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30.12.2004

Verkehrspolitik ruiniert das Gewerbe

Wirt im Kleinbasel verliert 30 Prozent Umsatz

In den vergangenen drei Jahren waren Umsatzrückgänge in vielen Basler Restaurants normal. Es gibt deutliche Indizien, dass ein Teil dieser Einbussen auf die autofeindliche Verkehrspolitik in der Stadt Basel zurück zu führen ist.

Wir wollten dazu die Meinung von Betroffenen hören und befragten deshalb 30 Wirte im Bereich Claramatte, Clarastrasse und Messeplatz. Die Restaurateure vermögen zwar kaum genaue Zahlen zu nennen, doch der generelle Tenor ist fast überall gleich: Die Basler Verkehrspolitik gefährdet die Wachstumschancen oder sogar die Existenz von Gewerbetreibenden. Mit anderen Worten: Sie vernichtet Arbeitsplätze und reduziert das Steueraufkommen. Die monopolähnlichen Parkhaus-Betreiber fahren fette Gewinne ein, während sich die Rahmenbedingungen für Läden und Restaurants laufend verschlechtern.

Das Projekt "Parkhaus Claramatte" tönte verheissungsvoll, die Realität ist ernüchternd: Zwar entstanden dringend benötigte neue unterirdische Parkplätze, diese kosten aber zwei Franken pro Stunde. Gleichzeitig verschwanden 138 kostenlose oder günstige oberirdische Parkplätze an der Hammerstrasse und um die Claramatte. Da im Parking rund die Hälfte der 285 Plätze fest vermietet ist und weil die Clarastrasse autofrei wurde, verschlechterte sich die Situation für die umliegenden Geschäfte. Franco Riccardi, seit 1969 im Restaurant Ceresio und damit einer der dienstältesten Wirte, hat nun genug und gibt deshalb seinen Betrieb auf. Wir befragten ihn zu den Gründen.

Herr Riccardi, wie stark hat Ihr Umsatz seit der der Aufhebung der oberirdischen Parkplätze um die Claramatte gelitten?

Die Gästefrequenz ging um etwa 20 Personen pro Tag zurück. Das entspricht einem Rückgang von rund 30%. Meine Geschäftsunterlagen belegen eindeutig, dass die Aufhebung der Parkplätze und die Änderungen an der Clarastrasse daran schuld sind.

Welche Tageszeiten sind vor allem betroffen?

Alle Tageszeiten! Morgens und nachmittags haben wir viel weniger spontane Kaffeegäste, mittags ging das Lunch-Geschäft trotz attraktiven Preisen zurück. Abends ist der Rückgang noch deutlicher. Abgesehen davon, dass viele Leute die Parkhäuser aus finanziellen Gründen meiden: Es gibt viele Frauen, die aus Prinzip nicht unterirdisch parken. Ab 20 Uhr sind grosse Teile des Kleinbasels tot. Das war früher ganz anders!

Wie ist die Stimmung in den umliegenden Geschäften?

Von Mitarbeitern der grossen Warenhäuser weiss ich, dass die Kundenfrequenz um den Claraplatz massiv zurück gingen. Mir ist ein Fall am Klingentalgraben bekannt, bei dem ein Geschäft 80% Einbussen zu verzeichnen hat. Auch an der Clarastrasse schmeissen viele Ladenbesitzer den Bettel hin. Die Leerstände in den Liegenschaften nehmen besorgniserregend zu - sichtbares Zeichen des Niedergangs.

Sind wenigstens die Anwohner glücklich?

Keineswegs. Immer mehr Familien ziehen weg. Das hat sicher viele Gründe, einer davon ist aber bestimmt, dass die Leute die stundenlange Parkplatzsuche satt haben. Die Anwohner-Parkkarte wird zwar immer teurer, gleichzeitig finden die Anwohner immer weniger Parkgelegenheiten.

Sie hören im Frühling nach 35 Jahren auf zu wirten. Spielt Ihr Alter bei diesem Entscheid nicht auch eine Rolle?

Ich bin zwar 65, doch das Wirten macht mir immer noch Spass. Ich hätte gerne noch ein paar Jährchen weiter gemacht, aber halt nicht unter diesen Bedingungen.

Wie könnte man das Problem lösen? Was erwarten Sie von der Politik?

Es gibt ein einfaches, aber wirksames Rezept: Wir müssen wieder mehr günstige, oberirdische Parkplätze in Zentrumsnähe schaffen, dann geht es von alleine aufwärts. Doch nicht nur die Politik hat versagt. Das Verhalten der IG Kleinbasel, insbesondere von dessen Präsidenten, ist mir völlig unverständlich.


Vision autofreundliches Kleinbasel

Der Zusammenhang zwischen Parkplatz-Angebot und Umsätzen ist offensichtlich. Wenn wir die Erreichbarkeit der Innerstadt immer mehr erschweren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn viele zahlungskräftige Kunden ausbleiben. Der mobile Konsument stimmt eben mit den Füssen ab und geht dorthin, wo es für ihn am bequemsten ist.

Restaurants, Ladengeschäfte und Gewerbebetriebe sind auf genügend günstige Parkmöglichkeiten in Gehdistanz angewiesen, sonst können sie wirtschaftlich nicht überleben. Der Kanton Basel-Stadt verliert laufend Arbeitsplätze und Steuersubstrat. Alleine im Detailhandel sind in den letzten zehn Jahren gemäss offiziellen Zahlen 4000 Stellen verloren gegangen. Hoffentlich erkennen Bevölkerung und Politik den verhängnisvollen Zusammenhang zwischen Autofeindlichkeit und wirtschaftlichem Niedergang, bevor Teile der City zum Ghetto werden.

Wir befragten verschiedene Kleinbasler Wirte zu folgender Vision: "Auf dem Messeplatz stehen ab 18 Uhr zweihundert kostenlose Parkplätze zur Verfügung, ausser an Messetagen. Die Clarastrasse wird wieder befahrbar und zum Parkieren benutzbar, auch tagsüber. Rund um die Claramatte werden wieder hundert kostenlose Kurzzeit-Parkplätze geschaffen." Die Befragten wagten kaum von dieser Möglichkeit zu Träumen. Das Echo war durchwegs positiv: Verschiedene Wirte gehen davon aus, dass ihre Umsätze enorm steigen würden, im hohen zweistelligen Bereich.


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