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27.10.2026
«Unser Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis»
Interview mit Letzia Elia, Direktorin von Basel Tourismus
Basel überzeugt durch sein vielfältiges Kulturangebot, die Altstadt und die Lage am Rhein. Künftig sollen insbesondere der Freizeittourismus und Kongresse weiter gestärkt sowie das Potenzial der Flussschifffahrt besser genutzt werden. Dabei steht ein qualitatives Wachstum im Einklang mit der Lebensqualität im Zentrum. Ein Gespräch mit Letizia Elia, Direktorin von Basel Tourismus.
Wie geht es dem Tourismus in Basel?
Dem Tourismus in Basel geht es grundsätzlich gut. Natürlich war 2025 mit 1.686 Millionen Logiernächten ein absolutes Ausnahmejahr. Mit dem Eurovision Song Contest und der Women’s Euro durften wir Basel einem riesigen internationalen Publikum präsentieren.
Besonders freut mich aber, dass sich unser Tourismus auch unabhängig von solchen Grossveranstaltungen sehr positiv entwickelt. Wir haben heute rund 30 Prozent mehr Schweizer Gäste und 15 Prozent mehr Freizeitgäste als vor der Pandemie.
Basel wird immer stärker als Städtereiseziel wahrgenommen, und auch bei Kongressen und Veranstaltungen sind wir erfolgreich unterwegs. Das zeigt, wie viel Potenzial in unserer Stadt steckt. Darauf können wir gemeinsam mit unseren Partnern aufbauen.
Was macht Basel zum einzigartigen Städtereiseziel?
Basel bietet ein Kulturangebot von Weltrang – und das in einer Stadt, die unglaublich kompakt, lebendig und persönlich ist. Wo sonst findet man international renommierte Museen, grossartige Architektur, eine wunderschöne Altstadt und einen Fluss, der mitten durch das Stadtleben fliesst, alles bequem zu Fuss erreichbar?
Dazu kommen unsere vielfältige Gastronomieszene, die gelebten Basler Traditionen und eine ganz besondere Atmosphäre. Genau diese Kombination von internationalem Spitzenangebot und Überschaubarkeit macht unsere Stadt so einzigartig.
Als Tourismusdirektorin sind Sie eine «professionelle Schwärmerin». Gibt es Dinge, die besser werden müssen? Gibt es Bereiche, in denen Basel touristisch hinter den Möglichkeiten bleibt?
Natürlich, und gerade, weil ich von Basel so begeistert bin, sehe ich auch, wo wir noch besser werden können. Basel hat ein aussergewöhnlich vielfältiges Angebot, und wir sehen noch grosses Potenzial, unsere Stärken künftig noch gezielter zur Geltung zu bringen. Wir stellen beispielsweise fest, dass Basel bei Themen wie Kultur ohne Massentourismus, authentischen lokalen Traditionen oder dem Entdecken von Neuem noch stärker wahrgenommen werden könnte.
Weiteres Potenzial sehen wir in der Flussschifffahrt: Rund 345’000 Menschen beginnen oder beenden ihre Reise in Basel, aber nur etwa jeder vierte übernachtet auch hier. Wenn es uns gelingt, mehr dieser Gäste für einen längeren Aufenthalt zu begeistern, profitieren viele Betriebe davon.
Natürlich wünschen wir uns eine attraktive Stadt, möglichst ohne Baustellen und andere Einschränkungen für den Tourismus. Gleichzeitig begrüssen wir es sehr, dass sich Basel kontinuierlich weiterentwickelt und in seine Infrastruktur investiert.
Welche Zielgruppen möchten Sie künftig verstärkt nach Basel holen?
Wir möchten insbesondere den Freizeittourismus weiter stärken und dabei noch gezielter auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Gäste eingehen. Unsere neue Marktforschung hilft uns zu verstehen, in welchen Situationen Menschen eine Städtereise in Betracht ziehen und welche Erwartungen sie damit verbinden.
Gleichzeitig bleiben Kongresse und internationale Veranstaltungen ein wichtiger Schwerpunkt. Sie bringen Gäste aus aller Welt nach Basel und tragen dazu bei, die touristische Nachfrage über das ganze Jahr zu stärken.
Sie setzen sich für einen nachhaltigen Tourismus ein. Was bedeutet das konkret?
Nachhaltigkeit soll in Basel nicht nur ein Bekenntnis sein, sondern auch erlebbar werden. Etwa beim Rheinschwimmen, das zeigt, wie sich eine Stadt und ihre Wasserqualität entwickeln können, oder beim Trinkwasser aus fast jedem öffentlichen Brunnen.
Gleichzeitig sind Zertifizierungen wichtig, um das Engagement unserer touristischen Partner sichtbar und messbar zu machen. Auch wenn die Prozesse aufwendig sind, bieten sie wertvolle Erkenntnisse und können gerade in der Gastronomie Einsparpotenziale bei Energie und Food Waste aufzeigen. Deshalb möchten wir unsere Partner ermutigen, diesen Weg mit uns zu gehen.
Nachhaltiger Tourismus bedeutet für uns aber auch, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen. Deshalb beziehen wir die Baslerinnen und Basler konsequent in unsere Aktivitäten ein und befragen sie regelmässig. Denn eine Stadt, in der Menschen gerne leben, ist auch eine Stadt, die Gäste gerne besuchen.
