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04.01.2024

Tourismuszonen: Weltfremde Vorschläge des Bundesrats

Für attraktive Städte braucht es belebte Zentren

Der Bundesrat führt eine Vernehmlassung durch zur Einführung städtischer Tourismuszonen, in denen Detailhändler sonntags öffnen dürften. Leider setzt er auf wenige Läden mit Luxus- und Souvenirartikeln. So funktionieren Tourismuszonen aber nicht! Die Belebung der Innenstädte gelingt nur, wenn die Lösungen praktikabel und für alle Reisenden attraktiv sind.

Für touristisch attraktive Städte braucht es belebte Zentren – auch und gerade am Sonntag. In der Schweiz kennen wir umfassende Sonntagsöffnungen bisher leider nur in Tourismuszonen in den Bergen. Mit einer Revision der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz könnte der Bundesrat das unkompliziert ändern, doch seine Vorschläge sind weltfremd.

Zwar möchte die Regierung Tourismuszonen auch in grossen Städten mit internationalem Reiseverkehr zulassen, doch leider nur für den Verkauf von Luxusgütern und Souvenirs. Damit wird das Ziel verfehlt, klar definierte Quartiere in Innenstädten durch ein attraktives Shoppingerlebnis attraktiver zu machen.

Ungenutztes Potenzial

Touristinnen und Touristen erwarten nicht nur interessante Freizeit-, Kultur- und Gastronomieangebote, sondern auch vielfältige Einkaufsmöglichkeiten – und zwar an sieben Tagen die Woche. Eine der Hauptaktivitäten von Reisenden ist das Einkaufen und Verweilen, auch am Sonntag.

In der Schweiz besteht ein ungenutztes Potenzial in den Stadtzentren, dessen Erschliessung der lokalen Wirtschaft wichtige Impulse gäbe. In vielen europäischen Ländern, in Asien und Amerika sowieso, gehört es bereits länger zum Städtetourismus, sonntags zu shoppen. Kundengerechte Öffnungszeiten sind wichtig, um mit internationalen Destinationen konkurrenzfähig zu bleiben.

Der Tourismus in den Städten ist einem starken Strukturwandel ausgesetzt. Während Geschäftsreisen nicht mehr im früheren Umfang getätigt werden und das Messegeschäft unter Druck ist, liegen die Hoffnungen und Wachstumschancen bei Freizeitgästen und Kongressbesuchern. Für diese beiden Gästegruppen sind Shopping-Möglichkeiten am Sonntag essenziell wichtig!

Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ginge mit dem seit langem bestehenden Trend in Richtung Städtetourismus einher, der nur von der Corona-Pandemie unterbrochen wurde. So sind die Logiernächte in urbanen Gebieten der Schweiz zwischen 2009 und 2019 um 37 Prozent gestiegen, während die Übernachtungen in den meisten Ferienorten im gleichen Zeitraum kaum zulegten.

Bei den Sonntagsöffnungen gibt es eine krasse Ungleichheit. Oder wie die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh es ausdrückte: «In St. Moritz kann man auch am Sonntag seine Skiausrüstung kaufen. Wenn man aber in Zürich seine Badehose vergessen hat, steht man vor verschlossenen Türen.»

Freiheit beim Warensortiment

Das eingeschränkte Warensortiment, welches der Bund in der Vernehmlassung vorsieht, ist praxisfremd. Es ist sinnlos, nur einige Geschäfte oder gar nur Teilbereiche von Geschäften zu öffnen und andere nicht. Abgedeckte Sortimente beeinträchtigen das Einkaufserlebnis sehr.

Es ist unverständlich, wieso nur Zielgruppen aus dem Luxussegment die Möglichkeit haben sollen, am Sonntag einzukaufen, während andere Gäste im Ladengeschäft nebenan auflaufen. Abgesehen davon, erwarten auch Gäste, die es sich leisten können, eine breite Auswahl in verschiedenen Preisklassen.

Von geöffneten Geschäften würde die gesamte städtische Wertschöpfungskette profitieren. Der Verordnungsentwurf des Bundesrates ist für den Detailhandel aber wettbewerbsverzerrend und untauglich. Er stellt aufgrund des möglichen Präjudizes bezüglich Sortimentseinschränkung sowie der Sonderregelungen in Bezug auf zusätzliche Kompensationen für die Arbeit an Sonntagen sogar eine Verschlechterung gegenüber dem Status Quo dar.

Es ist falsch, für die Arbeit an Sonntagen zusätzliche Kompensationen vorzuschreiben. Für alle Erlebnisse der touristischen Wertschöpfungskette haben die gleichen Spielregeln gelten. Weder die Gastronomie noch die Beherbergung oder kulturelle Institutionen kennen solche Kompensationen, wie sie der Bundesrat nun für den Detailhandel vorschlägt. Es stellt sich auch die Frage der Gleichbehandlung des städtischen Detailhandels gegenüber den Tourismuszonen in den Bergen.

Ach, wie schön wäre es, wenn die zahlreichen Passagiere der Kabinenschiffe, die Freizeit- und Kongressgäste in den Hotels, Tagestouristen und die einheimische Bevölkerung am Sonntagnachmittag zwischen Marktplatz und Schifflände (oder sogar bis zum Claraplatz) flanieren und einkaufen könnten!

Städtedestinationen benötigen eine gute Mischung aus Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Orten zum Verweilen. Ansonsten droht eine Verödung der Innenstädte durch die Abwanderung der Kundschaft in den Onlinehandel oder umliegende Reiseziele. Der Vorschlag des Bundesrats ist in seiner aktuellen Form mutlos und in keiner Weise praxistauglich!

Maurus Ebneter
Präsident Wirteverband Basel-Stadt


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