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20.09.2019

Reservationssysteme können abhängig machen

Ein Thema, das noch unter dem Radar durchfliegt

Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels, warnt vor Bookatable, Opentable und Quandoo – und kämpft mit einem eigenen System gegen deren Übermacht.

«Restaurants profitieren von dieser Partnerschaft, dadurch dass sie nun auf beiden Plattformen verfügbar sind. Sie erlangen so eine viel höhere Erreichbarkeit. Unsere Mission ist es, das Ausser-Haus-Essenserlebnis so bequem wie möglich zu gestalten.» Mit diesen Worten erklärten Opentable und Quandoo im August ihren Zusammenschluss.

Das klingt aufs Erste nach kundenorientiertem Service und erhöhter Visibilität für Restaurants. Dahinter steckt aber eine Geschäftsstrategie, die Betriebe künftig viel Geld kosten wird. Davon ist Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels und Restaurants, überzeugt.

Opentable und Quandoo gehören mit Bookatable zu den grossen Playern auf dem Markt der Reservationssysteme für Gastronomiebetriebe. Bookatable gehört dem Guide Michelin an, Opentable der Buchungsplattform Booking.com. Quandoo wurde 2014 von der japanischen Recruit Holding aufgekauft.

«Das Thema fliegt zurzeit noch unter dem Radar hindurch», mahnt Edelkamp. «Aber an all diesen Anbietern sind Unternehmen beteiligt, deren Interesse dem Börsenerfolg und nicht dem bestmöglichen Service für Gastronomiebetriebe gilt.»

Edelkamp glaubt, eine Motivation sei das Sammeln möglichst vieler Kundendaten, was in der heutigen Zeit von grossem Wert ist. Zudem dürfte der Service des Reservationssystems mit der Konzentration auf immer weniger Anbieter dereinst deutlich mehr kosten.

«Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Rechnungen künftig vielleicht über die App des Reservierungstools bezahlt werden oder dass die Kassen mit den Buchungsprogrammen kommunizieren, dann ist es auch denkbar, dass wir dann nicht mehr über einen Franken für eine Tischreservation reden. Dann reden wir vielleicht über 10, 20, 30 Prozent des gesamten Umsatzes. Das kommt uns ja aus der Hotellerie bekannt vor.»

Laut Edelkamp würden Restaurants mit einem angeblichen Marketing-Mehrwert dank des Auftritts auf ihren Plattformen gelockt. «Fakt ist aber, dass der Gast gerade ausserhalb der grossen Städte in den allermeisten Fällen direkt über die Hotel- oder Restaurant-Website bucht. Das zusätzliche Marketing braucht es nicht.»

Um gegen die drohende Übermacht der Grossen anzukämpfen, veranlasste Edelkamp vor einem Jahr ein eigenes Reservationstool auf der Website der Romantik Hotels und Restaurants. Die über 434 Betriebe – 28 sind es in der Schweiz – können über die eigene Plattform gebucht werden. Für Neumitglieder der Hotel- und Kulinarikgruppe werden einmalig 39 Euro verrechnet. Hinzu kommt 1 Euro Abgabe pro Reservierung.

Ein solches Tool könne auch jeder Einzelbetrieb ganz unkompliziert einbauen, die Kosten seien gering, so Edelkamp. Und vor allem sei der Schritt ein wertvoller Beitrag zugunsten der Unabhängigkeit der Branche.

Benny Epstein / GastroJournal

Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender Romantik Hotels. Bild: zV


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