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Wirteverband Basel-Stadt

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12.03.2013

Neue Kreditmodelle, nur eine Vision?

Kapitalkosten müssen anpassungsfähig sein

Helene Bellwald

Helene Bellwald

Helene Bellwald fordert in ihrer Kolumne den Abbau von emotionalen Barrieren gegenüber Hotelkrediten, weniger Risikodenken und mehr Vertrauen in die Schweizer Hotellerie und deren Protagonisten.

Ein positiver Aspekt der gegenwärtigen Krise sind die Diskussionen, die sie über die verschiedenen Thematiken rund um den Tourismus ausgelöst hat. Eine davon ist der Geldbedarf sprich Kapital für das Gastgewerbe.

Der heutige Finanzmarkt mit seinen Anbietern kann den monetären Ansprüchen der Branche nicht gerecht werden. Zu unterschiedlich ist die Unternehmensphilosophie eines Hotels und eines Finanzinstitutes.

Es ist zu hoffen, dass die Diskussionen zu Lösungen führen, die auf die Branche abgestimmt sind und ihr zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Aber wie muss denn Kapital beschaffen sein oder welche Eigenschaften muss ein Kredit haben?

Betrachten wir Kredit als ein Produkt, als eine Dienstleistung, wie Autos oder Versicherungen. Mittels Marktforschung, in die Geld investiert wurde, sind sie auf die Ansprüche der Konsumenten ausgerichtet und entsprechen den Marktbedürfnissen. So verspricht das Produkt, die Dienstleistung erfolgreich zu sein und Gewinn abzuwerfen.

Wenn wir dieses marktorientierte Vorgehen auch bei Hotelkrediten anwenden, muss erst eine Vorinvestition getätigt werden, um den Kredit zu gewähren und zu sichern. Das können zum Beispiel die teuren Projektstudien und Analysen sein. Sie schwächen jede Finanzierung, noch bevor sie steht.

Da (fast) jedes Hotel anders strukturiert und ausgerichtet ist, sind auch die Kapitalbedürfnisse unterschiedlich. Nach dem Motto, jedem Hotel der passende Kredit, muss er individuell und massgeschneidert ausgearbeitet werden.

Kapital und seine Kosten dürfen nicht eine starre Zahl sein, designed by Technokraten. Sie müssen anpassungsfähig sein, zum Beispiel an das Alter der Kreditnehmer. Junge Hotelier verfügen weder über genügend Eigenmittel noch sind sie in der Regel entsprechend vernetzt, um 40 bis 50% Kapital in Finanzierungen einbringen zu können. Allerdings sind sie unverbraucht und innovativ, was das Kreditrisiko verringert. Zeit, Mangel an Innovation und das bevorstehende Rentenalter sind die Stolpersteine für ältere Unternehmer.

Diese Fakten ergeben eine schwierige Situation für die Hotellerie. Entwicklung, Erneuerung, Nachfolge in der Branche stagniert. Die Stärken und Schwächen der Generationen müssen in die Kreditgestaltung einfliessen und ausbalanciert werden. Auch die Risiken von hochrentablen und ertragsschwächeren Branchen müssen ausgeglichen werden.

Die Hotellerie ist zunehmend dem kurzfristigen Buchen oder eben Nicht-Buchen der Gäste unterworfen. Die grossen Geschäftsschwankungen verlangen vom Hotelier grosse Flexibilität und Dynamik in der Unternehmensführung. Auch Kapital und seine Kosten müssen flexibel und kurzfristig auf Konjunktur, Krisen, Naturkatastrophen und anderes mehr reagieren können.

Die variablen Zinssätze sind nicht mehr nur auf den Finanzmarkt auszurichten, sondern auch auf die Kredithöhe und die äusseren Bedingungen des jeweiligen Kreditnehmers. So kostet Kapital mal mehr, mal weniger. Liquiditätsengpässe und Investitionsstaus können damit vermieden werden und die Kreditrisiken verringern sich.

Ein wichtiger Punkt sind die emotionalen Barrieren gegenüber Hotelkrediten, die zu negativ beurteilt werden. Weniger Risikodenken zugunsten mehr Vertrauen und Glauben an das Produkt stärkt die Hotellerie und vor allem die Menschen, die bereit sind, Verantwortung in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz zu übernehmen. Denn, Kredit kommt vom lateinischen Wort "Credere" und heisst "Vertrauen, Glauben".

Die Autorin Helene Bellwald ist Inhaberin des Beratungsunternehmens hotelcoaching hb.



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