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Wirteverband Basel-Stadt

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14.03.2014

Mit Kleinstbeträgen zum Ziel

Erstaunliche Erkenntnisse im Basler St. Johann-Quartier

Wenn die Banken dem Gastgewerbe keine Kredite mehr gewähren, ¬müssen neue Geldquellen her – zum Beispiel Crowd Funding.

Direkt an der Elsässerstrasse in Basel, einer städtischen Lebensader, haben Michael Hänggi und Christoph Nyfeler ohne Fremdkapital ihr Café Saint-Louis eröffnet. Wobei "ohne Fremdkapital" nicht ganz stimmt. Zwar haben sie für ihr Café keinen Bankkredit aufgenommen, doch über Crowd Funding haben sie Geld von der Crowd – der Bevölkerung – geholt.

Die Finanzierung mit Crowd Funding ist neu, dem Internet sei Dank. Bekannte und Unbekannte geben kleine Geldbeträge und erhalten dafür eine Gegenleistung weit unter dem Wert des Geldbetrags. Bei Café Saint-Louis waren es unter anderem für 15 Franken ein Café und Gipfeli und für 500 Franken ein 3-gängiges Abendmenü. "Bislang hat ¬weniger als die Hälfte aller Spender ihre Gegenleistung eingelöst", sagt Mitinhaber Christoph Nyfeler.

Investiert haben Hänggi und Nyfeler rund 120'000 Franken, beide brachten je die Hälfte an Eigenmitteln ein. Damit bestritten sie den Umbau von einem Jugendtreff hin zu ¬ihrem Café Saint-Louis. Der Eigentümer finanzierte die notwendige Anpassung der Kanalisation, dafür waren die Pächter verantwortlich für den Innenausbau.

Das Haus zählt zu den in Basel bekannten Baumgartnerhäusern aus der Zwischenkriegszeit und steht unter Denkmalschutz. Mit viel Eigenleistung schliffen die Gastgeber die Böden, strichen die Wände und bauten aus den einstigen holzigen Schaufensterkassetten die neue Bar.

Doch Eigenleistung und Eigenmittel reichten nicht. 8000 Franken sammelten die Gastgeber zusätzlich, um damit die Kaffeemaschine zu finanzieren. Der Fokus des Café Saint-Louis liegt auf der Kaffeekompetenz und Kaffeekultur. Die Chef de Service Lea hat hierfür einen Barista-Kurs besucht und berät die Kunden bei der Kaffeeauswahl. Die Kaffeebohnen liefert der Basler Start-up-Röster Haenowitz & Page.

Die Limonade holen die Besitzer im französischen Jura bei einem kleinen Hersteller, Gipfeli und Gebäck liefert eine bekannte Bäckerei. "Für unsere Pâtisserie haben wir ein eigenes Kuchenteam, das ausschliesslich für unsere Kuchen zuständig ist."

Auf die Idee des Crowd Funding kamen Hänggi und Nyfeler dank des Apfelgolds in Bern, dem ersten über Crowd Funding finanzierten Restaurant der Schweiz. Vom dortigen Besitzer hatten sie auch den Tipp, "etwas Greifbares" finanzieren zu lassen – Hänggi und Nyfeler entschieden sich für die Kaffeemaschine. Innerhalb von 90 Tagen kamen die angestrebten 8000 Franken zusammen. Rund 120 Personen vertrauten dem Projekt ihr Geld an, vor allem Junge aus dem städtischen Gebiet Basels. Bei älteren Semestern scheinen das Internet und die Online-Bezahlung eine Hemmschwelle gewesen zu sein. "Einige haben sich über Kollegen und andere Mittelsmänner beim Crowd Funding beteiligt."

Heute würde Christoph Nyfeler beim Crowd Funding einiges optimieren: "Damals waren wir vorsichtig. Denn wenn der Betrag zu hoch gesetzt wäre und er käme nicht zusammen, dann würde gar kein Geld fliessen. Entweder man erreicht den Betrag und dann fliesst er komplett, ansonsten zerfällt die Finanzierung." Auch die "Gegenleistung" würde er heute optimaler ausgestalten und mehr mit Lieferanten zusammenarbeiten. Den Burgunderabend hat der Weinlieferant organisiert und den notwendigen Wein gleich selber mitgebracht und offeriert.

"Ich denke, das Gastgewerbe an sich ist prädestiniert für Crowd Funding. Uns hat zusätzlich der laufende Umbau sehr geholfen. Die Leute sahen direkt, dass hier etwas am Entstehen war", sagt Nyfeler. Rund die Hälfte der Geldgeber stammt aus dem Quartier und zählt heute zu den Stammgästen.

Marco Moser / GastroJournal

Das Café Saint-Louis hat sich spezialisiert auf die Kaffee-Kompetenz und arbeitet hierfür mit einem lokalen Röster zusammen. Bild: Marco Moser


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