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Wirteverband Basel-Stadt

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12.08.2019

«Das Basler Nachtleben bereichert die Stadt»

Gespräch mit Lukas Ott

Nach Ladenschluss ist noch lange nicht Schluss: Das gilt auch in Basel. Menschen bleiben oder kommen in die Stadt, um Kinos, Konzerte oder Theater zu besuchen, zu essen, feiern und tanzen. Wir unterhielten uns mit Lukas Ott, dem Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung, über die Chancen und Herausforderungen einer Stadt, die auch abends und nachts lebt.

Herr Ott, welche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung hat das Nachtleben für Basel?

Für Basel als weltoffene und urbane Stadt ist das Nachtleben ein wichtiger Standortfaktor – in jeder Hinsicht. Das Nachtleben schafft Arbeitsplätze, erweitert das Kulturangebot und ermöglicht Begegnungen und Austausch. Es trägt auch zur gewünschten Belebung der Innenstadt bei.

Früher war die Innenstadt am Abend und in der Nacht allerdings stärker belebt, vor allem auch unter der Woche. Woran liegt das?

Ich habe einen anderen Eindruck. Aber heute beschränkt sich das Nachtleben nicht mehr nur auf die Innenstadt. Das Rheinbord und der Hafen sind heute «places to be». Das hat den Vorteil, dass die Innenstadt von der schieren Zahl der Veranstaltungen etwas entlastet wird, ohne dass in Basel weniger läuft.

Je attraktiver das Nachleben, desto urbaner die Stadt. Wie «städtisch» ist Basel für einen Ort unserer Grösse?

Basel kann problemlos mit grösseren Städten mithalten. Das Angebot ist breit und vielseitig. An Clubs, Boulevardgastronomie, Festivals, Zwischennutzungen und Jugendkulturangeboten mangelt es nicht. Zudem verfügt Basel über einen attraktiven öffentlichen Raum für konsumfreie Aufenthaltsmöglichkeiten.

Ein lebendiges Nachtleben hat auch Nebenwirkungen. Wie lassen sich diese bekämpfen?

Begleiterscheinungen wie Lärm, Littering, wildes Urinieren, Vandalismus und bisweilen Gewalt sind die unangenehmen Seiten eines attraktiven Nachtlebens. Es stimmt, der öffentliche Raum wird zunehmend intensiver genutzt. Und das rund um die Uhr. Das kann für die Anwohnerinnen und Anwohner schon auch belastend sein. Es gehört zum Stadtleben, dass die unterschiedlichen Interessen laufend diskutiert und Lösungen gemeinsam gefunden werden müssen.

Sind Nachtbetriebe per se problematisch?

Im Gegenteil. Denn Nachtbetriebe haben klare Verantwortlichkeiten und auch Ansprechpersonen, mit denen bei Problemen eine Lösung gesucht werden kann. Schwieriger ist die Situation bei intensiv genutzten Orten im öffentlichen Raum. Da gibt es keine Verantwortlichen, die zum Beispiel in Sachen Lärm in die Pflicht genommen werden können.

Wie lassen sich solche Nutzungskonflikte am besten bewältigen?

Im Dialog. Wenn sich die verschiedenen Akteure verstehen, nehmen sie auch eher aufeinander Rücksicht. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Pilotprojekt #RHYLAX, das wir zusammen mit dem Verein Rheinpromenade Kleinbasel umsetzen: Seit Mai ist ein Team am Rhein unterwegs und sucht den Dialog. Das wird von den Nutzerinnen und Nutzern des Kleinbasler Rheinufers gut angenommen. Da aber die Vernunft allein manchmal nicht ausreicht, braucht es natürlich auch die Möglichkeit der Repression. Allein die regelmässigen Polizeipatrouillen am Rheinufer zeigen schon Wirkung.

Sollen Politik und Verwaltung das Nachtleben eigentlich aktiv steuern?

Die liberale Haltung des Kantons ermöglicht heute ein attraktives Nachtleben. Gleichzeitig sollen auch die Ruhebedürfnisse der Anwohnenden berücksichtigt werden. Deshalb geht es nicht ohne staatliche Eingriffe. Steuerungsmöglichkeiten bieten beispielsweise die speziellen Nutzungspläne für Veranstaltungen in der Innenstadt. Oder die Bewilligungspflicht für Lautsprecheranlagen, über welche die Baslerinnen und Basler demnächst abstimmen werden.

Inwiefern kümmert sich die Stadtentwicklung eigentlich um das Nachtleben?

Indem wir es ab und zu auch nutzen. Nein, Spass. Wir sind ja dazu da, mitzuhelfen, Basel als urbane Stadt mit hoher Lebensqualität und internationaler Ausstrahlung weiterzuentwickeln. Dazu gehört ein attraktives Nachtleben. Deshalb setzen wir uns für entsprechende Rahmenbedingungen ein, ohne dabei die ruhebedürftigen Anwohnerinnen und Anwohner zu vergessen. Allerdings müssen diese auch wissen: Zu einer Schlafstadt darf Basel nicht werden.

Das Nachtleben nistet sich nicht selten an Orten ein, die später städtebaulich entwickelt werden. Ist das eine Art Pionierleistung?

Absolut. Ein gutes Beispiel ist die erfolgreiche Zwischennutzung von 2000 bis 2011 auf dem ehemaligen nt/Areal und heutigen Erlenmattquartier, welches ein Hotspot des Basler Nachtlebens war. Das hat nicht nur den Ort bei der Basler Bevölkerung bekannt gemacht, sondern auch dessen Transformation und damit die Identifikation mit dem neuen Quartier gefördert. Dieser positive Effekt zeigt sich auch bei der Zwischennutzung am Hafen, die wir begleiten. Man kann also ohne Übertreibung sagen: Das Nachtleben trägt auch zur Entwicklung von Basel bei.

Zur Person
Lukas Ott (53) hat Soziologie, Kunstgeschichte und Botanik an der Uni Basel studiert. Als Publizist und Konsulent war er von 1997 bis 2017 Inhaber eines Büros für Politikforschung und Kommunikation. Von 1987 bis 1996 gehörte Ott dem Baselbieter Landrat an. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er als Stadtpräsident von Liestal. Von diesem Amt trat er 2017 überraschend zurück, um im Präsidialdepartement Basel-Stadt bei der Kantons- und Stadtentwicklung die Leitung zu übernehmen. Ott ist in Allschwil geboren und wohnt in Basel. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Stadtentwickler Lukas Ott: «Unterschiedliche Interessen müssen laufend diskutiert und Lösungen gemeinsam gefunden werden.» Bild: Flavia Schaub



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