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27.10.2026
Tourismus wird sich nach verhaltenem Sommer leicht erholen
Folgen des Iran-Kriegs klingen nur langsam ab
BAK Economics erwartet für den kommenden Winter ein moderates Wachstum. Gemäss den Tourismusprognosen im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) steigen die Logiernächte im kommenden Winter um 0.9 Prozent auf 18.9 Millionen. Der Iran-Krieg belastet damit weiterhin die Fernmärkte. Gleichzeitig verändert der fortschreitende Klimawandel das Reiseverhalten.
Nach mehreren Rekordjahren verzeichnete der Schweizer Tourismus im Sommer 2026 erstmals wieder einen Rückgang der Logiernächte. Mit knapp 25 Millionen Logiernächten lag das Ergebnis 0.8 Prozent unter dem Vorjahr.
Hauptgrund waren die Folgen des Iran-Kriegs, der den internationalen Flugverkehr erheblich beeinträchtigte. Eingeschränkte Flugkapazitäten, längere Flugrouten und höhere Kerosinpreise verteuerten Fernreisen und führten bei den asiatischen Herkunftsmärkten zu deutlichen Nachfragerückgängen. Besonders stark betroffen war Indien mit einem Minus von 19.1 Prozent.
Stabilisierend wirkte dagegen die Nachfrage aus der Schweiz und Europa. Die Schweizer Gäste leisteten den grössten Wachstumsbeitrag. Insgesamt war es trotz des Rückgangs die zweiterfolgreichste Sommersaison der Geschichte.
Wintersaison: Moderates Wachstum trotz anhaltender Unsicherheit
Für den kommenden Winter erwartet BAK Economics sowohl bei den inländischen als auch bei den ausländischen Gästen einen Anstieg der Logiernächte um jeweils 0.9 Prozent. Die inländische Nachfrage bleibt eine wichtige Stütze des Schweizer Tourismus, der private Konsum entwickelt sich weiter robust. Zusätzliche Impulse dürften die erstmalige Auszahlung der 13. AHV-Rente im Dezember und die Ski-Weltmeisterschaft in Crans-Montana liefern.
Auch die europäische Nachfrage zeigt sich mit einem erwarteten Wachstum von 0.8 Prozent widerstandsfähig. Unterstützend wirkt für einmal die Wechselkursentwicklung. Da die Inflation im Euroraum höher ausfällt als in der Schweiz, wertet der Schweizer Franken real ab und verbessert damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Tourismus.
Gleichzeitig schmälert die höhere Inflation die Kaufkraft der europäischen Haushalte und begrenzt das Nachfragewachstum. Bei den Fernmärkten setzt dagegen mit einem erwarteten Wachstum von 1.0 Prozent nur eine langsame Erholung ein. Die Prognoseunsicherheit bleibt aussergewöhnlich hoch.
Folgen des Iran-Kriegs klingen nur langsam ab
Für den Sommer 2027 erwartet BAK Economics ein Wachstum der Logiernächte um 1.3 Prozent. Die Nachfrage aus den Fernmärkten erholt sich mit einem Zuwachs von 3.3 Prozent, bleibt aber aus Asien unter dem Niveau vor Kriegsausbruch. Die Folgen des Iran-Kriegs wirken somit weit über das Jahr 2026 hinaus.
Anhaltend hohe Öl- und Kerosinpreise halten die Flugpreise hoch, während fehlende Kapazitäten im internationalen Flugverkehr und die geopolitische Unsicherheit die Nachfrage zusätzlich belasten. Da Fernreisen häufig lange im Voraus gebucht werden, erfolgt die Erholung auch bei einer Normalisierung der Rahmenbedingungen nur verzögert.
Mit der weiteren Normalisierung des Flugverkehrs gewinnt die touristische Nachfrage 2028 wieder etwas an Dynamik. BAK Economics erwartet für das Tourismusjahr 2028 ein Wachstum der Logiernächte um 1.3 Prozent auf 44.8 Millionen. Wichtigster Treiber ist die fortschreitende Erholung der Fernmärkte, insbesondere Asiens. Auch die Nachfrage aus Europa und der Schweiz entwickelt sich weiterhin positiv.
Hitzewellen verändern das Reiseverhalten
Der aussergewöhnlich heisse Sommer 2026 zeigt, wie sich zunehmende Hitzewellen auf die touristische Nachfrage auswirken. Während die Logiernächte von Schweizer Gästen im Juli in den Städten zurückgingen, stiegen sie in den alpinen Gebieten um 8.8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat wurden dort rund 100'000 zusätzliche Übernachtungen registriert.
Besonders stark profitierten höher gelegene Destinationen in Graubünden und im Wallis. Auch längerfristig ist mit Veränderungen im Reiseverhalten zu rechnen. Reisende können auf die zunehmende Hitze reagieren, indem sie ihre Ferien in kühlere Regionen verlegen, ausserhalb der heissesten Sommermonate verreisen oder ihre Aktivitäten vor Ort anpassen.
Für den Schweizer Tourismus ergeben sich daraus regional unterschiedliche Chancen und Herausforderungen. Alpine Destinationen können im Sommer verstärkt von der Nachfrage nach kühleren Ferienorten profitieren und damit ihre Abhängigkeit vom Wintertourismus verringern. Dieser Vorteil fällt umso grösser aus, je höher die Destination liegt.
Gleichzeitig beeinträchtigen anhaltende Hitzeperioden die Attraktivität der Städte und erhöhen die Anforderungen an die touristische Infrastruktur, insbesondere bei der Kühlung von Hotelzimmern.
Im internationalen Wettbewerb könnte die Schweiz zudem Gäste gewinnen, die nach Alternativen zu klassischen Mittelmeerdestinationen suchen. Allerdings konkurriert sie dabei mit nordeuropäischen Reisezielen. Die zunehmenden Hitzewellen verdeutlichen damit, wie der Klimawandel die regionalen Wachstumsperspektiven des Schweizer Tourismus verändert.
- Durchzogene Lage im Gastgewerbe
- Iran-Krieg bremst Tourismus aus Asien
- Konsumenten wollen 2026 weniger Geld ausgeben
Quelle: bak-economics.com
Dossiers: Konjunktur | Tourismus
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