Gibt es Grenzen des Wachstums? Wie gelingt der Spagat zwischen mehr Gästen und hoher Lebensqualität für die Bevölkerung?
Für mich ist entscheidend, wie wir wachsen. Unser Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis, sondern mehr Wertschöpfung im Einklang mit der Stadt. Gleichzeitig müssen wir aufmerksam bleiben und die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst nehmen. Deshalb suchen wir den Dialog und möchten auch etwas zurückgeben. Mit unserer Initiative «Z’Gascht in dynere Stadt» laden wir die Basler Bevölkerung ein, die touristischen Angebote ihrer eigenen Stadt neu zu entdecken.
Ich bin überzeugt: Wenn die Menschen in Basel stolz auf ihre Stadt sind und den Tourismus positiv erleben, ist das auch für unsere Gäste spürbar.
Welche Rolle spielt die Gastronomie bei der touristischen Vermarktung?
Eine ganz zentrale. Die Gastronomie ist weit mehr als ein ergänzendes touristisches Angebot. Sie ist ein wesentlicher Teil des Erlebnisses, das unsere Gäste mit nach Hause nehmen. Man kann die schönsten Museen besuchen und die beeindruckendste Architektur entdecken – aber oft sind es auch die Begegnungen in einem Restaurant, die Atmosphäre in einer gemütlichen Beiz oder ein wunderbares Abendessen, die einen Aufenthalt unvergesslich machen.
Unsere Gastronominnen und Gastronomen sind deshalb wichtige Botschafterinnen und Botschafter für Basel. Sie prägen die Gastfreundschaft unserer Stadt jeden Tag aufs Neue.
Wie können Basel Tourismus und die Gastronomie künftig noch enger zusammenarbeiten?
Wir haben gemeinsam bereits viel erreicht. Die 2023 ins Leben gerufene Initiative zur Willkommenskultur ist ein schönes Beispiel dafür, was wir zusammen bewegen können. Gerade auch im Zusammenspiel von Kultur, Veranstaltungen und Gastronomie sehe ich spannende Möglichkeiten für weitere gemeinsame Projekte. Entscheidend ist für mich, dass wir den engen Austausch pflegen, die Bedürfnisse der Betriebe aufnehmen und gemeinsam neue Ideen entwickeln. Ich schätze diese partnerschaftliche Zusammenarbeit sehr.
Welche Trends werden den Städtetourismus am stärksten verändern?
Ich sehe vor allem drei Entwicklungen. Erstens geht es immer stärker um authentische Erlebnisse. Gäste möchten eine Stadt nicht nur besichtigen, sondern in ihre Kultur und ihren Alltag eintauchen. Zweitens verändern Social Media und KI, wie wir uns über Reiseziele informieren und unseren Aufenthalt gestalten. Und drittens wird es immer wichtiger, touristisches Wachstum mit den Bedürfnissen der Bevölkerung in Einklang zu bringen.
Welchen Ort in Basel zeigen Sie Freunden als Erstes? Gibt es einen Geheimtipp, den viele Besucher noch nicht kennen?
Im Sommer müssen natürlich alle mit mir im Rhein schwimmen – aber das ist längst kein Geheimtipp mehr. Mein persönlicher Tipp ist ein Spaziergang durchs malerische St. Alban-Tal, verbunden mit einem Besuch im Papiermuseum und im Museum für Gegenwartskunst. Eine Fahrt mit der traditionellen «Fähri» darf dabei nicht fehlen.
Wenn wir dieses Interview in fünf Jahren nochmals führen: Woran werden wir erkennen, dass Basel touristisch erfolgreich war?
Ich wünsche mir, dass Basel in fünf Jahren international noch stärker als Städtereiseziel etabliert ist und wir zusätzliche Gäste für Aufenthalte über das ganze Jahr gewinnen konnten. Erfolg bedeutet für mich aber nicht einfach eine neue Rekordzahl bei den Logiernächten. Entscheidend ist, dass wir die touristische Wertschöpfung über das ganze Jahr steigern, unsere Partner wirtschaftlich davon profitieren und die Bevölkerung den Tourismus weiterhin mitträgt.
Wenn unsere Gäste begeistert nach Hause reisen, unsere Gastgeberinnen und Gastgeber erfolgreich sind und die Baslerinnen und Basler stolz auf ihre Stadt bleiben, dann haben wir gemeinsam sehr viel erreicht.
Worauf dürfen sich die Gäste in Basel in den nächsten Jahren besonders freuen?
Nicht nur unsere Gäste, sondern auch die Baslerinnen und Basler! Mit dem «Basel Haus» in der Hauptpost eröffnen wir eine Tourist Information der neuesten Generation. Neben der persönlichen Beratung setzen wir auf ein interaktives Stadtmodell, ein Micro-Museum, wechselnde Inhalte und vielfältige Angebote unserer Partner. Damit wird das Basel Haus auch für die lokale Bevölkerung interessant: als Ort, an dem sie ihre eigene Stadt aus neuen Perspektiven kennenlernen und aktuelle Angebote entdecken kann. Ich freue mich sehr auf diese nächsten Schritte.
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Letizia Elia: «Eine Stadt, in der Menschen gerne leben, ist auch eine Stadt, die Gäste gerne besuchen» Basel Tourismus
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