Back to Top
Wirteverband Basel-Stadt

Wirteverband Basel-Stadt


Suchen Sie Mitarbeiter?
Schalten Sie jetzt für 65 Franken ein Stellenangebot auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe. Jahresabos ab 390 Franken.

10.03.2026

Missbraucht die Coop-Tochter Transgourmet ihre Marktmacht?

«Verein Faire Märkte Schweiz» fordert bei Weko Überprüfung ein

Der Verein «Faire Märkte Schweiz» sieht Indizien für den Missbrauch von Marktmacht im Gastro-Grosshandel durch die Coop-Tochter Transgourmet. Er fordert bei der Wettbewerbskommission eine Überprüfung ein.

Lieferverweigerungen, übermässig steigende Preise, eine wachsende Abhängigkeit der Betriebe von einem marktbeherrschenden Grosshändler und ein möglicher Missbrauch der daraus resultierenden Verhandlungsmacht gegenüber Abnehmern und Lieferanten: Vor diesen negativen Effekten hatten Marktbeobachter gewarnt, als die Wettbewerbskommission im Vorjahr die Übernahme der Saviva AG durch die Coop-Tochter Transgourmet Schweiz AG freigegeben hatte.

Der Verein «Faire Märkte Schweiz» behauptet nun, dass die befürchteten Folgen eingetreten sind. Dies würden dem FMS zugetragene Erfahrungsberichte und Daten zeigen. Der Verein hat bei der Weko beantragt, die Marktstellung von Transgourmet, die Entwicklung der Preise und Lieferkonditionen sowie mögliche wettbewerbsbeschränkende Abreden oder einen kartellrechtlichen Missbrauch zu prüfen.

Auswertung der Daten von betroffenen Betrieben

Nach der Übernahme der Saviva AG durch die Coop-Tochter Transgourmet Schweiz AG hat sich im Schweizer Gastro-Grosshandel die Marktkonzentration weiter erhöht. In einigen Regionen verfügen Gastronomiebetriebe faktisch über keine effektive Ausweichmöglichkeit zu einem alternativen Vollsortiment-Grosshändler mit vergleichbarer Logistik und Lieferfähigkeit.

Eine Selbstabholung in Abholmärkten ist insbesondere für Betriebe in Berg- und Randregionen aus zeitlichen und wirtschaftlichen Gründen oft unrentabel und logistisch nicht zumutbar.

Eine aktuelle Auswertung anonymisierter Daten zeigt, dass Transgourmet seine Preise zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026 deutlich erhöht hat. Über das gesamte von einem Gastronomiebetrieb bezogene Sortiment hinweg betrug die durchschnittliche Preissteigerung gemäss Angaben von FMS 4.7 Prozent und bei umsatzstarken Kernprodukten lag der Aufschlag bei 1.7 Prozent. Gemäss Bundesamt für Statistik belief sich die durchschnittliche Jahresteuerung 2025 auf lediglich 0.2 Prozent.

«Zusätzlich werden die Betriebe durch verschärfte Lieferkonditionen belastet. So gilt ein Mindestbestellwert von 700 Franken», schreibt FMS auf seiner Website. Bei Unterschreitung werde eine Anfahrtsgebühr von 50 Franken erhoben, was einem preiswirksamen Zuschlag von über 7 Prozent entspricht (bei kleineren Bestellungen entsprechend mehr). Diese Kombination aus Preis- und Konditionsverschärfungen treffe insbesondere kleine und mittlere Gastronomiebetriebe.

Besonders gravierend seien Hinweise auf eine faktische Lieferverweigerung: Ein Betrieb aus einer Bergregion berichtet, dass Transgourmet die Belieferung ohne Vorankündigung eingestellt und ihn bei Unterschreitung eines einseitig festgelegten Mindestjahresumsatzes auf Abholmärkte verwiesen habe.

«Damit wird der Zugang zur Belieferung faktisch an einen Mindestjahresumsatz geknüpft. Für Betriebe in Rand- und Bergregionen kommt dies faktisch einem Ausschluss von der Versorgung gleich», schreibt der Verein.

