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Wirteverband Basel-Stadt

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26.05.2015

Peter Bodenmann: "Vernünftige Rahmenbedingungen"

Über Unternehmer und Politiker, Funktionäre und Touristiker

Nach der politischen Karriere hat Peter Bodenmann eine gastgewerbliche und touristische begonnen – erfolgreich.

Peter Bodenmann ist in Brig als Sohn des langjährigen bürgerlichen Ständerates Hermann Bodenmann aufgewachsen, hat in Zürich die Rechte studiert und in Brig als Anwalt begonnen. Er politisierte links, wurde auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene in legislative und exekutive Ämter gewählt und präsidierte die SP Schweiz. 1999 beendete er abrupt seine politische Laufbahn und übernahm unternehmerische Verantwortung in der Familie. Bodenmann ist verheiratet und hat erwachsene Kinder.

GastroJournal: Herr Bodenmann, warum sind Sie Hotelier geworden?

Peter Bodenmann: Das war ein Zufall. Es brauchte jemanden, der den familiären Hotelkomplex übernahm. Tourismus ist wie Politik, ein nicht ganz einfaches Geschäft. Mit meiner Frau zusammen führe ich das Hotel Good Night Inn mit 167 Zimmern und 300 Betten.

Gleichzeitig sind wir auch Touroperator und haben letztes Jahr allen der Matterhorn-Gotthard-Bahn Tickets für 685'000 Franken abgekauft. Vor Ende Jahr werden wir im untersten Geschoss des Hotels auf über 800 Quadratmetern eine grosse Modelleisenbahnlandschaft eröffnen. Mit der BLS Süd- und Nordrampe als Herzstück.

Wie läuft das Hotelgeschäft?

Brig als Standort hat nachweislich Potenzial. Wir konnten in den letzten 15 Jahren die Zahl der Übernachtungen in Brig von 50'000 auf 150'000 Logiernächte verdreifachen. Die Hälfte der Gäste übernachtet im Hotel Good Night Inn.

Wir sind der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge auf den Gornergrat, für Fahrten mit dem Glacier-Express und für Abstecher nach Stresa und Chamonix. Allerdings ist das Gruppengeschäft preissensibel. Busunternehmer und Reiseveranstalter wollen Angebote in Euro. Der Kurs fiel von 1.60 Franken pro Euro auf 1.05 Franken. Das erzeugt Kostendruck.

Was ist zu tun?

Als Unternehmen versuchen wir wie alle anderen, die Abläufe zu optimieren und noch produktiver zu werden. Aber es gibt Grenzen, und die sind weitgehend erreicht. Deshalb braucht es bessere Rahmenbedingungen.

Sind Gastgewerbe und Tourismus nicht grundsätzlich zu arbeits- und kapitalintensiv, als dass in einer hochentwickelten Volkswirtschaft wie der Schweiz, die enorme Produktivität verlangt, nachhaltig Geld zu verdienen ist?

Ich wäre nicht so pessimistisch, zumal wir ja kein Attraktivitäts- oder Imageproblem haben. Die Leute wollen das Matterhorn sehen und mit dem Glacier Express fahren. Wir haben Standortvorteile, aber wir brauchen endlich vernünftige Rahmenbedingungen.

Leider sind heute die Falschen an der Spitze unserer Verbände. Jürg Schmid, Dominique de Buman und Co. haben keine unternehmerische Erfahrung, keine Ahnung vom Tagesgeschäft. Sie wollen vorab ihre Bürokratien aufblasen.

Aber die Schweiz ist traditionell so organisiert und setzt auf das Milizsystem?

Im Parlament hat es Bauern wie Sand am Meer. Aber keine Hoteliers und Gastronomen. Weil wir mit unseren Betrieben beschäftigt sind. In die Lücke springen jene, die mehr Geld für Verbände aller Art wollen Dazu kommt: Leider sind wir als Unternehmer noch nicht bereit, etwa alle Hotels in einem Ort als ein gemeinsames virtuelles Hotel zu betreiben. Wir könnten so viel mehr Geld sparen als nur mit Einkaufsgenossenschaften.

