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26.05.2014

Mannigfaltige Schwächen

Universität St. Gallen: Schweizer Jahrbuch für Tourismus

Die Schweiz gehört in Sachen Tourismuswissenschaft und Tourismuspolitik zu den führenden Ländern weltweit. Das Jahrbuch widerspiegelt das nur bedingt.

Ein prickelnder Moment ist es jeweils, wenn die Universität St. Gallen im Frühjahr das "Schweizer Jahrbuch für Tourismus" vorlegt. St. Gallen ist neben Bern die Geburtsstätte der Tourismuswissenschaft schlechthin, entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Publikation. Diese Erwartungen wurden verschiedentlich enttäuscht.

Umso höher sind sie heuer, da das Jahrbuch den Titel trägt: "Zukunftsgestaltung im alpinen Tourismus". Peter Keller als Autor klingt vielversprechend, desgleichen Monika Bandi aus Bern oder Jürg Stettler aus Luzern, Roland Zegg aus Chur oder Heinz Rütter aus Rüschlikon. Gute Forschung habe "Biss", schrauben die St. Galler Herausgeber Pietro Beritelli, Thomas Bieger und Christian Laesser die Erwartungen weiter hoch, gute Forschung "stellt unangenehme Fragen, deckt Schwächen in Wissenschaft und Praxis auf und begeht mutig neue, meist auf erstem Blick scheinbar schwierige Wege".

Diesem kritischen Anspruch genügen zwar just die St. Galler mit einem spannenden Beitrag zu systemischen Schwierigkeiten von Tourismusorganisationen und dem Lösungsweg des St. Galler Modells. Aber insgesamt bleibt das Buch so bescheiden wie sein Format: Zum einen befremden orthografische Fehler, zum anderen vermag der Blick auf Österreichs Museen oder das inhaltlich fahrlässige Einordnen der Erreichbarkeit weder zu fesseln noch in die Zukunft zu weisen – so wenig wie die Beschreibungen der Urner Destinationsbildung oder der bernischen Regionalwirtschaft.

Eher anzusprechen und dem Buchtitel der Zukunftsgestaltung zu entsprechen vermag der Beitrag von Grischconsulta zum touristischen Wohnungswesen in Davos. Auch vor dem Hintergrund von Lex Weber und Zweitwohnungssteuern. Mit zehn konkreten Empfehlungen zum sinnfälligen Miteinander ist da in der Tat etwas vom "Biss" zu spüren, den die Herausgeber versprechen.

Wahlweise amüsant oder ärgerlich hingegen der Beitrag aus Chur über die "Nutzung sozialer Netzwerkanalyse zur Steuerung der Resilienz touristisch geprägter Räume". Das ist übles wissenschaftliches Geschwurbel, liesse sich doch einfach sagen, es gehe darum, wer vor Ort in Sachen Tourismus entscheidende Bremser und Treiber seien – eine durchaus wichtige Fragestellung. Und es ist in der Tat interessant zu sehen, wie da Akteure wissenschaftlich identifiziert, gewichtet und in Beziehung gestellt werden. Aber dass ausgerechnet "San Gottardo 2020" der Untersuchungsgegenstand ist, führt die Arbeit ab absurdum: Dieser Raum funktioniert übergeordnet touristisch einfach nicht.

Es fehle "eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen der Tourismuspolitik", hält Peter Keller im abschliessenden Beitrag des Jahrbuches fest, gerade im deutschen Raum mangle es "an theoretischer Tiefe und politischem Sachbezug". Dem ist einerseits nichts beizufügen. Ausser dass St. Gallen zu wertvoll ist, um als Friedhof wissenschaftlicher Publikationszwangsarbeiten und Plattform selbstreferentieller Diskurse nach Luhmann zu dienen.

Andererseits trösten die Beiträge St. Gallens und Kellers über alle Schwächen hinweg und verschaffen prickelnde Momente. So ordnet der Wirtschaftsprofessor und langjährige touristische Chefbeamte Peter Keller souverän Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Tourismuspolitik ein. Dabei erweist sich, dass die Schweiz in dieser Hinsicht seit langem weltweit führend ist, was just der Wissenschaftlichkeit zu verdanken ist.

Staatliche und zwischenstaatliche Stellen wandelten sich "immer mehr zu Wissenschaftsorganisationen, welche Wissen selber produzieren, einkaufen oder vermitteln", erläutert Keller. Aber er lässt auch keinen Zweifel daran, dass Tourismus eine herausragende wirtschaftliche und keine staatliche Angelegenheit ist. Dabei seien die Akteure jedoch "in hohem Mass auf die Kooperation mit der Wirtschaft angewiesen".

Was den Kreis schliesst: Schwächen in Wissenschaft und Praxis können wir uns im Tourismus nicht leisten. Weniger denn je.

Peter Grunder / GastroJournal


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