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Wirteverband Basel-Stadt

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15.01.2014

Bustourismus ist für Städte sehr attraktiv

Chancen für eine erfolgreiche Verkehrspolitik

Der Bustourismus wird als Wirtschaftsfaktor oft unterschätzt – nicht zuletzt von den Entscheidungsträgern in der Politik. Besonders erfolgreich sind Städte, die sich konsequente "Busfreundlichkeit" auf die Fahne schreiben. Das hat auch ökologische Vorteile.

Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis macht Reisebusse zu einem beliebten Transportmittel für Städtetouristen. Die Anreise mit einem modernen Bus ist entspannend und führt Touristen ohne Umsteigen komfortabel ans Ziel: Hotels und Ausflugsorte werden direkt angefahren; stressige Flughafentransfers entfallen.

Das Bild der "Rentnerreisen" wird der Bustouristik schon lange nicht mehr gerecht, auch wenn aktive Menschen über 50 nach wie vor die Hauptzielgruppe sind. Die Reisegruppen sind genau so unterschiedlich und individuell wie alle Teile unserer Gesellschaft.

Senioren- und Betriebsausflüge, Vereins- und Studienfahrten sowie Besuchergruppen grosser Events machen Busreisen zu einem verlässlichen Umsatz- und Frequenzbringer. Für Städte bietet der Bustourismus hervorragende Möglichkeiten, die touristischen Anlaufpunkte optimal zu vermarkten, sowie für Handel und Gastronomie zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen.

Leider erkennen die politisch Verantwortlichen oft nicht, dass enorme wirtschaftliche Impulse vom Bustourismus ausgehen. Vorurteile verzerren das Bild darüber, wie viel Geld durch Bustouristen in Städte hineingetragen wird und wie stark das ortsansässige Gewerbe profitiert.

Busfreundlicher Städtetourismus lebt vom Zusammenspiel aller Beteiligten. Damit die Destinationen optimal vom wirtschaftlichen Potenzial des Bustourismus profitieren können, müssen alle Akteure ihren Beitrag leisten.

Städte können durch gezielte Massnahmen viel zur Optimierung eines busfreundlichen Tourismus beitragen. Erfolgreich sind Destinationen, die Bussen Zufahrt zu interessanten Veranstaltungsorten gewähren und mit effizienten Leitsystemen die Orientierung vor Ort und das Auffinden von Parkplätzen erleichtern.

Manche Städte geben sogar öV-Spuren für Reisebusse frei, was den Verkehrsfluss beträchtlich optimiert. Wichtig sind auch geeignete Wendemöglichkeiten zur Vermeidung längerer Fahrstrecken sowie eine Verkehrsführung, die innerstädtische Ziele mit dem überregionalen Strassennetz verbindet.

Eine zeitgemässe Infrastruktur auf oder in der Nähe der Parkplätze wird sehr geschätzt. Dazu gehören sanitäre Einrichtungen, Aufenthaltsräume sowie die Möglichkeit zur umweltgerechten Wertstoffentsorgung und zur Entsorgung der chemischen Bordtoilette. Parkgebühren müssen angemessen sein. Tageskarten für Busparkplätze ermöglichen eine flexible Nutzung.

Idealerweise können die Parkplätze im Vorfeld reserviert werden, zum Beispiel bei einer Servicestelle für Busfahrer, welche auch Ideen zur Programmgestaltung und die Möglichkeit bietet, ortsansässige Reiseleiter zu buchen.

Damit historische Gebäude, Schauspielhäuser, Musiktheater, Sportveranstaltungen und andere touristische Attraktionen problemlos besucht werden können, empfehlen sich eine zentrale Zufahrt zum Veranstaltungsort und Park- bzw. Halteplätze in unmittelbarer Nähe. Falls dies nicht möglich ist, braucht es ein funktionierendes Zubringersystem. Passagiere sollten keine Strassen überqueren oder dunkle Wegstrecken zurücklegen müssen.

Zu einer optimalen Unterstützung von Busunternehmen bei der Planung und Vorbereitung von Städtereisen gehört die Bereitstellung von Informations- und Kartenmaterial. Spezielle Stadtpläne mit Orientierungshilfen und der Zugriff auf Informationen über die aktuelle Situation vor Ort werden von Busfahrern sehr geschätzt.

