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09.10.2012

50 Stunden arbeiten für 400 Euro

Wenn Sie das nächste Mal im Badischen essen

Das Gastgewerbe in Grenznähe leidet unter dem Abfluss von Kaufkraft ins benachbarte Ausland. Schweizer Wirte sind aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage, preislich mitzuhalten. Es braucht eine Öffnung der Agrarmärkte, eine Verschärfung des Kartellrechts sowie Entlastungen bei der Mehrwertsteuer und beim Personal.

Ich habe nichts gegen die Gastronomen in Südbaden – ganz im Gegenteil. Auch ich gehe ab und zu über die Grenze, um dort zu schlemmen. Ich versuche einfach, es nicht öfters zu tun, als ich es vor der Frankenstärke tat.

Ich störe mich nicht daran, wenn Gäste begeistert aus dem Elsass oder dem Badischen zurückkommen. Unfair finde ich einzig, wenn jemand gleichzeitig über das angeblich so teure und schlechte Basler Gastgewerbe herzieht.

Auch in der Schweiz gibt es sehr viele ausgezeichnete Restaurants – und in Deutschland gibt es nicht nur gute, sondern auch mässige bis schlechte Angebote. Es ist nicht fair, gute deutsche mit schlechten schweizerischen Betrieben zu vergleichen. Besonders ungerecht ist der Preisvergleich!

Ja, in Deutschland kostet Vergleichbares tatsächlich weniger. In Frankreich ist es – wohl wegen der 35-Stunden-Woche – etwas teurer als in Deutschland, obwohl die Gastronomen dort einen deutlich weniger hohen Mehrwertsteuersatz haben. Wegen des schwachen Euros ist es im Elsass in der Regel dennoch günstiger als bei uns.

Die Basler Wirte würden sich gern dem internationalen Wettbewerb im Dreiländereck stellen, wenn es unsere Lieferanten auch täten. Doch hier liegt das Kernproblem. Unsere Agrarpolitik sorgt für ein absurd hohes Preisniveau, und auch Güter, die nicht durch Schutzzölle verteuert werden, haben einen "Schweiz-Zuschlag", weil die Konzerne hier die Kaufkraft abschöpfen.

Eine Beschäftigtenstunde kostet bei uns durchschnittlich doppelt so viel wie in Deutschland. Bei ungelernten Mitarbeitern ist der Unterschied extrem. Während wir uns nach einem luxuriösen L-GAV richten, werden in Deutschland Hilfskräfte in "Mini-Jobs" weitgehend sozialversicherungsbefreit beschäftigt. Sie arbeiten 50 bis 80 Stunden für einen Lohn von 400 Euro pro Monat. Die gleiche Arbeitsleistung kostet bei uns inklusive Sozialleistungen und obligatorischem Dreizehnten 1500 bis 2400 Franken!

Weil auch die Betriebskosten und die Mieten in Deutschland viel niedriger sind, kommen deutsche Wirte mit einer viel kleineren Bruttomarge zurecht. Sie verdienen mit 33 Prozent Warenkosten mehr als ihre Schweizer Kollegen 25 Prozent. Während die Deutschen also ihre niedrigen Warenkosten mal drei rechnen können, müssen wir unsere teuren Waren durchschnittlich mal vier rechnen, um auf einen grünen Zweig zu kommen.

In der Bauwirtschaft schreibt man den ausländischen Unternehmen vor, sich an die in der Schweiz üblichen Arbeitsbedingungen zu halten. Einer Gaststätte im Badischen kann niemand vorschreiben, Schweizer Löhne zu bezahlen, nur weil 80% der Gäste aus der Schweiz kommen...

Vor diesem Hintergrund scheint es mir legitim, Leute und Firmen, die in der Schweiz ihr Geld verdienen, zu vermehrten Besuchen in Basler Gastbetrieben aufzufordern. Berücksichtigen Sie wenn immer möglich Restaurants, die hier Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten sowie Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Gebühren abliefern!

Maurus Ebneter
Delegierter des Vorstands
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