächsten Mal für ein anderes, besseres Angebot entscheidet. Ein Angebot, bei dem er das Haus nicht verlassen muss.

Romain Wanner / GastroJournal

Lieferdienst Amazon Fresh: Der Internetgigant schneidet sich ebenfalls ein Stück des Kuchens ab.


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