Ein Omnibus ersetzt bei durchschnittlicher Fahrgastbesetzung 30 Personenkraftwagen. Busse tragen somit erheblich zur Reduzierung von Autoabgasen bei und nehmen gleichzeitig nur einen Bruchteil des Verkehrsraums in Anspruch.


Was Städte für den Bustourismus tun

Der Bund Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) zeigt in seiner Broschüre "Busfreundlicher Städtetourismus" Best-Practice-Beispiele aus verschiedenen Destinationen.

Das Reisebus-Leitsystem von Dresden ist ein Netz von Park- und Haltemöglichkeiten im Stadtgebiet. Die wichtigsten sind durch eine entsprechende Wegweisung untereinander verknüpft. Die Park- und Halteplätze sind verschiedenen touristischen Zielen zugeordnet, wobei die jeweilige Aufenthaltsdauer der Busse zeitlich definiert ist. Hintergrund des differenzierten Umganges mit den Standorten ist es, eine effektive Auslastung des Stellplatzangebotes zu erreichen.

Das Buskonzept der sächsischen Hauptstadt gibt ausserdem in Form einer Wegweisung Empfehlungen vor, die den Fahrern die zeitlich und räumlich günstigste Streckenvariante aufzeigen und die Reisebusse auf dem Hauptverkehrsstrassennetz halten. Ergänzt wird das Standort- und Routennetz durch Hinweise auf Einrichtungen, die als "Reisebusservicezentren" bezeichnet werden und die Reisecars im Bedarfsfall technische Hilfestellung bei Pannen anbieten.

Das "Konzept für Reisebusse im Städtereiseverkehr" der Hansestadt Rostock integriert den Busverkehr als Teil der Tourismuswirtschaft aktiv in die Stadtentwicklung. Es ist vor allem auf die Schaffung einer speziellen Infrastruktur fokussiert, die den Bedürfnissen der Passagiere, der Busfahrer, der Busunternehmen und den technischen Anforderungen der Fahrzeuge gerecht wird.

Teil dieser Infrastruktur sind Flächen zum Halten und Parken der Reisebusse sowie die frühzeitige Bereitstellung aktueller Informationen. Reisebusse haben die Möglichkeit, die Fahrgäste an besonders günstigen Standorten aus- oder einsteigen zu lassen. Das geschieht unter der Massgabe, dass die Cars nicht direkt in den Zielgebieten dauerhaft geparkt werden. Die Standorte der Terminals wurden so gewählt, dass sie das Stadtbild nicht beeinträchtigen.

Die Touristik-Zentrale Bremen hat sich zu einem Unternehmen entwickelt, das Marketing und Service für Busreiseveranstalter anbietet. Neben professionellen Ratschlägen werden auch spezielle Servicepakete gestaltet. Zum Angebot gehören unter anderem All-Inclusive-Pakete, die auf die Anforderungen von Busunternehmen abgestimmt sind.

Das Reisezielmanagement beinhaltet den Kontakt mit den Serviceanbietern vor Ort, aber auch das Reservieren von Hotelzimmerkontingenten zu Discountpreisen. Den Busunternehmern wird für alle Etappen der Reise eine Kontaktperson zur Seite gestellt. Ein umfassender Informationsservice inklusive der Bereitstellung von Wegbeschreibungen, Routen- und Stadtplänen sind eine Selbstverständlichkeit.

Im Rahmen von Grossveranstaltungen bedient sich Wien einer Zufahrtsbestimmung, die das hohe Aufkommen der Reisebusse regelt. Dazu wurde für Teile der österreichischen Hauptstadt eine flächendeckende "Auszone" festgelegt, in die zu manchen Zeiten nur Reisebusse mit gültiger Einfahrtskarte einfahren dürfen. Dauereinfahrtskarten erhält der Busfahrer bei mehrtägigem Aufenthalt von seinem Hotel.

Ein "Bus Driver's Guide" ist als Stadtplan gestaltet und ganz auf Bedürfnisse von Reisebussen ausgerichtet. Er enthält unter anderem Ein- und Ausstiegstellen, Parkplätze und Garagen (inklusive Gebühren), Buswasch- und Toilettenentleerungsstellen sowie weitere nützlicher Hinweise.

