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18.01.2006

Viermal lauter als in der Disco!

Mit zweierlei Ellen gemessen…

Während Restaurateure wegen geringer Überschreitungen der Lärmschutzvorschriften drangsaliert werden, fehlen für "einmalige Anlässe" verbindliche Normen. Das Label "Kultur" wird in Basel als Freipass verstanden. Das Jugendkulturfestival sprengte in jeder Hinsicht den Rahmen.

Wie laut dürfen Allmendveranstaltungen auf die Nachbarn einwirken? Es gibt keinen Grenzwert! Demgegenüber gelten Restaurants als "ortsfeste Anlagen", weshalb sie strengen Bestimmungen unterliegen: Je nach Lärmempfindlichkeitsstufe gelten ab 20 Uhr Grenzwerte von 50 oder 55 Dezibel. Läuft die Lüftung einer Gaststätte ein bisschen zu laut, wird der Wirt zu Investitionen genötigt, die ein Quartierlokal in seiner Existenz bedrohen können. Bemerkenswert ist auch der Fall "Eierbrecht" in Zürich. Dort verhängte das Bundesgericht wegen Sekundärlärm eine Schliessung der Gartenwirtschaft ab 19 Uhr.

Obwohl kein einziger Nachbar reklamierte, wurde kürzlich einer seit über vierzig Jahren bestehenden Disco-Bar in Basel allen Ernstes vorgeschrieben, nur noch 78 Dezibel zu erzeugen. Begründung: Der Raumschall in einer darüber liegenden Wohnung sei zu hoch. Die Wohnung wird als Büro genutzt, niemand hatte sich beschwert. In einem voll besetzten Lokal verursacht nur schon das Publikum alleine einen Schallpegel von 78 Dezibel: Der Betreiber hätte also auf Musik verzichten müssen! Er missachtete die Verfügung. Nach einigen Monaten und (durchaus konstruktiven) Verhandlungen kamen die Behörden dem Betreiber entgegen, weil sie die Unsinnigkeit der Entscheidung selber einsahen.

Für den Publikumsschutz wurde die Schall- und Laserverordnung geschaffen. Es gelten Grenzwerte, die dort gemessen werden, wo das Publikum dem grössten Schall ausgesetzt ist. Unsere Diskotheken dürfen höchstens mit 93 Dezibel beschallen, obwohl sich die Gäste freiwillig dort aufhalten. Es leuchtet nicht ein, weshalb das Jugendkulturfestival für die Beschallung der Allmend eine Sonderbewilligung für 100 Dezibel erhält, obwohl viele unfreiwillige Zuhörer belästigt werden. 100 Dezibel sind wegen der logarithmischen Skala vier Mal mehr Schallenergie als der Disco-Grenzwert von 93 Dezibel!

Unsere konstruktiven Vorschläge werden diskussionslos abgetan. Dabei könnten eine Verkürzung der Festival-Dauer, längere Spielpausen, eine Beschränkung der Musikzeiten und eine teilweise Verlagerung der Konzerte in Zelte oder Hallen (z.B. in den Fechtsaal, das Stadttheater oder die Elisabethenkirche) die Situation wesentlich entschärfen. Der Publikumsandrang liesse sich bewältigen, denn nie und nimmer waren 70'000 Leute gleichzeitig in der Stadt. Diese Zahl wurde von den Veranstaltern erhoben und von den Medien nachgebetet. Vielleicht stimmt sie sogar, wenn man jeden Passanten mitzählt und die Besucher täglich und pro Platz erfasst.

Wir anerkennen, dass das JKF für viele junge Leute einem Bedürfnis entspricht. Und die Auftrittsgelegenheiten für Nachwuchsbands sind positiv zu werten. Es geht uns deshalb nicht um eine Verhinderung des Festivals, sondern einzig und allein um die extremen Emissionen, also den Lärm, den Abfall, den Vandalismus und andere negative Begleiterscheinungen. Diese führen nämlich dazu, dass Hotelzimmer nicht mehr vermietbar sind, dass Restaurantgäste scharenweise die Flucht ergreifen und dass Mitarbeiter sich beklagen, weil sie sich in ihrer Gesundheit gefährdet fühlen.

Die "Kunsthalle" büsste am Festival-Wochenende über 50'000 Franken Umsatz ein. Auch die meisten anderen Betriebe um das Festivalgelände verzeichneten enorme Einbussen von 40 bis 50%. Stark betroffen waren beispielsweise das Stadtcasino, der Stadthof, das Hotel Au Violon und das Café Des Arts. Wenn das nächste JKF wieder im gleichen Rahmen stattfindet, werden die umliegenden Betriebe wohl am besten schliessen. Doch wer kann es sich schon leisten, auf drei Tageseinnahmen zu verzichten? Abgesehen davon, haben auch wir eine "kulturelle" Aufgabe zu erfüllen.


Alkohol an Minderjährige

Auch beim Jugendschutz gelten ungleiche Massstäbe: Ein Restaurateur, der einem 15-Jährigen versehentlich Bier ausschenkt, wird von den Medien an den Pranger gestellt, von den Behörden gebüsst und verwarnt. Passiert das Gleiche auf Allmend – und zwar tausendfach – scheint das niemanden zu kümmern.


Die öffentliche Meinung?

Die Berichterstattung der Basler Zeitung über das Jugendkulturfestival war absolut unkritisch. Nach den "Wohlfühl-Reportagen" vom Anlass selbst führte die BaZ eine wochenlange Kampagne gegen jedermann, der sich erdreistete, die Auswüchse der Veranstaltung zu kritisieren. An die üblichen Leserbriefkampagnen der "Kulturschaffenden" haben wir uns in der Zwischenzeit gewöhnt, doch nicht an die Boulevard-Fortsetzungsgeschichten des einstmals stolzen Blattes, dessen Auflage kürzlich erstmals seit Menschengedenken unter 100'000 gefallen ist.


Wer finanziert das JKF?

Das Jugendkulturfestival verfügt über ein Budget von 700'000 Franken. Die Lotteriefonds von Basel-Stadt und Basel-Land steuern je 200'000 Franken bei! 50'000 Franken kommen von der Christoph-Merian-Stiftung und 40'000 Franken von der GGG. Der Rest wird von diversen Sponsoren beigesteuert. Die Gemeinden Arlesheim, Bettingen, Birsfelden, Bottmingen, Oberwil, Pfeffingen, Riehen und Therwil leisten ebenfalls Beiträge.


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