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Wirteverband Basel-Stadt

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14.02.2014

Grosshandel im Umbruch

Konsolidierung bei den Schweizer CC-Märkten

Eine steigende Zahl von Grosshandelsmärkten buhlt um eine sinkende Zahl von Gastgebern. Die Grenzen zwischen Abhol- und Liefergrosshandel verschmelzen.

Die Schweizer Karte zeigt es: Das Angebot an Abhol-Grossmärkten ist beeindruckend – die einzigen weissen Flecken bestehen im Alpenraum, dort, wo der Tourismus verankert ist. Doch die grossen Betriebe im Wallis, im Berner Oberland oder im Bündnerland lassen sich eher beliefern, als dass sie selber einkaufen.

In den letzten Jahren haben CCA Angehrn, Prodega/Growa und TopCC neue Märkte eröffnet, Aligro wagte den Sprung über den Röstigraben. Doch wie die Geschäftsberichte zeigen, steigen die Umsätze nicht im gleichen Ausmass wie die Verkaufsfläche. Das gleiche Phänomen erlebte der Detailhandel vor gut zehn Jahren.

Coop und Migros haben Erfahrung darin und mittlerweile Massnahmen getroffen. Coop hat die international tätige Transgourmet-Gruppe im Jahr 2011 komplett übernommen und darin Prodega/Growa und den Belieferungsgrosshändler Howeg zusammengeschlossen.

Die Holding ist europaweit im Abhol- und Belieferungsgrosshandel tätig und setzt mit ihren gut 23000 Mitarbeitenden 8.2 Milliarden Franken um. In der Schweiz ist Prodega/Growa mit einem Jahresumsatz von rund 1.2 Milliarden Franken unangefochtene Marktführerin. Neben Aligro ist sie als Einzige ennet der Sprachgrenze tätig.

Die Migros setzt weniger auf Grösse als vielmehr auf die integrierte Wertschöpfungskette. In der "Saviva – Swiss Food Services" hat sie von der Weide bis auf den Teller alle Produktions- und Verteilbetriebe zusammengefasst. Mérat, Bischofszell Nahrungsmittel oder Jowa sind darin ebenso untergebracht wie der Zustellgrosshändler Scana und die Abhol-Grossmarktkette CCA Angehrn.

Saviva und Transgourmet bieten eigene Bonuspogramme. Neben Rabatten bietet Saviva einen "übergreifenden Bonus mit Mehrwert" wie Ausbildungen, Verkaufsförderungen oder Reisen. Transgourmet betont mehr den Gruppen-Bonus, "Kunden können per Ende Jahr ab einem bestimmten Einkaufsvolumen eine Rückvergütung auf die getätigten Einkäufe bei Prodega/Growa/Howeg erhalten".

In einer ähnlichen Körbchengrösse wie CCA Angehrn wirtschaften die beiden unabhängigen Unternehmen TopCC der Familie Leuthold, die auch die Spar-Gruppe in der Schweiz verantwortet, und Aligro der Familie Demaurex. Insbesondere Aligro setzt vor allem auf Frische, wie Dominique Demaurex sagt, der zusammen mit seinem Bruder Etienne Inhaber von Aligro ist. Umsatzzahlen nennt das Familienunternehmen keine, aber gemäss übereinstimmenden Quellen sollen die fünf Abhol-Grossmärkte etwas mehr erwirtschaften als TopCC oder CCA Angehrn.

Der Kampf um die Gastgeber hat sich in den letzten Jahren verschärft. Das berichten nicht nur die involvierten CC, sondern auch die Studie "Food Service Monitor+". Erstens nehme die Zahl der kleinen und mittleren Betriebe weiter ab, die Hauptklientel der CC. Die grossen Restaurants und Hotels lassen sich sowieso beliefern. Zweitens bleibe den Gastgebern immer weniger Zeit, die sie für Einkäufe aufwenden könnten. Und drittens habe die Industrie begonnen, ihre Produkte direkt zu ihren Kunden zu liefern. Umso mehr verschmelzen die Grenzen zwischen Abhol- und Belieferungsgrosshandel. Letztere bieten Bestellmöglichkeiten oder andere Dienstleistungen.

Martin Angehrn von CCA Angehrn sieht ein Potenzial in der "Erhöhung der Dienstleistungen für die Kunden". Dominic Möckli versucht als Geschäftsleiter mit seinen Mitarbeitenden von TopCC "den Kunden nah zu sein, deren Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen und das Sortiment entsprechend auszurichten". Philipp Dautzenberg von Prodega/Growa/Howeg betont, dass neben Produkten und Preisen auch Qualität und die Dienstleistungen den Kaufentscheid beeinflussen: "Die Kommunikation muss zudem einfach, schnell, direkt und unkompliziert sein. (...) Neue Medien werden nicht mehr wegzudenken sein. Den Fokus setzen wir jedoch auf die Regionallager, mit welchen wir künftig noch näher am Kunden sind."

Neben den Grossen gibt es die Kleinen, wie beispielsweise die CC Perren AG in Zermatt. Als Kleiner unter Grossen ist Inhaber Christoph Perren bezüglich des ganzen Marktes pessimistisch: "Derzeit findet ein gnadenloser Verdrängungskampf statt, welcher im Endeffekt auf ein oder zwei Monopolisten hinausläuft."

In dieselbe Kerbe schlägt Urs Reinhard von H&R Gastro AG: "Im CC-Bereich bestehen Überkapazitäten. Für grössere Gastro-Betriebe sind die CC sowieso ungeeignet, jedoch haben Ergänzungen und Spezialitäten Potenzial." Er selber hat sich deshalb entschieden, sich im CC-Bereich auf die umsatzstärksten Produkte zu fokussieren und daneben die Belieferungen auszuweiten. Christoph Perren sieht für sich nur die Option, "vernünftig zu rechnen, und einen Top-Service bei gleichzeitiger Flexibilität zu bieten".

TopCC-Geschäftsleiter Dominic Möckli formuliert es diplomatischer: "Hinsichtlich neuer Cash&Carry gehe ich von einer Konsolidierung aus. Jeder CC-Anbieter wird sich seine Stellung im stark veränderten Marktumfeld genau ansehen und seine Strategie so ausrichten, dass die eigenen Stärken optimal umgesetzt werden können."

Das Jahr 2014 wird ein Jahr der Konsolidierung, kein Abhol-Grossmarkt plant Neueröffnungen. Für 2015 kündigt Prodega/Growa die Eröffnung zweier weiterer Cash&Carry-Standorte an.

Myriam Arnold, Marco Moser / GastroJournal

Das Schweizer Mittelland ist unter den Abhol-Grossmärkten umkämpft, in den Tourismusregionen fehlen Cash & Carrys praktisch ausnahmslos. Recherche GastroJournal / Grafik: O. Krejci


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