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Wirteverband Basel-Stadt

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30.03.2020

Das Gastgewerbe wird niemals mehr dasselbe sein

Staatliche Massnahmen sind willkommen, reichen aber nicht aus

Das Coronavirus treibt unsere Branche in die grösste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die staatlichen Massnahmen sind hochwillkommen, weisen aber Lücken auf und werden nicht reichen. Damit die Rettung nachhaltig gelingt, benötigen wir bessere und zusätzliche Unterstützung.

Der 28. Februar hat das Schweizer Gastgewerbe für immer verändert. An diesem Tag gab der Bundesrat bekannt, dass bis Mitte März keine Grossveranstaltungen mehr durchgeführt werden dürfen. Schnell war absehbar, dass die Massnahmen verschärft und auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Eine unvergleichliche Stornierungswelle fegte wie ein Tsunami über uns hinweg: Messen, Kongresse, Seminare und Bankette wurden abgesagt.

Inzwischen hat die Schweiz wie die meisten europäischen Länder gastgewerbliche Leistungen weitgehend lahmgelegt. Ein kleiner Teil der Beherbergung und der Take-Away-Verkäufe geht weiter. Doch nur das Liefergeschäft hält sich gut. Ob bereits im Mai, erst im Juni oder noch später so etwas wie Normalität einkehrt, ist unklar. Von der befürchteten «zweiten Welle» wollen wir gar nicht sprechen.

Ein Lichtblick sind die Massnahmen von Bund und Kantonen. Das Instrument der Kurzarbeit wurde vereinfacht und ausgebaut. Doch nach wie vor werden mitarbeitende Inhaber und deren Ehegatten krass diskriminiert: Die Pauschale von 3320 Franken reicht vielen nicht einmal, ihre Wohnungsmiete zu bezahlen.

Auch Stundungen, Notkredite und Bürgschaften kommen zum Einsatz. Das gibt zwar vielen Zuversicht, doch muss dieses Geld später zurückbezahlt werden. Angesichts der unsicheren Zukunft überlegen sich manche Betreiber zurecht, ob sie sich nun zusätzlich verschulden oder nicht doch lieber gleich aufgeben wollen.

Vorbereiten auf die Zeit nach dem Lockdown

Es wird nicht so sein, dass nach Ende oder Lockerung der behördlichen Massnahmen die Geschäfte einfach wieder normal laufen. Die Verunsicherung der Konsumenten ist gross. Wir schlittern gerade in eine weltweite Wirtschaftskrise. Der Franken wird noch härter.

Geschäftsreisen werden auf Dauer zurückgehen, weil es gerade zu einem endgültigen Durchbruch von Videokonferenzen kommt. Natürlich werden die Menschen immer noch das Bedürfnis nach persönlichen Begegnungen haben, doch das eine oder andere Treffen wird schlicht nicht mehr stattfinden. Es werden zudem mehr Leute wenigstens teilweise von zuhause arbeiten, was das Mittags- und Feierabendgeschäft beeinträchtigen wird.

Trotz der Rettungsmassnahmen werden viele Gastbetriebe auf der Strecke bleiben. Viele von uns standen bereits auf schwachem Fundament. Es gibt einfach zu viele, die denken, sie könnten ein Restaurant oder ein Bar betreiben, obwohl ihnen das Rüstzeug und solide Finanzen fehlen. Leider ist es keineswegs sicher, dass es nur jene trifft. Auch innovative, dynamische Unternehmen, die laufend in ihre Konzepte investieren und expandieren, sind in akuter Gefahr!

Die Krise traf das Gastgewerbe unmittelbar und hart. Wir können den Schock nicht abfedern und auf Halde produzieren. Jeder leere Tisch, jedes leere Hotelzimmer sind unwiederbringlich verloren. Die Krise trifft zudem auf einen Wirtschaftszweig, der wegen des starken Frankens, der hohen Kosten, der schwachen Margen, der Regulierungswut, der Überkapazitäten und der starken Konkurrenz durch den Detailhandel und ausländische Anbieter schon geschwächt war.

Dem Schweizer Gastgewerbe werden drei, vier, fünf Milliarden Franken Umsatz fehlen. Hält der Schock länger an und kehren wir nicht bald zum Alltag zurück, wird der Schaden höher sein. Die staatlichen Massnahmen sind begrüssenswert, doch die meisten zielen lediglich darauf ab, den Unternehmen Liquidität zu verschaffen.

Was nützt es, wenn wir genug Sauerstoff erhalten, nach einigen Monaten aber verhungert sind? Wir brauchen weitere finanzielle Entlastung!

Runter mit der Mehrwertsteuer!

Der Bundesrat hat die Vermieter in die Pflicht zu nehmen, ebenfalls einen Teil des Schadens zu tragen. Leider sind viele Hausbesitzer nicht gesprächsbereit. Bei allem Verständnis, dass auch sie ihre Verpflichtungen haben: So geht das nicht!

Selbst wenn die Vermieter sich freiwillig oder erzwungen solidarisch zeigen, bleibt ein ungedeckter Schaden. Die Kurzarbeit deckt beispielsweise die Pensionskassenbeiträge nicht. Verderbende Waren müssen verschenkt oder vernichtet werden. Leasinggebühren, Kapitalzinsen, Abschreibungen und andere Fixkosten laufen weiter. Hier wären die Betriebsausfallversicherungen gefragt. Wir werden sehen, ob ihre AGB so glasklar sind wie sie behaupten.

Schon jetzt müssen wir uns Gedanken machen, wie es nach dem Lockdown weiter geht. Eine befristete Mehrwertsteuersenkung würde helfen, die Nachfrage anzukurbeln, nicht aufschiebbare Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu erhalten. In einer Branche, in der die Personalkosten 50% des Umsatzes ausmachen, entspricht die Mehrwertsteuer einem veritablen Jobkiller, faktisch einer Besteuerung der Arbeit. Nur schon aus beschäftigungspolitischen Gründen: Runter mit der Mehrwertsteuer!

In Krisenzeiten lässt sich erkennen, wie sehr sich das Umfeld in den letzten Jahrzehnten verschlechterte. Die langfristige Lösung liegt bei guten Rahmenbedingungen. Nur sie sorgen dafür, dass die Unternehmen widerstandsfähiger werden. Die Themen sind bekannt. An ihnen gilt es zu arbeiten.

Das Gastgewerbe hat eine enorme wirtschaftliche, kulturelle und soziale Bedeutung: Unsere Betriebe sind «too beautiful to fail»!

Maurus Ebneter
Präsident Wirteverband Basel-Stadt


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