Das Destinationsmanagement der 3. Generation stellt Gästeströme und Leistungsträger ins Zentrum, das ist doch ein vernünftiger Ansatz?

Das tönt gut. Ist aber zu abstrakt. Wir brauchen einerseits bessere Rahmenbedingungen und andererseits neue Betreibermodelle.

Das Massnahmenpaket der Branche?

Unsere Apparate wollen mehr Geld, um Imagewerbung zu machen. Es geht nicht um das Image der Schweiz. Das ist gut, sehr gut sogar. Sondern um Kostensenkungen dank weniger, aber intelligenterem Staat.

Was wäre denn richtig und wichtig?

Erstens: Die Kaufkraftparität des Euro liegt bei 1.40 Franken. Ein neuer Mindestkurs von 1.15 würde der Branche Luft verschaffen. Die Nationalbank schadet der Exportwirtschaft und dem Tourismus. Noch wollen das viele nicht wahrhaben.

Zweitens: Wir bezahlen für Fleisch und Butter doppelt so hohe Preise wie unsere Konkurrenten im nahen Ausland. Wir müssen - solange der Freihandel nicht realisiert wird – pro Übernachtung frei übertragbare ¬Importkontingente bekommen.

Drittens: Preisüberwacher und Wettbewerbskommission müssen die vertikalen Importkartelle zerschlagen. Viertens brauchen wir endlich eine kostenfreie Buchungsplattform. Und fünftens zwingend eine neue Finanzierung der Bergbahnen.

Sie träumen?

Im Gegenteil. Die Schweiz wird im Herbst aus ihren Träumen gerissen werden. Der Konkurs des Waldhaus in Flims ist nur ein weiteres Alarmzeichen. Europäische Lebensmittelpreise würden die Ertragskraft auf Stufe EBIT aller Hotels um durchschnittlich 10 Prozent des Umsatzes verbessern. Anstatt das Geld in Imagewerbung zu stecken, müssten regionale, kantonale und nationale Tourismusorganisationen nur Geld bekommen, wenn sie etwas bewegen.

Eine kommissionsfreie Buchungsplattform?

Wir haben mit Booking Valais eine eigene kommissionsfreie Plattform. Sie kombiniert einen Channel-Manager mit beliebig kombinierbaren Buchungsmasken. Für die eigene Homepage genauso wie für Verkehrsvereine. Für den kommissionsfreien Verkauf von Hotelzimmern, Packages und Nebenleistungen. Letztes Jahr lief bereits ein Umsatz von 14 Millionen über unser System. So etwas braucht es endlich national. Damit die Summe der Kommissionen zu sinken beginnt. Bei den Kreditkarten kam plötzlich auch Bewegung ins Geschäft.

Alle sind dafür, niemand packt es an?

National- und Ständerat müssten gesetzlich festschreiben, dass Schweiz Tourismus in Zukunft keinen müden Rappen bekommt, wenn nicht subito eine solche Plattform für Hotels, Ferienwohnungen und Bergbahnen realisiert wird.

Eine Baustelle ist das Wintergeschäft samt den Bergbahnen. Gibt es Alternativen zu den Kannibalen auf der Flucht nach vorn oder den Bahnen als Service Public?

Die Lösung scheint für Winterstationen einfach. In der Regel sind mindestens 80 Prozent der touristischen Investitionen in Zweitwohnungen geflossen. Nur 10 Prozent in die Bergbahnen. Ohne Bergbahnen reduziert sich der Wert Ferienwohnungen mindestens um die Hälfte. Die Ferienwohnungsbesitzer müssten – wenn wir Leukerbad als Beispiel nehmen – pro zwei Betten ein frei übertragbares Generalabonnement übernehmen. Und schon hätten wir die richtige Dynamik vor Ort.

Peter Grunder / GastroJournal



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