Kleine und mittlere Gastronomiebetriebe besonders betroffen

Aus Sicht von «Faire Märkte Schweiz» verdichten sich damit die Hinweise auf eine marktbeherrschende Stellung von Transgourmet und auf einen möglichen Missbrauch dieser Stellung durch unangemessene Preise und Geschäftsbedingungen.

«Damit liegen erstmals belastbare Zahlen von Betrieben zu den negativen Effekten vor», sagt der Präsident von FMS, Stefan Flückiger: «Die vorliegenden Zahlen sind repräsentativ für rund 40% der Gastronomiebetriebe, die einen gleichen oder tieferen Jahresumsatz aufweisen. Die negativen Effekte für die ganze Branche sind also enorm.»

FMS fordert die Wettbewerbskommission auf, die Marktstellung von Transgourmet im Gastro-Grosshandel erneut vertieft zu prüfen sowie die Preis- und Konditionsentwicklung seit der Übernahme systematisch zu analysieren.

Laut FMS verdichten sich die Anhaltspunkte dafür, dass Transgourmet in einzelnen Regionen zumindest über relative Marktmacht im Sinne von Art. 4 Abs. 2bis KG verfügt. Gleichzeitig bestehen Hinweise auf einen Missbrauch dieser Marktmacht im Sinne von Art. 7 KG.

Darüber hinaus bestehen Anhaltspunkte dafür, dass im stark konzentrierten Schweizer Gastro-Grosshandelsmarkt auch koordinierte Marktverhaltensweisen zwischen führenden Anbietern eine Rolle spielen könnten (Art. 4 i.V.m. Art. 5 KG).

Konkret zeigen sich laut FMS Anhaltspunkte für folgende Verhaltensweisen:

Diskriminierung von Handelspartnern bei Preisen und Geschäftsbedingungen (Art. 7 Abs. 2 lit. b KG), indem vergleichbare Betriebe ohne sachliche Rechtfertigung unterschiedlichen Preis- und Konditionsstrukturen unterliegen.

Erzwingung unangemessener Preise und Geschäftsbedingungen (Art. 7 Abs. 2 lit. c KG), da betroffene Betriebe aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten faktisch gezwungen sind, wiederholte Preiserhöhungen und verschärfte Lieferbedingungen zu akzeptieren.

Koppelung von Lieferbedingungen an Mindestabnahmen (Art. 7 Abs. 2 lit. f KG), wodurch der Zugang zu regulären Konditionen an Mindestbestellwerte oder umfassende Sortimentsbezüge gebunden wird.

Mögliche wettbewerbsbeschränkende Abreden oder abgestimmte Verhaltensweisen (Art. 4 i.V.m. Art. 5 Abs. 1 KG), da mehrere Grosshändler vergleichbare Mindestumsatzanforderungen und Lieferbedingungen anwenden.

Faire Märkte Schweiz ersucht die Wettbewerbskommission, die Marktstellung von Transgourmet Schweiz AG im Gastro-Grosshandel erneut und vertieft zu prüfen, die Preis- und Konditionsentwicklung seit der Übernahme der Saviva AG systematisch zu analysieren und abzuklären, ob ein kartellrechtliches Missbrauchsverfahren nach Art. 7 KG angezeigt ist.

Es sei auch zu prüfen, ob zwischen Transgourmet Schweiz AG und der Pistor AG eine verbotene Koordinierung von Preisen oder Lieferkonditionen oder sonstige abgestimmte Verhaltensweisen im Sinne von Art. 4 i.V.m Art 5 Abs. 1 KG besteht.

fairemaerkteschweiz.ch

Faire Märkte Schweiz schaltet die Weko ein: Es gebe Anhaltspunkte für einen Missbrauch von Marktmacht durch die Coop-Tochter Transgourmet. coop.ch


Suchen Sie eine Stelle im Gastgewerbe?
Inserieren Sie kostenlos auf Gastro-Express, der führenden Jobbörse für das Schweizer Gastgewerbe!


Wirteverband auf Social Media

Auf LinkedIn folgen
Auf Facebook folgen 



GV und GastroPodium 2025

im Landgasthof Riehen

Bildergalerie ansehen
Videos ansehen


Mit E-Learning zum Wirtepatent!

1000 Franken plus Prüfungsgebühr
Mehr Informationen


Bitte Termin vormerken

Nächste GV und GastroPodium 
DI 5. Mai 2026