Mit dem Bus-Port Hamburg wurde ein Knotenpunkt geschaffen, von dem aus alle Verkehrsträger optimal vernetzt sind. Das Konzept verknüpft Reisebusse mit dem öffentlichem Personennahverkehr, verschiedenen Fernbus- und Schnellbahnlinien. Die Lage in der Innenstadt im Umfeld des Hauptbahnhofes ist für die Fahrgäste gut zu erreichen. Mit einer Fahrzeit von 10 Minuten zu verschiedenen Autobahnen liegt der Bus-Port auch für die Busunternehmer günstig.

Der Reisebusverkehr wird in 14 Taschenterminals, die auch für 15-Meter-Busse geeignet sind, und an zwei weiteren Abfahrtsplätzen abgewickelt. Die Rückwärts-Ausfahrt der Reisebusse aus den Taschenterminals wird elektronisch überwacht und durch Warnleuchten in der Fahrbahn angezeigt und sicher geregelt. Für Fahrgäste und Fahrer werden Ziele, Zeiten und Terminalzuordnung elektronisch verwaltet und angezeigt. Zwischen 5 Uhr und 22 Uhr stehen Mitarbeiter der ZOB Hamburg GmbH für zusätzliche Unterstützung zur Verfügung.

Im Rahmen des weltweit ausgeschriebenen City Trophy Awards der International Road Union (IRU) wurde Stockholm 2009 von einer internationalen Jury zur busfreundlichsten Stadt gewählt. Das Finanz- und Kulturzentrum Skandinaviens konnte dabei mit einer exzellenten Politik zur Förderung des Bustourismus überzeugen.

Die Stadtverwaltung hat Parkplätze für Reisebusse an allen Zufahrten zur Stadt geschaffen und öV-Spuren auch für Reisebusse geöffnet. In der Nähe der touristischen Attraktionen stehen insgesamt 40 Busparkplätze und ein moderner, benutzerfreundlicher Bus-Terminal bereit. Stadtverwaltung und Busindustrie tauschen sich bezüglich des Verkehrsmanagements regelmässig aus.

Trotz Einführung einer Umweltzone wurden Reglementierungen für Reisebusse getroffen, die wirtschaftlich vertretbar sind. So dürfen Reisebusse unabhängig vom Zulassungsland nach ihrer Erstzulassung mindestens sechs Jahre lang die Umweltzone befahren.


Wirtschaftsfaktor Bustourismus

Das Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif) hat in einer Grundlagenstudie beeindruckende Zahlen vorgelegt.

Deutschland zählt jedes Jahr 82 Millionen Busreisende. Diese verteilen sich auf 16.2 Millionen Übernachtungstouristen und 65 Millionen Tagesreisende. Ein Grossteil der Gäste im sogenannten Mietomnibusverkehr sind Besucher von Ausflugszielen und Attraktionen in der Stadt.

Ein durchschnittlich belegter Reisecar bedeutet 3000 Euro an Umsätzen durch den Reisepreis, wovon ein Drittel in Hotellerie und Kultureinrichtungen fliesst. Hinzukommen pro Bus und Tag 850 Euro Umsatz für Gewerbetreibende in Gastronomie und Handel.

Der Nettoumsatz aus dem Bustourismus liegt bei gut 9 Milliarden Euro. Auf den Pauschalpreis im Rahmen des Gelegenheitsverkehrs entfallen davon etwas mehr als 5.4 Milliarden Euro. Von diesem Betrag profitieren die Busunternehmer mit einem Anteil von etwa 39 Prozent und die sonstigen Leistungserbringer mit einem Anteil von etwa 61 Prozent.

Der Bustourismus sichert insgesamt mehr als 200'000 Arbeitsplätze in Deutschland. Knapp 46'000 davon sind direkt in der Bustouristik verankert. Fast 80'000 Beschäftigte erzielen ihr Einkommen in Hotels und Kultureinrichtungen, welche unmittelbar von den Leistungsbausteinen bei Busreisen abhängen. Weitere 52'000 Arbeitsplätze werden bei Gastronomie und Handel in den Zielgebieten gesichert. Mit einem Arbeitsplatz in Busunternehmen profitieren 4.7 Beschäftigte in anderen Betrieben.

Wirtschaftsfaktor Bustourismus in Deutschland
Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif)

Reisebusse sind wichtige Umsatz- und Frequenzbringer im Städtetourismus. Bild: BDO


 

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